Das Blockhaus

Die aus rohbehauenen Stämmen gefügte Blockhütte ist zu einem markanten Symbol der amerikanischen Grenze geworden, obwohl sie keineswegs die typische Behausung der europäischen Einwanderer war und die Technik des Blockbaus nicht in den amerikanischen Kolonien erfunden wurde. Sie geht vielmehr auf alte Bautraditionen des europäischen Nordens zurück und ist anfangs nur in ganz wenigen Gebieten Amerikas genutzt worden. Schwedische und finnische Waldbauern, die sich im 17. Jahrhundert am Delaware River ansiedelten, haben sie zuerst eingeführt.

In den waldreichen Gebieten Nordamerikas konnte ein solcher Bau mit geringem technischen Aufwand - nur mit einer Axt und ohne einen einzigen Nagel - errichtet werden. In die zugeschlagenen Stämme wurden lediglich Kerben oder Kehlen gehauen. Danach konnten die Rundhölzer übereinandergelegt, miteinander verfugt und die Spalten mit Moos, Kalk oder Eichenscheiten verschlossen werden. Die ältesten Blockhütten (log-cabins) bestanden nur aus einem Raum mit Erdfußboden. Manche hatten kleine, mit Läden verschließbare Fenster und Kamine aus Feldsteinen.

So wurde das Blockhaus zur typischen Wohnung jener Ansiedler (Squatters) und Hinterwäldler (Backwoodsmen) jenseits der Alleghanies, die an der Grenze und am Rande der Kolonialgesellschaft lebten und an der Eroberung des "Alten Westens" in allererster Linie beteiligt gewesen sind. Auch viele der alten Forts - befestigte militärische Vorposten an der Indianergrenze und Niederlassungen der Pelzhändler - bestanden aus Blockhäusern, die auf Verteidigung eingerichtet und durch einen starken Palisaden-Zaun miteinander verbunden waren.

Im Verlauf des 18. Jh. übernahmen verschiedene indianische Gruppen - hauptsächlich in Pennsylvania, Ohio und den späteren Südstaaten - diese Bauweise, und 1790 lebte schon ein beträchtlicher Teil von ihnen nicht mehr in Rindenhütten, sondern in Häusern aus gefügten Baumstämmen. Insbesondere werden die Ratshütten der Irokesen, Shawnee und Delaware, die gleichzeitig Versammlungs- und Kulthäuser ("Longhouse", "Big House") waren, zu dieser Zeit als geräumige und stabile Blockbauten beschrieben. Nicht wenige der östlichen und süd-östlichen Stammesgruppen haben nach ihrer freiwilligen oder erzwungenen Auswanderung ins "Indianer-Territorium" jenseits des Mississippi bis in unser Jahrhundert hinein diese ihnen vertraut gewordene Wohnweise beibehalten.

Im Nordwesten wurde der Blockbau von russischen Händlern und Kosaken verbreitet, die im späten 18. Jh. in Alaska und an der Pazifik-Küste ansässig wurden.

Rolf Krusche

 


 

Waldläufer

"Coureur de bois", d.h. "Waldläufer", nannte man zuerst im 17. Jh. in der französischen Kolonie Kanada jene Männer, die den königlich privilegierten Pelzhandel im St. Lawrence-Tal illegal umgingen und selbst zu den Indianern reisten, um Handel zu treiben. Meistens waren sie die ersten Europäer, die mit den verschiedenen Stämmen Kontakte anknüpften. Bedeutende Entdeckungsreisende ("Voyageurs") entstammten ihren Reihen: E. Brulé, J. Nicolet, M. Chouart, L. Jolliet, N. Perrot u.a. Eng mit den Indianern zusammenlebend, hatten sie gewöhnlich indianische Frauen, mit denen sie eine gemischte Nachkommenschaft zeugten, die"Metis".

Als im 18. und frühen 19. Jh. verschiedene Pelzhandels-Companien, wie die Hudson's Bay, die North West und schließlich die American Fur Company, Handelsposten immer weiter ins Innere des Kontinents verlegten, bildeten Waldläufer und Metis das Gros ihrer Angestellten (Engagés). Sie arbeiteten als Bootsmannschaften, Packer, Handelsgehilfen, Dolmetscher und Fleischjäger. Neben Metis französischer Abstammung gab es bald solche englischer, besonders aber schottischer Herkunft. Nicht engagierte Waldläufer waren im frühen 19. Jh. auch selbst als Pelztierjäger und Fallensteller ("Free Trappers") tätig, besonders in den neuerschlossenen Rocky Mountains ("Mountain Men"), wo sie immer mehr Zuzug durch Amerikaner erhielten. Zu allen Zeiten waren übrigens Waldläufer bei militärischen Unternehmen als Pfadfinder ("Scouts") gesucht.

 

Mit indianischen Rindenbooten und Schneeschuhen, später auch mit Reit- und Packpferden sowie Karren zogen sie durchs Land. Indianisch waren Teile ihrer Kleidung, so die Mokassins und die durch gewebte Kniebänder gehaltenen Leggings. Andere Stücke stellten in Material, Zuschnitt und Ausschmückung eine Kombination europäischer und indianischer Elemente dar: Pelzmützen, vorn offene Lederjacken und Lederhosen, aus Wolle gewebte Schärpen, Schultertragtaschen mit Pulverhorn sowie am Gürtel befestigte Messerscheiden. Derartige Trachtenteile kamen schon im 18. Jh. bei den Indianern selbst immer mehr in Mode.

Dr. Lothar Dräger

 


Indianer-Reservationen

Indianer Nordamerikas

Karl-May-Museum Radebeul