„Schwarzfuß“ - Mann im Winteranzug

  
Der Zusammenhalt eines Bisonjäger-Stammes war stets nur von kurzer Dauer, denn die vielen hundert Menschen, die sich im Hochsommer in einem großen Lagerkreis zusammenfanden, konnten selbst unter günstigen Bedingungen nur wenige Wochen ernährt werden. Danach teilten sich die Prärie-Stämme wieder in eine Reihe kleinerer Verbände (Bands) auf. Fünf Monate lang lebten die Indianer der nördlichen Prärien in mehr oder weniger ortsfesten Winterlagern, die sie in bewaldeten Flußtälern aufschlugen. Dort waren sie meist ausreichend mit Feuerholz, Wasser und Futter (Pappelrinde) für ihre Pferde versorgt und fanden außerdem etwas Schutz vor den Härten des Präriewinters.

Auch das Jagdwild zog sich in solche begünstigte Reviere zurück, wo ihm die Jäger - einzeln oder in kleinen Gruppen - nachstellten. In tiefverschneitem Gelände verschafften ihnen Schneeschuhe entscheidende Vorteile beim „Niederrennen“ (run down) der Bisons, Elche und Wapitis. Da deren Winterfell dicht und lang ist, eignete es sich vorzüglich für warme, wetterfeste Kleidung. Vor allem aber wurden in dieser Jagdsaison wertvolle Pelze (Biber, Moschusratte, Marder, Mink u.a.) erbeutet, die die Indianer allerdings kaum für den eigenen Bedarf, sondern für den Tauschhandel nutzten.

Das Vordringen der Pelzhandels-Gesellschaften und die Aktivität indianischer Zwischenhändler machte auch entfernt wohnende Stämme mit neuen Gebrauchsartikeln (Feuerwaffen, Messern, Beilen, Stahlfallen, Metallkesseln, Decken usw.) und Luxuswaren (Zucker, Tee, Rollentabak, Alkohol) bekannt, auf die sie bald nicht mehr verzichten wollten. Nicht wenige dieser Waren wurden von bestimmten Firmen in Europa oder in den Oststaaten der Union speziell für den Indianerhandel hergestellt oder beschafft, wie etwa das legendäre Vorderlader-Gewehr, die „North West Gun“, oder die bevorzugten Wolldecken mit schwarzen, roten oder gelben Streifen, die „Hudson's Bay Blankets“. Auch Schmuckartikel („Wampum-Hairpipes“, Glasperlen, Messingdraht, „falsches Dentalium“ aus Milchglas u.a.) fanden sich regelmäßig im Angebot der weißen Händler.

Handelsverbindungen haben das Kräfteverhältnis zwischen den indianischen Stämmen oftmals entscheidend beeinflußt. So wurden die “Schwarzfuß“-Indianer (Blackfoot oder Blackfeet) zur militärisch stärksten Macht in den nordwestlichen Prärien, nachdem sie etwa um 1730 von den Assiniboin und Cree ihre ersten Gewehre erhalten hatten. Mit deren Hilfe drängten sie die gefürchteten Shoshoni, die damals noch keine Feuerwaffen besaßen, aus den Büffel-Prärien in die Vorberge der Rocky Mountains zurück, und um 1790 kontrollierten sie ein gewaltiges Gebiet, das vom North Saskatchewan bis zu den Quellflüssen des Missouri reichte.

Die südlichen Blackfoot (Piegan oder Peigan) verschafften sich nun mit friedlichen und kriegerischen Mitteln Zugang zu den großen Pferdeherden der westlichen Stämme (Grow, Flathead, Nez Percé, Kutenai) und unternahmen gelegentlich sogar Beutezüge bis zu den spanischen Siedlungen weit im Süden. Dagegen bauten die beiden nördlichen Abteilungen (Siksika und Kainah) vor allem die Beziehungen zu den britischen Händlern am Saskatchewan aus. Sie erwarben Gewehre, Messer und Beile, die sie bei ihren südlichen Verwandten gegen Pferde eintauschten. Da stets ein großer Bedarf an leistungsstarken Jagd- und Transporttieren bestand, waren auch im Winter fast immer kleine Trupps wagemutiger Männer unterwegs, um Pferde zu erbeuten. Sie zogen in der Regel zu Fuß aus.

Zur Wintertracht der Krieger gehörte ein Mantel mit Kapuze (Blanket Capote), der aus einer Wolldecke der Hudson's Bay Company genäht war. Er hatte keine Knöpfe, war nach indianischer Manier mit Fransen verziert und mit rotem Wollflanell (Bayette) eingefaßt, entsprach aber im Schnitt weitgehend dem Vorbild der franko-kanadischen „capots“. Im Zipfel der Kapuze konnten Rauchzeug, Tabak und andere kleine Gebrauchsgegenstände untergebracht werden.

Zu dieser Ausrüstung gehörten ferner eine Mütze aus Wolfspelz sowie dicke Handschuhe, Leggings aus Deckenstoff oder festem Leder und unverzierte, fellgefütterte Mokassins. Zum Schutz der Pulverladung wurde das Gewehr auf dem Marsch in einem ledernen Futteral getragen. Wenn Männer auf Pferderaub auszogen, trugen sie häufig Teile eines Kriegszaubers (Federbüschel, Halsketten u.a.) als Amulett am Körper oder in den Haaren, legten aber gewöhnlich keinen profanen Schmuck an. In der Vor-Reservationszeit, als die jungen Männer der Blackfoot noch häufig an Pferderaubzügen teilnahmen, sah die Ausrüstung der aktiven Krieger etwas schlichter und handfester aus, als es die perlenverzierten Gegenstände der Kostümfigur vermuten lassen.

Indianer im Winteranzug

Kostümfigur „Schwarzfuß-Indianer im Winteranzug“.

In den feucht-kalten Wald- und Sumpfgebieten rings um die Hudson Bay hatte sich Stoffkleidung bereits im 18. Jh. durchgesetzt. Später kam sie auch bei Stämmen der nördlichen Prärien in Gebrauch. Sie war bequemer und leichter zu trocknen als die altindianische Ledertracht. - Ein mit einer „Lebenslinie“ gekennzeichneter Hirsch ist das Schutzsymbol des Kriegsschildes. Zum Schild gehört eine unverzierte Hülle, die bei Paraden, Tänzen und vor dem Kampf entfernt wurde.

 

Rolf Krusche


Reiter-Ausrüstung

Indianer Nordamerikas

Karl-May-Museum Radebeul