René Wagner

Trauer um Wolfgang Mischnick

   
Liebe Frau Mischnick, lieber Harald, liebe Familienangehörige,
verehrte Trauergäste.


Im Namen der Karl-May-Stiftung und des Lionsclub Dresden-Centrum spreche ich unser tiefes Mitgefühl und Trauer zum Tode von Wolfgang Mischnick aus. Wir verlieren mit ihm nicht nur einen langjährigen Präsidenten des Kuratoriums der Stiftung und ein Ehrenmitglied unseres Lions-Clubs, sondern auch einen Menschen, der unsere besondere Hochachtung verdient.

Wolfgang Mischnick hat sich immer mit seiner sächsischen Heimat und seiner Geburtsstadt Dresden verbunden gefühlt. Sowohl in wichtigen Ämtern der FDP als auch in Parlament und Regierung der Bundesrepublik Deutschland hat er jahrzehntelang immer beharrlich versucht, Brücken zu den Menschen in Mitteldeutschland zu bauen. Er war der seltene Fall eines unumstrittenen Politikers von hohem Rang.

Schon vor, aber besonders nach den politischen Veränderungen von 1989, gehörte Wolfgang Mischnick zu den ersten und wichtigen Menschen, die sich neben der politischen und wirtschaftlichen Aufbauarbeit die Zeit nahmen, auch auf dem kulturellen Gebiet Ihre Erfahrungen einzubringen. Das gilt im besonderen Maße für die Karl-May-Stiftung. Es galt, die seit 1913 bestehende Stiftung in ihrer Organisationsstruktur den gesetzlichen Regelungen der Bundesrepublik anzupassen und zu demokratisieren. Dazu kam in den ersten Monaten der Konsolidierung eine große Unsicherheit bei den neuen Verwaltungen, so daß einfache Rechtsakte, wie die Beleihung von Liegenschaften, abenteuerlich abliefen. Manchmal hing der Fortgang des Museumsbetriebes und der Karl-May-Stiftung an einem seidenen Faden; wir konnten aber immer auf die Hilfe von Wolfgang Mischnick bauen, der uns manchen Weg ebnete und seine ganze strategische und politische Erfahrung für die Stiftung einsetzte. Bei komplizierten Situationen halfen uns seine Bedachtsamkeit und seine herausragenden, administrativen Kenntnisse, vermittelnd zu wirken. Als Präsident des Kuratoriums der Karl-May-Stiftung setzte er kraftvoll sein diplomatisches Geschick ein, um den Rückkauf des größten Teiles des Nachlasses von Karl May 1994 aus Privatbesitz mit finanzieller Hilfe des Bundes und des Landes Sachsen zu ermöglichen. Mit seinem Namen verbinden sich die bislang erfolgreichsten Jahre der Stiftung und des dazugehörigen Karl-May-Museums in Radebeul.

Wolfgang Mischnick war immer ein Freund, der sich mit Betonung seiner sächsischen Wurzeln für die Verwirklichung von menschlichen Werten, die auch Karl May vertrat, einsetzte. Er ist schwer, eigentlich gar nicht zu ersetzen. Das gilt nicht nur für die Stiftung. Wie sehr er uns fehlt, werden wir erst in Wochen und Monaten begreifen. Ein großartiger Mensch hat uns verlassen. Was bleibt ist die Erinnerung und sein Vermächtnis, ein Ziel nie aus den Augen zu verlieren und beharrlich, aber kompromißbereit an dessen Verwirklichung zu arbeiten.

Seiner Frau Tine und seinem Sohn Harald, den ich zu meinen Freunden rechnen darf, ist Karl May so verinnerlicht, daß die Karl-May-Stiftung auch in schweren Stunden einen festen Platz in ihren Herzen hat, wie die Traueranzeige seiner Familie eindrucksvoll bestätigt.

Die Worte, die Bertha von Suttner nach dem Tod von Karl May fand, gelten für Wolfgang Mischnick nicht minder: „In dieser Seele loderte das Feuer der Güte …“

René Wagner, Geschäftsführer der Karl-May-Stiftung Radebeul
  

Nachruf anläßlich der Trauerfeier am 15. Oktober 2002 auf dem Friedhof Thalerfeld zu Kronberg. Wolfgang Mischnick starb nach kurzer, schwerer Krankheit unerwartet am 6. Oktober 2002 im Alter von 81 Jahren.
  


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