In Sachen Karl May auf historischem Boden

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Rene Grießbach
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In Sachen Karl May auf historischem Boden

Beitrag von Rene Grießbach » 2.10.2015, 15:05

Unlängst in der Sächsischen Schweiz.

Im romantischen Wehlgrunde das Gasthaus Waldidylle.

In dem einst auch Karl May gesessen
er hat bestimmt auch was gegessen,
das war im Jahre Neunzehn - drei
die Klara, die war auch dabei.

Der Wanderer, der an dem Spätsommertag im September 2015 an dem Gasthaus ankam,
der hatte Lust auf eine schöne erholsame Pause und ein ebenso schönes kühles Bier.

Da saß er nun
und ruhte aus
Gedanken gingen
ein und aus.

Und wie er so da saß, da kamen ihm, weil er sehr wohl wusste, dass er sich in Sachen Karl May quasi auf historischem Boden befand, ein paar Verse in den Sinn, die vielleicht der Herr Kantor emeritus Matthäus Aurelius Hampel aus Klotzsche bei Dresden auch als Knüppelverse bezeichnet hätte.

Wo ich jetzt sitz
saß einst Karl May.
Der dachte sich
so allerlei.

Von Winnetou
und von den Kurden
die dann im Buch
lebendig wurden.

An solchen Orten
war er gerne,
im Geiste reist´ er
in die Ferne.

Er schrieb das auf,
was er sich dachte,
was Kritikern
zu schaffen machte.

Seine Bücher
bringen Freud
drum lesen wir sie
auch noch heut.
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rodger
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Re: In Sachen Karl May auf historischem Boden

Beitrag von rodger » 2.10.2015, 15:17

kann als gelungener Versuch moderner Lyrik betrachtet werden, gelingt es doch dem Verfasser eindrucksvoll, an die stille Lyrik von Friederike Mayröcker nahtlos anzuschließen.
[...]
Ein dickes Lob für den Newcomer und weiter so.
schrieb "Gast" (Kurt Altherr) am 14.7.2004, und es fiel mir eben umgehend ein ... (ich hatte es freilich nicht mehr wörtlich im Kopf, aber habe es mit der Suchfunktion sofort gefunden)

:mrgreen:
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Rene Grießbach
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Re: In Sachen Karl May auf historischem Boden

Beitrag von Rene Grießbach » 2.10.2015, 15:40

Friederike Mayröcker - wer ist das?
Ich gehe in mich oder noch besser, zu Google :mrgreen:
... in der Hoffnung, dass nicht irgandwann in irgendeinem anderen Forum jemand schreibt:
Karl May - wer ist das?
:wink:
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rodger
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Re: In Sachen Karl May auf historischem Boden

Beitrag von rodger » 2.10.2015, 15:49

Wenn Du hier im Forum nach ihr suchst, kannst Du sehen, daß es mir seinerzeit ganz ähnlich ging ... :wink:

Karl May, wer ist das, ja, das ist der mit dem Winnetou in Bad Segeberg ... (im kostenlos an die Haushalte verteilten Blödzeitungssonderdruck mit der Friedefreudeeierkucheneinheitsduselei stand unter "25 Dinge, die man in Deutschland erlebt haben muß" oder so ähnlich auch ein Besuch bei Winnetou in Bad Segeberg ... das ist zwar nicht Karl May, sondern fatale Verzerrung desselben, aber wen interessiert das schon ... :roll: )
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Rene Grießbach
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Re: In Sachen Karl May auf historischem Boden

Beitrag von Rene Grießbach » 2.10.2015, 17:49

Karl May - seine Bücher, seine darin befindlichen Aussagen, die von ihm in seinen Werken vermittelten Werte.
Damit das alles lebendig bleibt, ist es ja nicht damit getan, "nur" seine Bücher zu lesen, sondern manch eine der darin befindlichen Aussagen mit aktuellen Dingen in Zusammenhang zu bringen. Der Möglichkeiten gibt´s da viele.
Die auch dazu dienen sollten, den Leuten, die Karl May nicht mehr wirklich kennen, nahe zu bringen, dass das, was in seinen Werken zu finden ist, eben nicht "von gestern", also veraltet ist.
Klar, hier im Forum ist es still geworden, wie rodger unlängst richtig anmerkte und Facebook bzw. das Abwandern dorthin kritisierte und ich gehöre ja auch zu denen, die hier nur noch sehr wenig schreiben und bei fb einiges mehr.
Aber eine Existenzberechtigung hat auch hier beides, wenn man ein klares Ziel verfolgt. Und bei fb ist - für mich - ein Ziel, eine Methode, immer wieder mal verschiedenste aktuelle Dinge mit einem Karl May - Zitat (selbstverständlich mit Angabe, dass das von KM ist) zu kommentieren, um dann immer wieder mal die erstaunte Frage zu hören bzw. zu lesen:
"Sowas hat der Karl May gesagt?"

Soll heißen, den Freilichtbühnen und Filmemachern ist es gelungen, den Karl May auf den Erfinder vordergründiger Abenteuergeschichten, weitestgehend ohne Tiefgang zu reduzieren. Und diese Vorstellung in den Köpfen vieler so - sagen wir - zu zementieren, dass es eine langfristige Kleinarbeit von einigen wenigen ist, diese Vorstellung wieder aufzubrechen.

Das Karl May mehr war als nur der Abenteuerschriftsteller - dafür zu sorgen, dass das nicht vergessen wird, das ist m.E. eine der wichtigsten Aufgaben der Karl-May-Freunde in der heutigen Zeit.

