Reinhard Roehle

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Dana
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Reinhard Roehle

Beitrag von Dana » 29.8.2004, 14:30

Hallo zusammen!

Vielleicht kann mir hier jemand weiterhelfen.

Ich versuche zur Zeit mehr über die Schriftsteller herauszufinden, die in meinem Wohnort gelebt haben.

So bin ich auf den Autor von Knabenbüchern REINHARD ROEHLE gestoßen.
Seine Lebensdaten (1876-1938) kenne ich, und ich weiß auch, dass er vor allem in der Union Deutsche Verlagsgesellschaft veröffentlicht hat. Seine Erzählungen erschienen häufig zuerst als Fortsetzungsgeschichten in der illustrierten Knabenzeitung "Der gute Kamerad", später wurden sie in der sogenannten "Kamerad-Bibliothek", zu der auch Bücher von Karl May gehörten, veröffentlicht.

Vor allem bin ich auf der Suche nach einem Foto von ihm.

Wahrscheinlich wurde in "Der gute Kamerad" ein Nachruf zu seinem Tode abgedruckt. Dieser müsste im Band 52 von 1937/38 enthalten sein. Vielleicht gibt es ja hier im Forum Sammler dieser Zeitschrift, die dort mal nachschauen könnten?

Ich freue mich über jede zusätzliche Information oder auch Meinung zu seinem schriftstellerischem Werk.

Dana.

P.S. Wem der Name des Autors nichts sagt, der kennt vielleicht folgende Buchtitel?

Von Seebären und Landratten
Durch Urwald und Sertao
Über Anden und Meer ins deutsche Heer
Als Flüchtling um den halben Erdball
Das Geheimnis von Ragpura
Auf großer Safari mit treuen Askari
Der Kampf um die Tigermine
Quer durch Sibirien
Unter Bullerdieks Teerjacken
Im Schatten des Piraten
Wolfgang Wiesheier
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Beitrag von Wolfgang Wiesheier » 30.8.2004, 22:43

Über Reinhard Roehle können Sie sich am besten bei Karl-Jürgen Roth informieren, der für das "Lexikon der Reise- und Abenteuerliteratur" einen informativen Beitrag verfaßt hat, bei der Biographie jedoch auch nur Eckdaten liefern kann. In Jugenheim war der aus Berlin stammende Autor jedenfalls seit 1916 wohnhaft. Ein weiterer kleinerer Beitrag stammt von Hermann Bertlein und ist im "Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur" enthalten, auch hier allerdings wieder ohne Einzelheiten zur Biographie.
Ob in Band 52 des Guten Kameraden ein Nachruf enthalten ist, kann ich Ihnen nicht sagen. Roth erwähnt jedenfalls in seiner gut recherchierten Bibliographie keinen und daher kann wohl davon ausgegangen werden, daß es keinen gab.
Roehle gehört zu der großen Zahl von Abenteuerautoren aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die zur ihrer Zeit recht erfolgreich waren, nach ihrem Tod jedoch nicht mehr veröffentlicht wurden und heute auch nicht mehr gelesen werden. Entsprechend ist der Stand der biographischen Forschung. Da müßte mal jemand, der vor Ort ansässig ist, ansetzen und schauen, was er so alles herausbekommen kann.

Wolfgang Wiesheier
Dana
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Beitrag von Dana » 31.8.2004, 13:02

Hallo Herr Wiesheier!

Vielen Dank für die Tipps zu Sekundärliteratur. Da werde ich auf jeden Fall mal nachschauen.

Ansonsten bin ich ja "vor Ort ansässig", werde versuchen, mehr herauszufinden, und hier dann auch gerne meine Ergebnis mitteilen.

Das Schicksal, dass Werke eines Schriftstellers nach dessen Tod nicht mehr aufgelegt werden und damit in Vergessenheit geraten, teilt Reinhard Roehle auch mit vielen Autorinnen von Backfischliteratur (also von Jungmädchenbüchern). Wenn es keine Nachkommen gibt, die sich um eine Wiederveröffentlichung bemühen, weiß innerhalb kürzestes Zeit niemand mehr etwas über sie, selbst in ihrem ehemaligen Wohnort.

