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„Wildwasser“ in Ziesar

Rezension

   
Wildwasser - Burgtheater Ziesar

„Im jetzigen Regierungsbezirk Magdeburg liegt südöstlich von Genthin und südwestlich von Brandenburg, gleichweit von beiden Städten entfernt, das Städtchen Ziesar, dessen Schloss einst als eines der festesten im ganzen Lande bekannt war und zu der Zeit, von welcher wir erzählen, dem Bischof von Brandenburg, Johann von Waldow, gehörte.“

Karl May, Ein Leu im Käfig

   

An anderer Stelle des deutschsprachigen Zitatenreichtums finden wir: „Wenn Heiraten Frieden stiften könnte, sollte man den Großen die Vielweiberei erlauben!“. Liebenswert ähnlich diesem Zitat die romantische Geschichte von Marie „Wildwasser“ und dem fahrenden Studenten Joachim. Marie, bei May die Nichte des Bischofs Johann von Waldow, und Joachim der Sohn des Widersachers Kaspar Gans von Putlitz verlieben sich zufällig und versöhnen kriegerisch gegenüberstehende Familien und Rittergeschlechter. Die Quitzows machten die Gegend unsicher, Putlitz führte Truppen für die Quitzows und Bischof von Waldow versucht mit Burggraf Friedrich von Zollern in Ziesar sich deren Allmachtgelüsten zu widersetzen. Schließlich kommt die Befriedung.

      
Wildwasser - Burgtheater Ziesar

Wildwasser - Burgtheater Ziesar

   

In Hollywood wäre ein filmszenarisches Märchen entstanden. In Ziesar entstand eine nach Karl May erlebbare, übrigens auch in der Geschichtsschreibung belegte szenarische Darstellung der Geschichte um das Mädchen Marie (Katharina Marquard), genannt „Wildwasser“. Vor-Ort Autor Michael Sens und Regisseur Martin Debus (Hans-Otto-Theater Potsdam) nahmen die Bamberger Karl May Ausgabe in Band 69 erfolgreich zur szenischen Vorlage. Teilweise wortgetreue Dialoge (wie auch in May’s Originalfassung) forderten den Besucher der „Wildwasser-Uraufführung“ am 23. Juni 2005 in der Ziesarer Burg zu gespannter Aufmerksamkeit ebenso heraus, wie die Kulisse selbst. Die Stadt hat sich sehr gemüht, das mittelalterliche Ambiente der Burg nicht nur für May’s Ortsbeschreibung, vielmehr für historisch interessierte Fernreisende herzurichten. Da kam der burggräfliche Minnesänger anno 2005, Nikolai de Treskow, der nach 1990 viele Monate ganz privat in der Burg Ziesar das Sängerleben auf Ziesar zur Freude der Einwohner und ihrer Gäste lebte ganz recht als Vermittler der Szenen in der May’schen Erzählung zu den Quitzow-Geschichten. In Radebeul findet man den Quitzow-Keller nach Klara May und Patty Frank im Blockhaus, die Haftketten des Putlitz sind erlebbar.

Die eher simple May’sche Geschichte wurde glanzreich am originalen Handlungsort präsentiert. Die Schauspieler überzeugten vom Inhalt ihrer Rollen. Selbst Ziesars echter „Feuerwehrhauptmann“ war eingebunden, seine „Nebenrolle“ forderte zu lächelndem Beifall heraus, wenn er auch nach dem Beispiel von Pierre Brice „nur wenig zu sagen hatte“.

Der örtliche Theater-Trägerverein will gemeinsam mit der Stadt und dem Verwaltungsamt diese Inszenierung in jedem Jahr wiederholen. Der unbestreitbare Uraufführungserfolg gilt als Einladung, als Einladung zum historischen Ort Ziesar ebenso, wie zu den Aufführungen des „Wildwasser“ im Sommer 2006.

Die Premiere 2006 findet am 18. Juli – 20.00 Uhr statt. Vom 19. Juli bis 30. Juli sind dann die Veranstaltungen angesetzt. Die Rolle des Minnesängers übernimmt in diesem Jahr der Leipziger Liedermacher Christian Haase, Marie wird von der Comedian Anna Wolf aus Berlin interpretiert. Nähere Informationen unter www.burgtheater-ziesar.de, wo auch Kartenbestellungen möglich sind.

Dr. Volkmar Kunze
Vorsitzender des Vorstandes
der Karl-May-Stiftung

Wildwasser - Burgtheater Ziesar

   

Burgtheater Ziesar       
   

  


Der beiden Quitzows letzte Fahrten

Karl-May-Stiftung Radebeul

Karl-May-Museum Radebeul