Und da können auch solche Aufenthalte wie in dem Gasthaus Waldidylle im Wehlgrund genutzt werden, wo der ganz oben erwähnte Wanderer nicht nur Knüppelverse schmiedete, sondern sich auch mit ein paar anderen Wanderern unterhielt, über verschiedenes und wo es sich dann auch - über die Frage, wie lange wohl die Waldidylle bereit existiert - ergab, dass das Gespräch auf Karl May kam.
Da war nämlich die Frage, ob hier wohl auch mal Prominente gewesen wären.
Und als der Name Karl May fiel: "Der Abenteuerschriftsteller?"
antwortete ich einfach nur: "Mehr als der Abenteuerschriftsteller."
Um dann zu fragen: "Was halten Sie eigentlich von den Zeilen "Hör auf, hör auf, die Wälder zu zerstören. / Sonst wirst mit ihnen du auch untergehn" ?" - es passte einfach, zu der Gegend, in der die "Waldidylle" steht.
Da kam sogleich die Antwort, dass das stimmt und dann kam das Argument Zerstörung der Regenwälder und die spürbaren Folgen und ähnliches. Und wo ich die Verse gelesen hätte.
Und dann - ganz große Augen, als sie hörten "bei Karl May" - und dann, nach weiteren Worten, wo das steht usw., die Überlegung: "Karl may müssten wir auch mal wieder lesen."

(ich gestehe aufrichtig, dass es mir in solchen Momenten völlig egal ist, ob die Leute dann zu einem KMV-Band oder einem "richtigen" karl may greifen, wenn sie es denn überhaupt tun, aber das ist schon wieder eine andere, nicht neue Diskussion)
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Re: In Sachen Karl May auf historischem Boden

Beitrag von rodger » 2.10.2015, 18:01

Rene Grießbach hat geschrieben: hier im Forum ist es still geworden, wie rodger unlängst richtig anmerkte und Facebook bzw. das Abwandern dorthin kritisierte
kritisierte ? Ach wo ... das ist mir sowas von schnurz ... macht doch alle grad' was ihr wollt ... :mrgreen:
Rene Grießbach hat geschrieben: mit einem Karl May - Zitat
[...]
(ich gestehe aufrichtig, dass es mir in solchen Momenten völlig egal ist, ob die Leute dann zu einem KMV-Band oder einem "richtigen" karl may greifen[...])
Nur wird es mit den Zitaten dann manchmal sozusagen ein wenig eng ... (da steht manchmal halt was anderes ...)
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Rene Grießbach
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Re: In Sachen Karl May auf historischem Boden

Beitrag von Rene Grießbach » 2.10.2015, 23:13

rodger hat geschrieben:Nur wird es mit den Zitaten dann manchmal sozusagen ein wenig eng ... (da steht manchmal halt was anderes ...)
Wie gesagt
das ist schon wieder eine andere, nicht neue Diskussion
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Re: In Sachen Karl May auf historischem Boden

Beitrag von rodger » 3.10.2015, 7:27

Wenn man aus gegebenem Anlaß noch einmal nebenbei darauf hinweist, daß Schnitzel Wiener Art etwas anderes ist als Wiener Schnitzel, dann ist das auch nicht neu, aber es stimmt immer noch. :D
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Re: In Sachen Karl May auf historischem Boden

Beitrag von Helmut » 5.10.2015, 12:00

Auf einer "Podiumsdiskussion" beim Kongress, haben 4 Germanisten, die mit der Ausbildung von Lehrern zu tun haben, folgende fast Identische berichtet:
bei einer Veranstaltung über Karl May antworteten von ca. 50 Studenten auf die Frage, ob sie schon mal was von Karl May gelesen hätten, etwa 1 bis 3 mit "ja". Auf die Frage, ob sie schon mal einen "Karl-May-Film" gesehen hätten, etwa 10 bis 12 mit Ja. Die zusätzliche Frage, ob sie schon mal einen Film mit Pierre Brice gesehehen hätten, beantwortetn schon 45 der Teilnehmer mit "Ja"; dabei fielen dann einigen wieder ein, dass das ja die "Karl-May-Filme" waren.

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Re: In Sachen Karl May auf historischem Boden

Beitrag von Rene Grießbach » 5.10.2015, 22:27

Und deshalb hab ich mir angewöhnt:
In Gesprächen über Karl May, in denen andere sofort sagen, wie sehr sie die Filme lieben, sag ich zwar meistens auch, dass ich mir die Filme ganz gern anschaue (was ja auch so ist), aber dann lenke ich immer ganz schnell ab von den Filmen und lenke das Gespräch auf die Bücher.
Ich meine, ich will ja in Gesprächen über Karl May eben über Karl May sprechen und nicht darüber, was Filmemacher und Schauspieler daraus gemacht haben :wink:
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Helmut
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Re: In Sachen Karl May auf historischem Boden

Beitrag von Helmut » 6.10.2015, 10:53

Ich wollte ja damit auch zeigen (passt zwar eigntlich nicht zum "Thread-Thema"), dass der Zusammenhang zwischen "Pierre-Brice-Filmen" oder meinethalben auch "Winnetou-Filmen" zu Karl May bei der überwiegenden Mehrheit der "Konsumenten" mittlerweile auch nicht mehr präsent ist. Mit anderen Worten, dass "über die Filme zu Karl May zu kommen" auch nicht mehr (wie so oft behauptet) funktioniert (zumindest nicht mehr so einfach).

Helmut
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