Harald Mischnick

»... weder blind geboren ...«

In seinem Vortrag anläßlich der Tagung der Karl-May-Gesellschaft in Hohenstein-Ernstthal vom 24.9.1999 hat Dr. Johannes Zeilinger seine These vorgestellt, Karl May sei in der Kindheit nicht blind gewesen, habe das sogar wissentlich erfunden. Schreiber dieses gehörte zu den Zuhörern seiner Ausführungen, die einen fundierten Arztvortrag darstellten, aber mich in bezug auf Karl May absolut nicht überzeugen konnten. Über Blindheit heute in allen möglichen Formen durfte man sich umfassend und brauchbar belehrt fühlen, genauso wie durch seine Exkurse in der Geschichte der Augenheilkunde. Das soll an dieser Stelle ausdrücklich als Positivum vermerkt sein. Seine obengenannte These kann ich aber aus einem ganz bestimmten Grund nicht teilen. Bevor man sich dazu versteigt, zu urteilen, oder, wie Zeilinger, zu ver-urteilen, muß man sich bei einem historischen Forschungsgegenstand darum bemühen, ihn im Kontext seiner Zeit zu sehen. Uns steht nicht zu, naserümpfend darüber zu urteilen, daß in irgendeiner Veröffentlichung zu sonstwelchem Thema um 1938 immer die pflichtschuldigen Sprechblasen enthalten sind, die die Nazis samt Adolf lobhudelnd erwähnen, oder um 1978 in der DDR den stets siegenden oder auch siechenden[1] Sozialismus. Ebensowenig steht uns zu, an irgendwelche historischen Darstellungen die Elle des heutigen Wissens zu legen: "Die Leute um 1835 waren ja dumm, weil sie Angst vor der schnellen Eisenbahn hatten." Fragt sich, wer da der wahre Dumme ist! Welcher heutige Jugendliche, der sein Zimmer mit Postern von sogenannten Stars zukleistert oder sein Auto mit Lautsprechern ausstattet und als rollende Hammerschmiede den Mitmenschen zumutet, hätte nicht vor über 60 Jahren in ebenso schwärmerischer Verehrung seinen Dienst in der HJ versehen, den Trommelburschen gespielt, oder wäre um 1975 mit einem alten Gewehr in der Hand zur vormilitärischen Ausbildung in den Wäldern um Chemnitz - oh, Verzeihung, Karl-Marx-Stadt - herumgekrochen beziehungsweise die Schalmei malträtierend zum Maiaufmarsch erschienen? Wir verurteilen mit Leichtigkeit und Besserwisserei und mithilfe aktueller Begriffsbestimmungen. Das tönerne Fundament des zeilingerschen Vortrags war seine Definition der WHO von Blindheit. Diese ist natürlich berechtigt und richtig. Für heute, 1999.

Aber eben nur für heute. 1910 und noch weniger 1846 kannte man die WHO, die UNO und diese weltweit gültigen Definitionen nicht. Damals galten andere, und vor allen Dingen war, erst recht nicht 1846, jeder Haushalt finanziell leistungskräftig genug, sich vielbändige Enzyklopädien, so überhaupt schon vorhanden, zuzulegen, um über alles und jedes Bescheid zu wissen - und darüber eventuell auch noch zu bramarbasieren. Damals bedeutete blind, taub und Licht etwas anderes als heute. Man erlaube mir diesen Exkurs: nationalliberal nennen sich heute gewisse Leute, die gewisse Thesen verkünden und dabei auch gegen jüdische Belange agitieren. Der Nationalliberalismus von 1895 hingegen war die politische Heimat vieler prominenter deutscher Juden. Auch andere Begriffe haben unterdes ihre Definition gewandelt.

Wer vor 150 Jahren sich als blind erleben mußte und jahrelang darunter litt, muß heute kein Leben in Blindheit mehr verbringen. Heute! Aber eben nicht vor 150 Jahren! Und auch heute ist der Begriff "blind" immer noch dehnbar: auf das Blindengeld haben in Deutschland auch hochgradig Sehbehinderte Anspruch. Blind und blind ist eben nicht identisch. Wer krankheitsbedingt aus psychischen oder körperlichen Gründen seine Augen nicht öffnen kann, ist eben - blind, wenn oft auch "nur" vorübergehend! Das abzustreiten, muß Schreiber dieses, selbst hochgradig Sehbehinderter mit mehrfachen Visuseinschränkungen, leider als Arroganz einstufen! Man bringe heute einmal einem durchschnittlich Gebildeten bei, daß jemand, der seine Augenlider krankheitshalber nicht öffnen und deswegen nichts sehen kann, par definitionem nicht blind ist! Wer nichts sieht, ist im Volksmunde blind. Wer, wie ich, sehr stark kurzsichtig ist, mit minus dreißig Dioptrien, Astigmatismus, Schielen und Gesichtsfeldeinschränkung, leider auch - und darf sich wohl gerade deswegen zum Thema äußern, obwohl nicht Mediziner.