Daher versuche ich, so viel wie möglich zusammenzutragen. Hier in Jugenheim war zu Beginn des 20. Jahrhunderts scheinbar ein Nest von Schriftstellern.
In diesem doch eher kleinen Ort wohnten zu der Zeit Reinhard Roehle (Abenteuerbücher), Henny Koch (Bücher für junge Mädchen) und Helene Christaller (Romane und autobiographische Werke). Es ist auch sicher, dass sich alle drei gekannt haben, da sowohl Reinhard Roehle als auch Helene Christaller zum Tode Henny Kochs einen Nachruf verfasst haben, in dem sie viel Persönliches erwähnen.

Mal sehen, was ich noch herausfinde. Ich hoffe vor allem auf ein Foto. Damit kann man sich einen Menschen doch immer am besten vorstellen und sich in die vergangene Zeit versetzen.

Viele Grüße!
Dana Rothstein
Gast

Beitrag von Gast » 1.9.2004, 22:37

Hallo Frau Rothstein,

allein bei ZVAB fand ich 71 Einträge zu Büchern von Reinhard Roehle, davon viele von Ihnen genannte Titel.

Ein Buchtitel, der mehrfach angeboten wurde, war "Goebens Erlebnisse in Spanien - Lehr- und Leidensjahre eines deutschen Heerführers".

Der preußische General von Goeben nahm am sogenannten 1. Karlistenkrieg 1835-1839 in Spanien teil und verbrachte viele Jahre in spanischer Gefangenschaft. Später wurde er ein bedeutender Heerführer in den deutschen Einigungskriegen 1864, 1866 und 1870/71.

Ich wollte Sie daher fragen, ob Sie das Buch näher kennen oder gar gelesen haben, da mich das Buch sehr interessiert. Können Sie mir näheres mitteilen?

Viele Grüße
Kurt Altherr
Dana
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Beitrag von Dana » 9.9.2004, 23:36

Hallo Herr Altherr,

vielen Dank für Ihren Hinweis auf die Einträge im ZVAB. Ich schaue auch häufig bei booklooker nach antiquarischen Büchern.

Leider habe ich das von Ihnen erwähnte Buch „Goebens Erlebnisse in Spanien“ bisher weder in meiner Sammlung noch gelesen und kann Ihnen deshalb auch zur Zeit nichts Näheres dazu mitteilen.
Mehrere Werke Reinhard Roehles basieren auf realen Begebenheiten, wie nach ihren Erklärungen zu General von Goeben offensichtlich auch dieses Buch.

In der Zwischenzeit habe ich in der Bergsträßer Zeitung von 1938 einen Nachruf zum Tode Reinhard Roehles gefunden! Bei Interesse kann ich den Text komplett hier einstellen.

Danach hat er manche der Persönlichkeiten, über deren Leben er schreibt, selbst getroffen. „Auch die Abenteuer deutscher Seehelden im Weltkrieg fanden in ihm einen formgewandten Erzähler: Lauterbach und Valentiner weilten seinerzeit in Jugenheim und erzählten ihm ihre Abenteuer“, heißt es in dem Nachruf.

So besonders gut kenne ich mich mit den „deutschen Seehelden im Weltkrieg“ nicht aus, aber mit dem im Nachruf erwähnten „Valentiner“ kann wohl nur U-Boot-Kapitän Max Valentiner gemeint sein?

Die abenteuerlichen Erlebnisse des Kapitänleutnant d. R. Julius Lauterbach, der als Kapitän des deutschen Kreuzers "Emden" zu Beginn des 1. Weltkrieges in asiatischen Gewässern kreuzte, in Gefangenschaft geriet und während des Inderaufstandes von Singapore über Sumatra, Padang, die Philippineninsel Mindanao, Schanghai, Yokohama und die Vereinigten Staaten zurück ins Vaterland floh, schildert Reinhard Roehle in „Als Flüchtling um den halben Erdball“. In dem Buch selbst heißt es am Schluss auch, dass Julius Lauterbach nach seiner gelungenen Flucht in Deutschland von verschiedensten Seiten aufgefordert wurde, über seine Erlebnisse Vorträge zu halten.

