"Schwarzfuß" - Indianerin

  
Der fast ständige Kriegszustand, in dem sich praktisch alle Prärie-Stämme befanden, hat auch das Zahlenverhältnis zwischen den Geschlechtern drastisch verändert. Es gab viel mehr Frauen als Männer im heiratsfähigen Alter. Die sozialen Folgen wurden dadurch etwas gemildert, daß reiche Männer, die den geforderten Brautpreis aufbringen konnten, oft mehrere Frauen heirateten und versorgten. Die eheliche Verbindung mit mehreren Schwestern wurde als besonders günstige Lösung angesehen.

Eine hervorgehobene Stellung im Haushalt nahm die "Hauptfrau" ein. Sie spielte auch im religiösen und zeremoniellen Leben - beim Ausrichten eines Sonnentanzes oder bei der Erwerbung eines "Medizin-Bündels" oder einer "Medizin-Pfeife" - eine wichtige Rolle. Die Hauptlast der schweren Arbeiten lag bei den untergeordneten Nebenfrauen, insbesondere wenn sie als Kriegsgefangene aus einem fremden Stamm kamen. Dagegen hatte eine Frau aus vornehmer Familie stets eigenen Besitz und eine stattliche Pferdeherde in die Ehe gebracht, über die sie auch später selbständig verfügen konnte.

Ein mit Wapiti-Zähnen besetztes Kleid gehörte zum wertvollsten Besitz einer Frau. Da für diesen Schmuck nur die Eck- und Schneidezähne der großen Hirsche verwendet wurden, war ein solcher Behang nicht leicht zu beschaffen. Auch ein erfolgreicher Jäger konnte das Material dafür nur mit Mühe im Laufe der Jahre zusammenbringen. Wapiti-Zähne wurden darum oftmals verkauft und gehandelt und erzielten fast immer ansehnliche Preise. Für hundert Schmuckzähne wurden um 1850 zehn Hermelin-Felle oder ein gutes Pferd geboten. Bei den Blackfoot soll ein reichverziertes Frauenkleid sogar mit zwei Pferden oder mit einem starken "Büffel-Pferd", einem der kostbarsten Besitztümer, bezahlt worden sein.

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Diese Frauenkleider waren vor allem bei den Crow und Blackfoot hochgeschätzt. Einige besonders wohlhabende Frauen besaßen prächtige Gewänder mit 300 und mehr Zähnen, die als große Kostbarkeiten angesehen wurden. In der Reservationszeit haben die Indianer Stoffkleider in ähnlicher Weise mit Imitationen aus Knochen oder mit Kauri-Schnecken verziert.

Muster und Farben der Glasperlen-Stickereien waren dem Wechsel von Marktlage und Moden unterworfen und haben sich oft innerhalb kurzer Zeit gewandelt. Während Frauenkleider der südlichen Blackfoot (Piegan) um 1830 häufig im Stil der Missouri-Stämme mit großen blauen und weißen Perlen bestickt waren, ist später die Kombination von weißen, grünen und weinroten Perlenstreifen recht charakteristisch gewesen. In der 2. Hälfte des 19. Jh. sind große Glasperlen ("pony beads") nur noch selten verwendet und fast überall durch die kleineren "seed beads" ersetzt worden.

Die aus Geschirrleder gefertigten und mit Neusilber-Scheiben besetzten Frauengürtel waren typisch für die Tracht der Sioux, Cheyenne und der südlichen Prärie-Stämme nach 1860. Die Blackfoot-Frauen haben sie kaum verwendet.

Kostümfigur "Schwarzfuß"-Indianerin. Das wertvolle Kleid der jungen Piegan-Frau ist aus zwei fein gerötelten Häuten des Bergschafs zusammengenäht. Seinen Hauptschmuck bilden die 80 Zähne des Wapiti-Hirsches, die auf Brust- und Rückenteil genäht sind oder an kurzen Lederschnüren herabhängen. Sogenanntes "Parflèche". Falttasche aus ungegerbtem und nur getrocknetem Leder, diente zur Aufbewahrung von Pemmikan oder auch von Kleidungsstücken. Die Bemalung wurde von Frauen angefertigt, sie folgte einem speziellen Stil, der sich grundsätzlich von den Ledermalereien der Männer unterschied. tasche.jpg (29218 Byte)

 

Rolf Krusche


Schwarzfuß-Mann im Winteranzug

Indianer Nordamerikas

Karl-May-Museum Radebeul