Mokassins

Während fast überall bald nach den ersten Kontakten mit Europäern die Kleidung aus Leder durch solche aus eingehandelten Stoffen ersetzt wurde, trifft das für die lederne Fußbekleidung, die mit dem Algonkin-Wort "Mokassin" bezeichnet wird, nicht zu. Im 20. Jh. waren die Mokassins oft das einzige im Alltag getragene altindianische Kleidungsstück. Für Schneeschuhe und im Kanu waren sie wegen ihrer Elastizität unverzichtbar. Das macht es möglich, Veränderungen und Stilwandlungen an ihnen über etwa 200 Jahre zu verfolgen.

Ältere Exemplare bestehen fast immer aus einem einzigen Stück Wildleder. Dieses wurde im Östlichen Waldland oft braun geräuchert, was nicht allein eine Modesache war. Dadurch verhinderte man auch ein Hartwerden beim Trocknen, wenn die Mokassins naß geworden waren. Ferner war der Mokassin vom Waldland-Typ nur durch zwei kurze Nähte zusammengefügt: eine Naht lief die Hacke hinauf, eine zweite dem Fußrücken entlang. Dazu war es notwendig, das Leder über der Zehenpartie zusammenzuraffen. Das hatte freilich die Bildung zahlloser Fältchen zur Folge, und so soll beispielsweise der Stammesname Ojibwa von dem Wort "fälteln" abgeleitet worden sein.

Der äußere Rand des Lederstücks bildete rings um die Knöchelpartie einen manschettenartigen Überschlag, der vor allem zum Schutz gegen Schnee wie ein Stulp hochgezogen werden konnte, später aber immer häufiger hinabgeschlagen wurde, oft an der Ferse in zwei Lappen geteilt. Die Konstruktion des Mokassins vom Waldland-Typ bedingte, daß er symmetrisch gebildet war und beide Stücke eines Paares sich völlig glichen. Erst nach längerer Benutzung nahmen sie die Formen der beiden Füße an. Entsprechend symmetrisch war die Verzierung: ein Streifen Stachelschweinsborsten-Applikation sollte die den Fußrücken entlang laufende Naht verdecken, zwei weitere folgten den Kanten der beiden heruntergezogenen Überschläge.

Anders war die Konstruktion des Mokassins im Prärie-Gebiet. Das Lederstück wurde dort so zusammengeklappt, daß die untere Hälfte die Sohle und die obere das Oberteil bildeten. Eine Naht an der Außenkante des Fußes entlang fügte beide Hälften zusammen und bewirkte von Anfang an eine fußgerechte, also asymmetrische Form jedes Mokassins. Ein Schlitz im Oberteil diente dazu, den Fuß hindurchzustecken. Natürlich konnte so kein Überschlag entstehen, stattdessen oft durch den doppelten Schlitz eine lange Zunge.

Beide Grundformen sind in verschiedener Weise weiterentwickelt worden, gewöhnlich durch Annähen weiterer Teile. So erhielt der Waldland-Typ einen oft reichverzierten U-förmigen Einsatz auf dem Spann, wodurch die Fältelung erleichtert wurde. Mit Mokassins dieser Variante waren meistens die halbindianischen Angestellten der Pelzhandels-Companien und Waldläufer ausgerüstet, so daß diese Art in Kanada weit nach Westen verbreitet wurde. Selbst verschiedene Präriestämme haben sie übernommen.

Wichtigste Zutat beim Prärie-Typ wurde eine zusätzlich angenähte Sohle aus ungegerbtem Hartleder. Vorbilder dafür mochten die Sandalen der Pueblo-Indianer oder die festen Sohlen europäischer Schuhe gewesen sein. Nach 1850 wurden Prärie-Mokassins fast immer aus zwei Teilen zusammengenäht: einem Oberteil aus weichgegerbtem Leder und der Sohle aus harter Rohhaut. Die Verzierung aus Glasperlenschnüren oder Stachelschweinsborsten bedeckte oft das Oberleder völlig, wobei die asymmetrische Form des Fußes durch eine Zierborte, die der ringsumlaufenden Naht folgte, betont wurde.

Eine Spezialform bei Stämmen der südlichen Prärie waren Frauen-Mokassins, die mit Leggings kombiniert wurden. Ohne Frage hat diese Form ihr Vorbild in den langschäftigen Mokassins der Apache, und es sind wohl kriegsgefangene Apache-Frauen gewesen, die diese zuerst bei den Comanche, Kiowa und Cheyenne hergestellt haben.

Waldland-Typ

Mokassins, meistens vom Waldland-Typ. Die beiden linken Mokassins sind von Irokesen. Eine einfache Längsnaht auf dem Fußrücken bewirkt eine starke Fältelung. Die Aufschläge zeigen eine relativ seltene Borstengeflechttechnik, wie sie sonst auf Messerscheiden und Pfeifenrohren angewandt wurde. Bei dem jüngeren Irokesen-Mokassin aus dunkelbraunem Leder ist der U-förmige Einsatz völlig von Borstenapplikationen verschiedener Techniken verdeckt. Deutlich sieht man den U-Einsatz bei dem rechts folgenden Stück von den Naskapi (Nenenot). Rechts außen ist ein unfertiger Mokassin aus dem Missouri-Gebiet vom einteiligen Prärie-Typ mit Seitennaht zu sehen.


Mokassins, vom zweiteiligen Prärie-Typ, d.h. mit angenähter Hartledersohle. Im Vordergrund ein Exemplar von den Sioux, völlig mit Stachelschweinsborsten bedeckt; entlang der Sohlennaht zieht sich ein Streifen mit Glasperlenverziehrung. Das zweite Exemplar besitzt ebenso wie das Paar rechts eine perlenbestickte Sohle. Links Stiefel für kleine Mädchen im Stil der Apache, Comanche und Kiowa.





Dr. Lothar Dräger
Prärie-Typ

Schwarzfuß-Indianerin

Indianer Nordamerikas

Karl-May-Museum Radebeul