Den von Ihnen erwähnten General von Goeben kann Reinhard Roehle ja wohl nicht mehr persönlich getroffen haben, aber auf jeden Fall hat er sich bei seinen Büchern immer bemüht, genau zu recherchieren. Häufig sind auch Landkarten enthalten, so dass man die Reisen und Fahrten gut nachvollziehen kann.

Mit vielen Grüßen
Dana Rothstein


@ Wolfgang Wiesheier
Ich habe im Gemeindearchiv in Seeheim-Jugenheim erfahren, dass Reinhard Roehle bereits 1906 (nicht 1916) zugezogen ist. Somit sind alle seine Werke hier entstanden. Sein erstes Buch erschien 1909.
Den Beitrag von Karl-Jürgen Roth im "Lexikon der Reise- und Abenteuerliteratur" habe ich bisher noch nicht auftreiben können. Handelt es sich bei dem erwähnten Lexikon um eine Loseblattsammlung? Etwas Ähnliches gibt es in unserer Stadtbibliothek über Kinder- und Jugendliteratur. Wäre sehr nett, wenn Sie mir noch den Verlag mitteilen könnten. Dankeschön :)
Gast

Beitrag von Gast » 10.9.2004, 17:35

Liebe Frau Rothstein,

das Buch Reinhard Roehles über die Spanienerlebnisse des Generals von Goeben basieren auf dessen Aufzeichnungen, die dieser für den preußischen Generalstab nach dessen Rückkehr aus Spanien verfasste.

Immerhin ist es Ihnen gelungen, meine Interesse für diesen Autor zu wecken. Dafür danke ich Ihnen.

Ergänzend möchte ich noch bemerken, daß die Bücher Roehles nach dem 1. Weltkrieg Konjunktur hatten.

Kriegserlebnisse aus dem 1. Weltkrieg, besonders von den Auslandskreuzern, Hilfskreuzern, Krieg in den Kolonien - vorrangig Deutsch-Ostafrika - Dardanellen und Palästina waren bei jugendlichen Lesern beliebt. Exotische Kriegsschauplätze erfreuten sich - nicht nur bei Jugendlichen - großer Beliebtheit.
Sehr bekannt wurde auch der Schriftsteller Josef F. Viera (1890-1970), der viele Jugenderzählungen über Deutsch-Ostafrika schrieb. Das nur am Rande.

In der Tat meint Roehle mit Max Valentiner (1883-1949) den berühmten U-Bootkommandanten aus dem 1. Weltkrieg, der mit der Versenkung von 140 Handelsschiffen und einem französischen Kanonenboot zu den erfolgreichsten U-Boot-Fahrern gehört.

Der Textauszug aus der "Bergsträsser Zeitung" würde mich sehr interessieren.

Der Verlag der Losebalttsammlung ist mir bekannt, möchte da aber Herrn Wiesheier nicht vorgreifen.

Viele Grüße
Kurt
Wolfgang Wiesheier
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Beitrag von Wolfgang Wiesheier » 13.9.2004, 21:47

@Dana Rothstein

Friedrich Schegk / Heinrich Wimmer (Ed.): Lexikon der Reise- und Abenteuerliteratur (Meitingen, 1988 ff., Corian) ist in der Tat eine Loseblattsammlung in zur Zeit 10 Ordnern. Sie finden sie in vielen Universitätsbibliotheken und in manch größerer kommunaler Bücherei. Sollten Sie nicht an den Artikel herankommen, würde ich anbieten, daß ich ihn kopiere und Ihnen mit der Post schicke.
Man kann dieses Kompendium eigentlich gar ncht genug empfehlen. Solch umfangreiche und detaillierte Informationen zur Abenteuerliteratur findet man sonst in keiner Publikation. Da kann man stundenlang drin lesen und möchte gar nicht mehr aufhören.

Zur Frage, wann Roehle in Jugenheim wohnhaft war, schreibt Roth, daß dies "Spätestens ab 1916" der Fall gewesen wäre, so daß Ihre Information mit 1906 dem nicht entgegensteht, aber einen deutlichen Erkenntnisgewinn beinhaltet. Haben Sie schon einmal nachgeforscht, ob vielleicht Nachkommen Roehles in Jugenheim oder der Umgebung ansässig sind? Roehle heiratete 1918 eine Hilde Happatz aus Bensheim. Vielleicht sind aus der Ehe Kinder hervorgegangen.