Nun mag der Einwand kommen, wer mit geschlossenen Augen herumlaufe, müsse die Unterschiede von hell und dunkel sehr erkennen. Dazu wiederhole ich einiges, das ich in meiner Erwiderung in Hohenstein-Ernstthal gesagt habe: Wir leben in einer Welt voll Licht. Überall erhellen Lampen unseren Weg und unser Leben. Wir nehmen das als selbstverständlich hin. Um 1910 aber, so berichtete mir ein im stolzen Alter von 95 Jahren vor dreieinhalb Jahren verstorbener Verwandter, war eine einzige Fünf-Watt-Lampe im gesamten Treppenhaus eines mehrstöckigen Gebäudes ein sorgsam gehüteter Schatz, der nach damaliger Meinung das Haus immens beleuchtete - und das, obwohl diese Lampen weniger hell waren als aufgrund technischen Fortschritts gleichstarke heute, die wir glatt als armselig und trübe empfinden. Glauben wir ja nicht, daß heute - oder gar vor einhundertfünfzig Jahren - bei strahlendem Sonnenschein solche Treppenhäuser grundsätzlich überall hell und lichtdurchflutet wären! Noch schlechter beleuchtet müssen wir uns die Wohnungen des kleinen Karl vorstellen, Er schreibt vom qualmenden Oellämpchen, auch nicht gerade einer Wohltat für kränkliche Augen. Dazu kommen noch steile Treppenhäuser, die der kleine, kranke Junge bei den ersten Gehversuchen nicht meistern konnte. Ich kenne die Treppen im Geburtshaus; sie abwärts zu begehen erzeugt für mich schon ein recht mulmiges Gefühl, noch schlimmer mußte der kleine Karl die zwangsweise unregelmäßige Breite und die vielen Wendungen empfinden - zumal die Holztreppe vielleicht nicht durchgehend gebohlt war und zwischen den Tritten eventuell noch, wie bei einer normalen Leiter, erfühlbare Untiefen gähnten? Ein weiterer Faktor gesellt sich hinzu: die Behandlung des kleinen Kranken durch drittklassige Ärzte, die vielleicht kaum über dem Range von Kurpfuschern standen oder sich, schonend ausgedrückt, "nicht trauten". Auch ich hatte vor zwölf Jahren einen Augenarzt, der sich "nicht traute"[2]. Das ist meiner Sehkraft schlecht bekommen. Einige Jahre danach wurde ich zu einem anerkannten Spezialisten vermittelt, der mir meine jetzige Brille verschrieb, doppelt so stark wie die vorherige, und seinem Vorgänger bescheinigte, sich "nicht getraut" zu haben. Wer weiß heute noch, welchen Schaden falsche ärztliche Anordnungen beim Knaben Karl anrichteten - vielleicht sogar die gut gemeinte, aber hier unangebrachte Augenbinde?

