Archäologische Funde

Die meisten vorgeschichtlichen Gegenstände dieser Ausstellung wurden schon im vorigen Jahrhundert bei Amateur-Grabungen entdeckt oder zufällig im Boden gefunden. Ähnliche Kulturrelikte werden aber auch heute noch fast täglich irgendwo in Nordamerika aufgespürt. Allerdings kommt nur ein relativ begrenzter Teil dieser Altertümer durch wissenschaftliche Ausgrabungen zutage, da professionelle Reliquien-Jäger Jahr für Jahr Tausende von Indianergräbern ausrauben und zerstören. Die ungeheure Masse und die Vielfalt dieser Funde zeigen, daß die amerikanischen Ureinwohner schon sehr lange in ihrem Kontinent heimisch gewesen sein müssen. Zweifellos hat die Einwanderung von Ostsibirien über das heute überflutete Bering-Land nach Alaska wesentlich früher begonnen als bisher für möglich gehalten wurde. Die meisten Forscher datieren die ältesten Siedlungsspuren in Amerika auf mindestens 30.000 Jahre.

Unhaltbar geworden ist auch die lange vertretene Auffassung, daß Nordamerika vor Ankunft der Europäer extrem schwach bevölkert gewesen sei. Schon Größe und Zahl der zeitgleich bewohnten prähistorischen Dörfer sprechen gegen diese Annahme. Neuere Untersuchungen haben klargestellt, wie verheerend sich die "Entdeckung" Amerikas (1492) für die Indianer ausgewirkt hat, die in vielen Gebieten schon in den ersten hundert Jahren ihres Kontaktes mit den Europäern 80 bis 95 % ihrer Bevölkerung verloren. Diese furchtbaren Verluste sind nicht nur durch die mit Feuerwaffen geführten Kriege verursacht worden, sondern vor allem durch Infektionskrankheiten (Pocken, Masern, Grippe, Keuchhusten), die in Amerika bis dahin unbekannt und denen die Indianer fast wehrlos ausgeliefert waren. Gerade die dichtestbesiedelten, verkehrsgünstig gelegenen Gebiete wurden zuerst und am radikalsten entvölkert. Die Täler des St. Lawrence und Mississippi, in denen die europäischen Entdecker im 16. Jh. noch zahlreiche Dörfer und stadtähnliche Siedlungen antrafen, sind 100 Jahre danach nahezu menschenleer gewesen. Selten mußten die ersten weißen "Pioniere" ungebahnte Wildnis erobern und urbar machen. Meistens konnten sie sich in einer fruchtbaren, weitgehend entvölkerten Kulturlandschaft niederlassen. Überall da, wo im Osten Nordamerikas große Städte entstanden, hatte zuvor auch eine zahlenmäßig große indianische Bevölkerung gelebt.

Unbeantwortet bleibt häufig die Frage, zu welchem Volk die Bewohner einer vorgeschichtlichen Siedlung gehörten. Darum müssen die Reste vieler archäologischer Kulturen notgedrungen mit künstlichen Begriffen (z.B. Basket makers - "Korbmacher") bezeichnet, oder nach den heutigen Namen der Fundplätze (Folsom, Hopewell, Blackduck u.a.) benannt werden. Es gibt aber Stämme, deren Vorfahren schon seit vielen Jahrhunderten im selben Gebiet ansässig waren, wie Ausgrabungen in alten Dörfern indianischer Maisbauern (Irokesen, Pawnee, Mandan, Hopi) und Fischer (Makah) eindrucksvoll erwiesen haben.


Prähistorische Pfeifenköpfe aus dem nördlichen Seengebiet. Die Pfeife in Vogelgestalt geht auf eine Bevölkerungsgruppe zurück, die wir nicht mehr identifizieren können. Vielleicht handelt es sich um Vorfahren einer Algonkin-Gruppe. Die mittlere Pfeife mit dem Punkt- und Ritzmuster kann man vermutlich irokesisch-sprachigen Völkerschaften Süd-Ontarios zuordnen. Die Sandsteinpfeife mit dem Menschengesicht wurde im Wohngebiet der Attiwandaronk ('Neutral Nation') gefunden. Sicher gehörte sie einst einem Angehörigen dieses Stammesbundes.

Rolf Krusche


Das Blockhaus und Waldläufer

Indianer Nordamerikas

Karl-May-Museum Radebeul