Wolfgang Wiesheier
Dana
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Beitrag von Dana » 18.9.2004, 18:46

Vielen Dank für alle Infos! :D
Ich freue mich wirklich sehr darüber, hier Gleichgesinnte gefunden zu haben, die Verständnis für mein Interesse an alten Büchern und den Menschen dahinter haben.

Gestern habe ich das "Lexikon der Reise- und Abenteuerliteratur" bei meinem Besuch im Institut für Kinder- und Jugendbuchforschung an der Uni in Frankfurt in deren Bibliothek entdeckt und mir den Beitrag zu Reinhard Roehle kopiert. Trotzdem vielen Dank für Ihr Angebot, mir die Seiten zu kopieren. Ich kann mich nur anschliessen, dass dieses Kompendium wirklich eine Fülle von Informationen liefert, und zwar nicht nur über Autoren, sondern auch über Verlage und spezielle Reihen.

Dieser Beitrag über Reinhard Roehle war tatsächlich ein sehr guter Tipp, Herr Wiesheier, denn da sind - wie Sie schon geschrieben haben - einige interessante Einzelheiten zur Biographie enthalten. Das sind gute Ausgangspunkte, um vielleicht noch mehr oder Genaueres herauszufinden. Mich würde natürlich interessieren, woher Karl Jürgen Roth sein Wissen speziell über Reinhard Roehles Jugend und Familienverhältnisse hat.

Auf die dort erwähnte "Hildegard Roehle, geb. Happatz" bin ich zuvor schon in der Todesanzeige in der Bergsträßer Zeitung (in der auch der Nachruf erschien) gestoßen, wusste allerdings nicht, dass sie aus Bensheim kam. Bensheim liegt hier ganz in der Nähe, auch an der hessischen Bergstraße.
Aus den Kirchenbüchern weiß ich, dass sie 1885 in Köln geboren wurde und erst 1955 in Jugenheim gestorben ist. Ich will mal sehen, ob ich hier jemanden auftreiben kann, der sich noch an sie erinnern kann.
Von Kindern wurde leider weder im Nachruf noch in der Todesanzeige etwas erwähnt.

Der genaue Text des Nachrufes folgt in den nächsten Tagen.

Viele Grüße!

Dana Rothstein
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Beitrag von Dana » 19.9.2004, 12:49

So, jetzt kommt hier auch der versprochene Nachruf:

Bergsträßer Zeitung – Seeheimer Lokal-Anzeiger – 15. Jahrgang, Nummer 62, Dienstag, den 15. März 1938

Lokales und Vermischtes

Reinhard Roehle zum Gedenken!

Jugenheim. In diesen Tagen ging ein Mitbürger von uns, dessen Tod eine fühlbare Lücke hinterläßt, nicht nur im Kreise seiner Familie und seiner Freunde.
Wohl 30 Jahre hat Reinhard Roehle hier gewohnt; ein Leiden hatte ihn an die Bergstraße geführt und die reine milde Luft hatte ihn soweit gebessert, daß er, in Grenzen, 30 Jahre lang ein tätiges Leben führen konnte, während er zu Anfang mit wenigen Jahren rechnete. Wohl kamen immer wieder Zeiten des Übelbefindens, die er mit vorbildlicher Geduld, ohne zu klagen ertrug, aber dann ging es wieder aufwärts und seine heitere, hilfsbereite Natur breitete Segen und Freude um sich.
Reinhard Roehle war ein aufrechter Charakter von vielseitiger Begabung, die er auch oft in den Dienst der Allgemeinheit stellte. Er war ein vorzüglicher Geigenspieler und verschönte manchen Gemeindeabend damit, und unterrichtete auch im Geigenspiel. Er malte, ohne jede Anleitung erstaunliche Bilder; aber seine größten Erfolge brachte ihm der Schriftstellerberuf.
In dem Unionsverlag erschienen in hohen Auflagen eine ganze Reihe abenteuerreicher Knabenerzählungen von ihm, zu denen ihn seine großen Seereisen befähigten. „Über Anden und Meer ins deutsche Heer“, darin schildert er die Reise seines Bruders im Krieg nach der Heimat; „Von Seebären und Landratten“, „Unter Bullerdieks Teerjacken“ und viele andere. Auch die Abenteuer deutscher Seehelden im Weltkrieg fanden in ihm einen formgewandten Erzähler: Lauterbach und Valentiner weilten seinerzeit in Jugenheim und erzählten ihm ihre Abenteuer. Kein Bub, der nicht von seinen Büchern weiß.
Die weite Welt, die er sieben Jahre lang durchschweift hatte, die tückische Krankheit, die ihn zum Leiden verurteilte, der helle Wille, der diese Leiden meisterte, das formte aus ihm einen Menschen, der beglückend empfunden wurde. Dazu hatte er eine Gefährtin gefunden, die warmen Sonnenschein in sein Leben brachte und keine Verbitterung aufkommen ließ.
Reinhard Roehle, mit seinem klaren Blick, seiner Hilfsbereitschaft, seinem schalkhaften Humor, unter dem sich ein warmes Gemüt verbarg, wird uns allen fehlen und unvergessen sein.
Wolfgang Wiesheier
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Beitrag von Wolfgang Wiesheier » 21.9.2004, 21:45