Auf der Tagung wurde auch eine Gegenmeinung zu Zeilinger[3] verteilt, die ich als von schwerer Sehbehinderung Betroffener nicht nur sehr aufmerksam studiert habe, sondern auch in großem Umfange teilen kann. Zeilinger ist zwar kurz auf die Thomas'schen Thesen eingegangen, hat aber durch Vitamin-A-Mangel entstandene wirkliche oder empfundene Krankheit verneint, da nichts dergleichen durch Reihenuntersuchungen belegt sei. Dagegen ist einzuwenden, daß im vorigen Jahrhundert von vergleichenden Untersuchungen in dem Ausmaß wie heute schon mangels Wissensstand und Kommunikationstechnik kaum die Rede sein konnte. Wenn keine Untersuchungen vorgenommen wurden, heißt das noch lange nicht, daß das jeweilige Problem nicht existent war. Manch Arzt war hochmütig genug, seine Augen vor derlei Problemen geradezu angeekelt zu verschließen. Vor allem waren die Vergleichsmöglichkeiten mit früheren Projekten gering. Sie waren oft nicht bekannt, nicht gefördert, von Konkurrenzneid abgeblockt, gingen in Archiven verschollen. Eigentlich müßte aber spätestens seit dem Eingang des schönen Wörtchens "Freschtenfressen" in einem bekannten Bühnenstück[4] in die Literatur jeder einigermaßen literarisch Beschlagene, vor allem jene, die das Vergnügen hatten, dieses als Schullektüre kennenzulernen, von der Armut der 1840er Jahre in Deutschlands Industriegebieten wissen. Viele Veröffentlichungen belegen, welche Armut damals im Erzgebirgsraum herrschte[5] und wie sehr man um seine Nahrung zu kämpfen hatte, erst recht aber in Karl Mays engerer Heimat mit ihrer aufblühenden Industrie, mit den benötigten Arbeitermengen und dem traditionellen, standesbewußten Handwerk, das auch schon vom Fortschritt erfaßt wurde, der leider aber auch - Arbeitsplätze kostete und bei den geistig unbeweglicheren oder zu heimatverwurzelten Menschen so wie heute Arbeitslosigkeit, allerdings ohne das heutige sogenannte soziale Netz, hervorrief. Karl May beschreibt selbst die bittere Armut seiner Jugendjahre, wohl wissend, daß in der Heimat noch genügend Zeitzeugen lebten.

Auch das spricht meiner Ansicht nach gegen Zeilinger: kein alter Ernstthaler ist seinerzeit aufgestanden, als May seine Autobiographie veröffentlichte, hat sich zu Wort gemeldet und gesagt: Karl May ist ja gar nicht blind gewesen! Das wird so bekannt und Tatsache gewesen sein, daß keiner auf die dumme Idee kam, anderes zu erzählen. Die am Marktplatz wohnten, erfreuten sich bestimmt höherer Aufmerksamkeit der unausrottbareren Stadtfama, da die Kirchgänger sie ja oft sahen, als die anonym in einer kleinen Gasse lebenden. Über Heinrich May ist sehr geschimpft worden, nicht aber über seinen damals kleinen Sohn.

Und von wem hörte Karl, daß er in früher Kindheit blind gewesen sei? Doch wohl von Eltern und Großmutter. Und wenn er, entsetzt und ungläubig, seinen geliebten Paten Weißpflog gefragt haben dürfte, so wird ihm dieser die Mitteilung bestätigt haben. Das Motiv der Blindheit, in der Behandlung versagender Medikaster und die Heilung durch eine Kapazität zieht sich durch Mays Werk. Als verdächtiger Zeitraum, wann May von seiner Frühkindblindheit erfuhr, kommt die Seminarzeit infrage. Die Beiseiteschaffung der Talglichter, die ja auch weniger Licht spendeten als heutige Kerzen, könnte nicht nur von der Angst vor einer dunklen Weihnacht, sondern auch dem Schock über die Mitteilung über frühes Leben im Dunkeln geprägt sein. Das wage ich als medizinischer Laie zu behaupten, der aber zugibt, vor zehn Jahren sich sehr intensiv mit Sigmund Freud und seiner Arbeit beschäftigt zu haben. Von seinen Kindheitsjahren erfahren haben könnte May aber auch kurz vor seinem Auftreten als Dr. Heilig.

