Karl Mays Gedichte

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rodger
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Re: Karl Mays Gedichte

Beitrag von rodger » 28.4.2017, 13:10

Hermann Wohlgschaft hat geschrieben: Karl May stand aber dem christlichen Glauben bzw. dem biblischen Denken wohl doch etwas näher als dem Taoismus. :wink:
Karl May, mag sein ... 8)

Aber wenn dann eher dem biblischen Denken als dem christlichen Glauben. (Mag sein daß er sich hundertmal anders geäußert hat. Aber bei ihm muß man immer schön auseinanderhalten was stimmen mag und was nicht ...)
Und am Ende gewinnt das unbedingte Vertrauen über die Wehklage die Oberhand.
Eben. Frau Katie, Taoisten u.a. sind da gleich einen Schritt weiter und halten sich gar nicht erst mit der Klagerei auf ...

:D
mugwort
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Re: Karl Mays Gedichte

Beitrag von mugwort » 28.4.2017, 21:12

Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:Karl May stand aber dem christlichen Glauben bzw. dem biblischen Denken wohl doch etwas näher als dem Taoismus. :wink:

In der Bibel geht es, in mancher Hinsicht, ganz anders zu als etwa im Tao te ching. Biblische Gottesmänner wie Hiob oder der Prophet Jeremia legen sich mit ihrem Jahwe durchaus an und streiten - gelegentlich - mit ihm. Ihre Klage kann umkippen in Anklage gegen Gott. Ich glaube nicht, dass man dies kritisieren muss. Im Gegenteil, glaubende Menschen wie Hiob, Jeremia oder auch Karl May bleiben ja gerade in ihrer Anklage gegen Gott mit ihm verbunden in einer sehr lebendigen Beziehung. Und am Ende gewinnt das unbedingte Vertrauen über die Wehklage die Oberhand. Wie bei Jesus am Kreuz: Zuerst "Mein Gott, warum hast du mich verlassen", dann "Vater, in deine Hände gebe ich mein Leben".
Dazu fällt mir spontan noch Mose ein. Er klagt nicht an, aber renitent ist er durchaus. Den ihm von Gott erteilten Auftrag nimmt er zunächst nicht an, nein: Er windet sich, weigert sich, diskutiert - mit Gott von Angesicht zu Angesicht.

Nach meinem Verständnis von christlichem Glauben dürfen wird das auch. Wir müssen nicht funktionieren, wir dürfen rebellieren, diskutieren, fragen, aufbegehren. Nur sollten wir, wie oben so schön formuliert, "in einer sehr lebendigen Beziehung" mit Gott bleiben. Die Widerworte dürfen nicht das Ende des Dialogs sein, sie sind der Anfang.
Hermann Wohlgschaft
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Re: Karl Mays Gedichte

Beitrag von Hermann Wohlgschaft » 28.4.2017, 22:37

Vor allem bei der dritten Strophe des von Rene Grießbach zitierten May-Gedichts "Nach meines Lebens schwerem Arbeitstag" muss ich an die vierte und letzte Strophe eines Gedichts von Dietrich Bonhoeffer (mit dem Titel "Stationen auf dem Wege zur Freiheit") denken:

Komm nun, höchstes Fest auf dem Wege zur ewigen Freiheit,
Tod, leg nieder beschwerliche Ketten und Mauern
unsres vergänglichen Leibes und unsrer verblendeten Seele,
daß wir endlich erblicken, was hier uns zu sehen mißgönnt ist.
Freiheit, dich suchten wir lange in Zucht und in Tat und in Leiden.
Sterbend erkennen wir nun im Angesicht Gottes dich selbst.

Bonhoeffer schrieb diese Verse im Gefängnis, kurz vor seiner Ermordung durch die Nazis.
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