Liebe Frau Rothstein,
Karl-Jürgen Roths Informationen über Roehles Jugend- und Familienverhältnisse stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus "Kürschners Literatur-Kalender". Wenn Sie weitere Biographien von ihm lesen, werden Sie feststellen, daß er sehr oft auf dieses und ähnliche Periodika zurückgreift, die oft die einzige Quelle darstellen, um über Lebensdaten, Aufenthaltsort oder familiäre Verhältnisse vergessener Autoren wenigstens ansatzweise Aufschluß zu erhalten.
Sie können übrigens auch mit Karl-Jürgen Roth selbst in Kontakt treten und sich mit ihm über Roehle austauschen. Unter http://mitglied.lycos.de/wildwester/default.htm betreibt er eine sehr empfehlenswerte Seite zum Westerngenre.

Wolfgang Wiesheier
Gast

Beitrag von Gast » 22.9.2004, 16:23

Liebe Frau Rothstein,

vielen Dank für die Bereitstellung des Nachrufes von Reinhard Roehle in diesem Forum, das ich mit interesse gelesen habe.

Mich würde noch interessieren, an welcher schweren Krankheit Reinhard Roehle litt. Wissen Sie da näheres?

Viele Grüße

Kurt Altherr
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Beitrag von Dana » 22.9.2004, 17:52

Lieber Herr Wiesheier,

in "Kürschners Literatur-Kalender" (standen auch im Institut für Kinder- und Jugendliteratur im Regal) findet man leider nichts über die Familienverhältnisse. Die Angaben sind nur: Name, eventuell Pseudonym, aus welchen Sprachen der Autor übersetzen kann, Adresse, evtl. Geburtsdatum und Ort, und einige Buchtitel mit Erscheinungsjahr.

Vielleicht sind die Informationen aus dem in der Sekundärliteraturliste von Karl-Jürgen Roth erwähnten Buch "Wer ist's". Habe ich bisher noch nirgends gefunden, werde aber die Augen offen halten.

Auf jeden Fall werde ich Karl-Jürgen Roth mal schreiben. Vielen Dank für seine Internetadresse!


Lieber Herr Altherr,

leider weiß ich nichts Genaues über Reinhard Roehles schwere Krankheit. Wesentlich ist für mich, dadurch die Erklärung zu haben, weshalb die Roehles nach Jugenheim kamen. Jugenheim war damals Luftkurort, mit vielen großen Hotels, und man spricht immer von der guten Luft, die viele hierher zog.

Aus dem Nachruf lese ich heraus, dass die Krankheit als Grund dafür gesehen werden muss, dass Reinhard Roehle nicht mehr zur See fahren konnte.
Karl-Jürgen Roth schreibt, dass gesundheitliche Probleme dazu führten, dass Reinhard Roehle den kaufmännischen Beruf aufgab und als Schiffszahlmeister auf einem Schiff anheuerte.
Um Vermutungen über die Krankheit anzustellen, müsste man erst herausfinden, wann und wie sie sein Leben beeinflusst hat. Eine Krankheit, die einen zur Aufgabe des kaufmännischen Berufs zwingt, wird nämlich sicher eine andere sein als eine, deretwegen man die Seefahrt aufgeben muss. Nun ja, vielleicht bekomme ich noch etwas heraus.