Bemerkenswert ist, daß die ihn behandelnden Ärzte[6] keine Augenärzte waren, sondern Gynäkologen, die im Rahmen der seinerzeit noch nicht so extrem verbreiteten Hyperspezialisierung[7] auch noch über frühkindliche Krankheiten Bescheid wußten. Dem kleinen Karl konnte geholfen werden, ohne ausgiebig an den Augen herumzudoktern, außer daß sie wohl mit sanfter Gewalt geöffnet wurden, um festzustellen, wie das Auge hinter den verschlossenen, kranken Lidern aussieht. Die direkte, reine Betrachtung des Auges eines mindestens schwer Sehbehinderten durch einen Arzt ist eine schmerzhafte Angelegenheit und wird vom Betroffenen als arger Eingriff empfunden. Danach ist das Auge gepeinigt und schonungsbedürftig, früher noch extremer denn heute. Wie viele Kurpfuscher werden zuvor die geschlossenen Augen brachial geöffnet und mangels besseren Wissens für lange nach dem Eingriff dem Kleinen eine Binde um die Augen gelegt haben! Heute wird der Sehschwache zur Bestimmung seiner Behinderung meist mit einer Buchstaben- oder Zahlentafel konfrontiert, aber damals, mit ganz andersartiger Schulbildung - und vor allem ein Kind im Vorschulalter? Womit denn? Spielzeug? Hatte diese arme Familie überhaupt das Geld dazu? "Kannst du meinen Finger sehen?" Ein gerade erst gewaltsam geöffnetes Auge, auf das schlagartig Millionen Farbnuancen nah und fern einströmen? Das ist reine Blendung. Wenn überhaupt, sieht das erschreckte Kind verschwommene Umrisse und sagt: "Nein." Da sagt ein Feldwaldwiesenarzt des Jahres 1844, als Ärzte noch nicht regelmäßig zu Fortbildungsseminaren beordert wurden und auch noch nicht das Geld für die neueste Fachliteratur hatten, eben: "Blind", und stellt jede weitere Untersuchung ein. Wer weiß, wie derb und rauh, wie zu seinen Patienten im vollen Mannesalter, der Herr Doktor in Chemnitz war, und wie die Kapazitäten mit dem Kind redeten?! Zwischen: "Ich bin ganz vorsichtig" und "Die Augen müssen auf!" liegen Welten, die ich selbst durchleben durfte oder mußte.

Bleibt noch etwas zur angeblichen Vernachlässigung als Grund der Erkrankung zu sagen. Karl wurde von der Mutter bestimmt nicht vernachlässigt. Und wer ahnte damals von der heute so hilfreichen Vorsorge und Früherkennung? Man suche danach in den damaligen Konversationslexika! Das arme kranke Wurm war das einzige seinerzeit lebende Kind seiner Eltern. Die Eltern brauchten aber einen oder mehrere künftige Ernährer und mußten fürchten, daß auch dieses Kind nicht durchkam. Also gebot die Not das Kinderzeugen, nicht etwa Heinrichs Gier. In den ersten Lebenswochen der Schwester mußte Karl zwangsläufig in der Liebe der Mutter etwas zurückstehen, nicht aber in der Ernährung. Und die war leider schon dürftig genug. Melde, Otterzunge, Lattich, Kartoffelschalen, Spelzen, das sagt schon alles.[8]  Die nächsten Geschwister erlebte der kleine Karl schon als Sehender. Er verbrachte viel Zeit bei der Großmutter; das dürfte mit der Stillperiode seiner Mutter 1844 begonnen haben. Dort erfuhr er eben sehr viel, unvergeßliche Liebe und Zuneigung. Und die Großmutter erzählte ihm Märchen, wenn auch nicht von Sitara, sondern viel volksnahere. Und glaube keiner, daß die einfachen Leute reinstes Hochdeutsch oder den heutigen Dialekt redeten! Über sie fühlte sich ja der großmächtige - Medikaster aus Chemnitz mit seinem gepflegten, fremdwörterdurchsetzten Hochdeutsch sowieso schon erhaben. In Dresden[9] hingegen bildete man meist einfache Frauen aus dem Volke zu Hebammen aus und durfte sich solche Arroganz zumindest gegenüber den begabten Schülerinnen nicht erlauben - sie waren ja immer Zeugnis und Abbild ihrer berühmten Ausbildungsstätte! Vor allem: wenn deren Leitung wieder einmal einen kleinen Erfolg vorzuweisen hatte, der ihren weniger ausgebildeten Kollegen nicht zuteil geworden war, wuchs ja ihr Ansehen in der einfachen Bevölkerung, erst recht wenn keine Operation vonnöten gewesen war. Und Karl May hat das, was ihm in der Akademie zu seinem Besten widerfuhr, nie vergessen.[10]

Nun die Schlußfrage, ob Karl Mays Blindheit angezweifelt oder sogar als von ihm aus irgendwelchen Gründen erlogen bezeichnet werden darf.  Ich meine, behaupten zu dürfen: Karl May war gemäß eigenem Empfinden und aufgrunddessen, was ihm von seinem engsten Kindheitsumfeld erzählt wurde, fest davon überzeugt, seinerzeit "richtig" blind gewesen zu sein. Was wußten Eltern, Großmutter, Pate von ellenlangen spezifizierten medizinischen Definitionen seiner Augenkrankheit, wie viel konnte er im Alter davon wissen, und, vor allen Dingen, wer fühlt sich dazu berufen, historisch gewordene Bezeichnungen mit der Elle heutigen Wissensstandes geradewegs abzuurteilen? Karl May wäre wohl auch nach heutiger Definition blind gewesen - im buchstäblichen Sinne nach seinen damaligen Kenntnissen und denen des sogenannten Volksmundes;[11] danach haben wir seine Aussagen auch zu beurteilen - er lebte nicht lange genug, um sein Denken auch nur den Vorläufern der heutigen Maßstäbe der WHO anpassen zu können. Wer kommt auf die Idee, Goethes Wissensstand zu diesem oder jenem Thema wie Zeilinger Mays Blindheitserleben aufgrund der heutigen Erkenntnisse niederzumachen? Das möge uns erspart bleiben.


