Feierstunden am häuslichen Herde
 

Und sie zogen auf einem anderen Weg wieder in ihr Land (Mt. 2, 12b) – Hat dieser Satz etwas mit Weihnachten zu tun? Lassen Sie uns einmal genauer hinsehen. Wer sind ›sie‹, woher kommen ›sie‹, was war der Grund ›ihrer‹ Reise?

Es sind nicht die Hirten und nicht die Engel. Es sind die Weisen, die aus dem Osten kamen und den neugeborenen König der Juden suchten. Eine Ungeheuerlichkeit! Wie kamen sie darauf? »Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten«. König Herodes in Jerusalem, bei dem sie den Thronfolger vermuteten, erschrak zu Tode über diese Nachricht. Ein neuer König machte ihm Angst; Herodes fühlte sich bedroht. Er musste etwas unternehmen.

 

Die Weisen aber waren sich einig, dass durch diesen auffälligen Stern etwas ganz Neues, Wichtiges angezeigt wurde. Das mussten sie sehen, das wollten sie nicht verpassen. Als sie nach der Begegnung mit Herodes den Stern wieder sahen, waren sie hoch erfreut. Endlich standen sie vor dem Haus, in dem die Heilige Familie inzwischen wohnte. Und sie waren erfüllt von Freude. Das war nicht nur die Freude, das Ziel erreicht zu haben, es war die Bestätigung Gottes: ihr wart auf dem rechten Weg hier seid ihr richtig. Aber was erwartete sie dort? Kein Palast, kein Prunk, keine Souvenirläden, keine Plakate oder Scharen von Reportern. Sie fanden ein Kind – und seine Mutter. Die Liebe Gottes spricht hier eine zarte, leise Sprache. Sie fielen vor dem Kind nieder und beteten an. Kein Zweifel, kein Misstrauen der Situation gegenüber ist hier zu spüren. Die Freude, die sie beim Anblick des Sternes erfüllte, bekommt jetzt ein Gesicht und einen Namen: Jesus.

Welche Botschaft hatten in der anderen Geschichte die Engel auf dem Hirtenfeld auszurichten? »Siehe, ich verkündige euch große Freude, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids«. Da schon hatten sich aufgrund dieser Nachricht Menschen auf den Weg gemacht, aus der Einsamkeit der Hirtenfelder hin zum Stall. Auch die Hirten knieten und beteten an, sie lobten Gott und kehrten um und – gingen einen anderen Weg zurück in ihren Alltag. Denn zuerst einmal brachten sie die frohe Botschaft von der Liebe Gottes, die sie gesehen und gehört hatten, voller Freude zu den anderen Menschen in ihrem Ort.

Auch unsere Weisen gehen auf einem anderen Weg wieder in ihr Land. Eigentlich sollten sie dem König Herodes berichten, wo das Kind zu finden sei. Im Traum bekamen sie von Gott die Weisung, dies nicht zu tun. Und sie waren gehorsam! Sie ließen sich von Gott auf seinen Weg setzen. Damit halfen sie mit, das Kind vor Herodes zu retten. Die Hirten und die Weisen sind durch die Begegnung mit Jesus auch im Inneren verwandelt wieder nach Hause gegangen. Diese Erkenntnis, dass hinter diesem Kind Gott mit seiner Liebe steht, dass Gott selber in Jesus einer von uns wird, der uns kennt und versteht, bekamen diese Leute damals geschenkt. Und das passiert bis auf den heutigen Tag. Lassen Sie die immer noch brandaktuelle Botschaft tief in Ihr Herz hinein: Euch ist heute der Heiland geboren! – das eröffnet doch Wege aus Schuld, Leid, Perspektivlosigkeit, Verstrickungen und vielen anderen Dingen, die unser Leben belasten. Das ist Gottes gute Botschaft nicht nur an die Hirten und die Weisen damals, sondern an Sie und mich! Nur – wir müssen uns auf dem Weg machen und Jesus begegnen. Er ist uns den weit größeren Teil der Strecke schon längst entgegen gekommen. Diese Begegnung, wenn sie nicht nur eine flüchtige ist, wird nicht ohne segensreiche Folgen bleiben. Es werden andere Wege sein, die wir dann durchs Leben gehen.

   

Nur wer einen Weg zu einem bestimmten Ziel kennt, kommt auch dort an. Jesus ist das Ziel aller Dinge und aller Zeit, er möchte auch das Ziel Ihres Lebens sein. Das ist Gottes Botschaft an uns heute.

 
Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gnädiges Jahr 2005.

Albrecht Reuther,
Kantor zu St. Trinitatis Hohenstein-Ernstthal

 

 

 


             Die St. Trinitatis Kirche in Ernstthal. Hier wurde Karl May am 26. Februar 1842 evangelisch-lutherisch
             getauft und später am 16. März 1856 konfimiert.

  


Wir wünschen allen unseren Internetbesuchern ein frohes Weihnachtsfest und ein »friedliches« Jahr 2005!

Claus Roxin, Volker Wahl,
Volkmar Kunze, Thomas Grafenberg
René Wagner, Hans Grunert, Gudrun Wittig, André Köhler, Brigitte Krabbes, Ralf Harder

Karl-May-Stiftung / Karl-May-Museum
Radebeul bei Dresden