Jetzt habe ich noch eine Frage:
Reinhard Roehle hat bei seiner Anmeldung als Beruf "Schiffszahlmeister" angegeben, in "Kürschners Literatur-Kalender" steht "Schiffsoffizier". Kann ein Schiffszahlmeister denn gleichzeitig Schiffsoffizier sein?

Viele Grüße!

Dana Rothstein
Ralf Grosskurth
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Beitrag von Ralf Grosskurth » 25.9.2004, 0:21

Guten Abend, Frau Rothstein!

Weit davon entfernt, ein intimer Kenner der Handelsschifffahrt zu sein, meine ich mich dennoch entsinnen zu können, daß der Zahlmeister zu den Offiziersrängen gehört, resp. diesen zugerechnet wird
Sollte meine Erinnerung (die aber bitte mit aller Vorsicht zu betrachten ist) mich nicht trügen, dann ist der Zahlmeister mit dem dritten Offizier gleichzusetzen.
Mit freundlichen Grüßen,

Ralf Grosskurth
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Beitrag von Dana » 25.9.2004, 14:10

Dankeschön für die Info, Herr Grosskurth!

Übrigens: Bingo!
Das in der Sekundärliteraturliste von Karl-Jürgen Roth erwähnte Buch "Wer ist's" ist die Quelle für dessen Kenntnisse bezüglich Ausbildung und Familienverhältnisse.

In der Unibibliothek in Darmstadt habe ich "Wer ist's" gefunden.
Dieses Lexikon ist wirklich Gold wert!!
Wer mal Informationen über damals bekannte, heute vergessene Persönlichkeiten sucht, sollte dort nachschauen.

Die Einträge sind mit herrlichen Abkürzungen gespickt:

Roehles V. war Fbrkbes. (Roehles Vater war Fabrikbesitzer)

L.B.: Violinsp., bes. Krmus. (Lieblingsbeschäftigung: Violinspiel, besonders Kammermusik)

Also Phantasie muss man da schon haben....

Aber wenn den Verlegern alle Infos vorgelegen haben (vermutlich wurden den Personen Fragebögen geschickt), kann man folgende Informationen bekommen:
Beruf, evtl. Pseudonym, Geburtstag und -ort, Name und Beruf des Vaters, Name der Mutter, Ehepartner, Hochzeitstag, Vater der Ehefrau, Ausbildung, berufliche Tätigkeit, Werdegang, erschienene Titel, Übersetzungen, Spezialgebiet, Lieblingsfreizeitbeschäftigung, Wohnort.

Ich wünsche allen noch ein schönes Wochenende!

Viele Grüße
Dana Rothstein
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Beitrag von Dana » 6.11.2004, 16:33

Mal wieder Neuigkeiten zu Reinhard Roehle :D

Anlässlich meiner Ausstellung über die Mädchenbuchautorin HENNY KOCH - wie Reinhard Roehle auch aus Jugenheim an der Bergstraße - habe ich an einem Nachmittag einen Vortrag bei der Frauenhilfe der ev. Kirche gehalten.

Wie sich herausstellte eine gute Idee, da es sich bei dieser Gruppe um ältere Damen im Alter von 70 bis etwas über 90 Jahre handelte, die sich gerne an frühere Zeiten erinnern.

Es war sogar das Patenkind von Roehles Ehefrau Hilde anwesend :!:

Von ihr weiß ich nun schon mal sicher, dass es sich bei Reinhard Roehles schwerer Krankheit um Malaria handelte. Sie sprach davon, dass er zur See gefahren sei, es wohl eine Meuterei gegeben habe und er dann krank nach Deutschland zurückgekehrt sei.

Bei Gelegenheit werde ich noch genauer nachfragen.


P.S. Wer sich für Henny Koch oder meine Ausstellung interessiert, kann ja mal auf meiner Website vorbeischauen....
Antworten
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