Anmerkungen

[1] Der erzgebirgische Zyniker Arthur Schramm dichtete: "Der Kumpel aus dem Schachtloch kriecht - Glückauf, der Sozialismus siegt." Das war auf gut Erzgebirgisch mit -ch- auszusprechen.

[2] Er hielt meine (damals) bisherige Brille für genügend stark, obwohl ich selbst bemerkte, daß die Sehkraft so nachgelassen hatte, daß die Brille zu schwach war.

[3] Vgl. Dr. William E. Thomas: Karl Mays Blindheit II

[4] Vgl. Gerhart Hauptmann: "Die Weber".

[5] Übersicht und Beurteilung vieler alter Berichte aus dem Erzgebirge, die auch immer wieder auf die weitverbreitete seinerzeitige Armut eingehen, in einem Artikel von Friedrich Hermann Löscher sen., "Die Entwicklung des Gefühls für die Naturschönheiten des Erzgebirges", Vortrag, gehalten auf der Hauptversammlung des Erzgebirgsvereins in Zschopau am 29. 9. 1901, heute abgedruckt in: "Heimat Erzgebirge: Geschichte, Land und Leute", Friedrich Hermann Löscher sen. und jun., Berlin 1997, S.11ff.

[6] May spricht in "Mein Leben und Streben", Freiburg 1910, Reprint Hildesheim 1975, S. 20, von einer Behandlung, nicht von einer Operation: ... um von den beiden Herren b e h a n d e l t zu werden ... (Sperrdruck von mir vorgenommen), die von den Professoren, deren Vorlesungen Mays Mutter auf dem Wege zur erfolgreich bestandenen Hebammenprüfung hörte, durchgeführt wurde.

[7] War um 1845 schon das Berufsbild des Kinderarztes vorhanden???

[8] "... die sogenannte 'Erblindungsfehlernährung', ist auch heute noch der Hauptgrund für eine Erblindung in der Kindheit. Es wird geschätzt, daß jedes Jahr ungefähr 500.000 Kinder erblinden, und 70 % von ihnen wegen eines Vitamin-A-Mangels. Vitamin-A-Mangel ist heutzutage überwiegend in den Entwicklungsländern vorherrschend." Dr. William E. Thomas: Karl Mays Blindheit I Fehlernährung wie seinerzeit im sozialen Umfeld Karl Mays.

[9] Jene Ausbildungsstätte, der zuerst Haase, dann Grenser vorstand, führte den Titel Königlich Sächsisches Entbindungs-Institut zu Dresden und gehörte zur chirurgisch-medizinischen Akademie.

[10] Selbst wenn heute keine Akten über den Vorgang mehr vorhanden sind, spricht das nicht gegen dessen wirkliches Geschehen. Vieles ist jenseits der großen Archivbauten am 13. Februar 1945 verlorengegangen, anderes kann durchaus aufgrund andersartiger Kassationsvorschriften schon vor langer Zeit im zuständigen Archiv vernichtet worden sein. Wo befindet oder befand sich der Nachlaß von Grenser - so überhaupt vorhanden? Die Akademie und ihr Nachfolger, vielleicht auch deren Archiv, befand sich im Kurländer Palais, das 1945 bis auf die Außenmauern und wenige Wände im Innern zerstört wurde. Eine Ironie der Geschichte ist, daß in jenem Gebäude mein Urgroßvater Adolf Eduard Mischnick (1855 - 1901) in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts als einfacher Bediensteter arbeitete.

[11] Und vielleicht auch denen der damaligen sogenannten Allgemeinbildung, wobei man über die heutige sogenannte gymnasiale sehr geteilter Meinung sein kann!


Karl May - Leben und Werk

Titelseite: Karl-May-Stiftung