85 Jahre Karl-May-Stiftung
  

Unter den Museen des Freistaates Sachsen, die alljährlich Besucher aus aller Weit anlocken, stellt das Karl-May-Museum in Radebeul eine Besonderheit dar.

Die Geschicke dieses seit 1928 bestehenden Museums, das die Ausstellungen "Indianer Nordamerikas" sowie "Karl May - Leben und Werk" zeigt, sind eng mit der Karl-May-Stiftung verknüpft. Der Schriftsteller Karl May (1842-1912), dessen Werk in mehr als 30 Sprachen übersetzt ist und in einer deutschen Auflage von nahezu 100 Millionen Exemplaren vorliegt, hatte in seiner letztwilligen Verfügung seine Gattin Klara May (1864-1944) zur Universalerbin bestimmt. Verbunden war dies mit der Maßgabe, daß die Hinterlassenschaft des Schriftstellers ("alles, was ich besitze und was meine Werke noch einbringen werden") nach Klara Mays Ableben einer mildtätigen Stiftung zufallen solle, dazu bestimmt, mittellosen begabten Menschen Ausbildungsbeihilfe sowie notleidenden Schriftstellern und Journalisten Unterstützung zu gewähren.

Diese Karl-May-Stiftung wurde von der Witwe bereits zu Lebzeiten, am 5. März 1913, beim Königlichen Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts in Dresden errichtet In einem Vertrag vom 11. Dezember 1913 setzte Klara May die Stiftung zur Erbin des Vermögens ihres verstorbenen Mannes ein. Nach Erreichen einer bestimmten Kapitalhöhe aus weiteren Zuwendungen der Witwe und Gewinnanteilen des Karl-May-Verlages Radebeul wurden seit 1917 Unterstützungen aus den Zinsen des Stiftungsvermögens gezahlt.

In weiteren Verträgen vererbte Klara May der Stiftung auch ihr persönliches Vermögen und die Villa "Shatterhand." . Sie verband damit die Auflage, die Villa "Shatterhand.", Wohnhaus des Schriftstellers, und dazugehörige Liegenschaften zu einem Karl-May-Museum auszubauen. Anlaß dafür bot eine reichhaltige Sammlung indianischer Kulturgegenstände, die Klara May von dem weitgereisten Artisten Patty Frank (1876-1959) erworben hatte. Zusammen mit Objekten, die Karl und Klara May auf ihrer Nordamerika-Fahrt 1908 und die Witwe auf einer USA-Reise 1930 bzw. durch weiteren Ankauf erhalten hatten, bildete die Sammlung Patty Franks den Grundstock für das Karl-May-Museum, das Eigentum der Karl-May-Stiftung ist.

Nachdem die Karl-May-Stiftung 1945 durch Eingliederung in eine Sammelstiftung ihre juristische Eigenständigkeit verloren hatte, wurde ihr inzwischen die volle Rechtsfähigkeit wiedergegeben und am 9. Mai 1992 eine neue, im Sinne des Stifterwillens erweiterte Satzung zuteil.

Zweck der Stiftung heute ist es, das Andenken an den sächsischen Schriftsteller Karl May und seine Werke zu pflegen, deren erzieherische Absicht der Verbreitung von Toleranz, Völkerverständigung und Friedensliebe galt. Das geschieht durch den Erhalt und die Förderung musealer Einrichtungen und Gedenkstätten, insbesondere des Karl-May-Museums und des Grabmals, und damit in Verbindung stehender kultur- und regionalgeschichtlicher, literarischer und bildungsmäßiger Belange und Vorhaben sowie weiterhin durch bestimmte soziale Maßnahmen. Auch der Auf- und Ausbau eines wissenschaftlichen Zentrums, eines zentralen Karl-May-Archivs in Radebeul sowie die Einrichtung und Verleihung eines "Karl-May-Preises" gehören satzungsgemäß zu den Aufgaben der Stiftung.

Nicht verschwiegen werden kann, daß die Karl-May-Stiftung heute in argen Finanznöten steckt. Deshalb kann sie in absehbarer Zeit nicht ihre satzungsgemäßen Aufgaben aus eigener Kraft finanzieren. Um so höher ist die Unterstützung des Kulturraumes "ELBTAL" und die Unterstützung der Stiftung durch private Spender zu bewerten. Der Initiative von Dresdner und Radebeuler Firmen ist es zu danken, daß unter dem Leitgedanken "Für Radebeul" die Einrichtung eines "Karl-May-Förderstipendiums" und eines "Karl-May-Preises", mit jeweils 10.000 DM dotiert, Wirklichkeit werden konnte. Die Verleihung des "Karl-May-Förderstipendium" wird jährlich erfolgen, und der "Karl-May-Preis" wird entsprechend den Möglichkeiten verliehen. Über die Vergabe des Stipendiums und des Preises entscheidet eine Jury, in der namhafte Karl-May-Forscher, der Vorstand der Karl-May-Stiftung und die Sponsoren vertreten sind. Diese Auszeichnungen werden jeweils am 5. März eines jeden Jahres in Radebeul überreicht.

Der Kölner Autor und Literaturwissenschaftler Dr. Andreas Graf (38) Wird das in diesem Jahr erstmals verliehene "Karl-May-Förderstipendium" der Karl-May-Stiftung erhalten. Das Stipendium ist bestimmt für Persönlichkeiten, die sich mit herausragenden und wegweisenden wissenschaftlichen Leistungen bei der authentischen Erforschung des Werkes von Karl May sowie seines literarischen, kulturellen und gesellschaftlichen Umfeldes verdient gemacht haben. Herr Graf ist Lehrbeauftragter an den Universitäten Köln und Koblenz und hat für die TU Dresden gearbeitet. In den vergangenen zehn Jahren veröffentlichte er einige Bücher und zahlreiche Aufsätze zur Abenteuerliteratur (u. a. Karl May, Möllhausen, Gerstäcker) und über populäre Lektüren und Massenmedien vor allem des 19. Jahrhunderts.

Herr Graf erhält das in diesem Fall auf zwei Jahre vergebene Stipendium für weitere Arbeiten an der von ihm aufgebauten Datenbank HALEF (Historische Abenteuer-Literatur europäischen Formats).

Radebeul, am 5. März 1998

René Wagner, Geschäftsführer


Pressemitteilung vom 27. Februar 1998

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