Hitchcock

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markus
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Hitchcock

Beitrag von markus » 27.7.2015, 12:33

Hallo erstmal,

der Rüdiger hat ja letztens Hitchcock erwähnt. Habe gestern das erste mal den Film "Hitchcock" mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle gesehen der vor ein paar Jahren im Kino lief. Als Hitchcock-Fan schaut man da natürlich etwas genauer hin, bin aber trotzdem ganz unvoreingenommen an die Sache ran gegangen. Der Film spielt zur Zeit der Dreharbeiten zu Hitchcocks Klassiker "Psycho" von 1960. Am Ende war ich nicht grad begeistert, aber auch nicht enttäuscht. Ein ahnungsloser würde den Film für gut und solide halten, ein Kenner sucht natürlich nach Sachen die er kennt und ist nicht oft zufrieden. Daß es nicht das sein wird was man erwartet, sollte aber schon vorher klar sein. Hopkins machte einen guten Hitchcock, aber es war natürlich nicht DER Hitchcock (ziemlich schwer solch eine Person darzustellen, wie es überhaupt eine Kunst ist eine berühmte Persönlichkeit authentisch darzustellen). Äußerlich sah er ihm natürlich mit Hilfe der Maskenbildner etc. sehr ähnlich, aber vielleicht hätte man weniger Wert darauf legen sollen und mehr auf Mimik und Ausstrahlung (Hitch war in Interviews viel biederer, zurückhaltender, beinahe schüchtern, während Hopkins beinahe das Gegenteil zeigte).
Anders Hellen Mirren als seine Ehefrau Alma. Sie legte sich sehr ins Zeug und war sehr glaubhaft. Die anderen Darsteller waren eher blass. Obwohl, der Darsteller von Anthony Perkins hatten die gut ausgesucht, auch wenn seine Auftritte nur kurz waren (der Schwerpunkt des Films lag eher auf Alfreds und Almas Beziehung während der Dreharbeiten die einen schweren Stand hatte). Er hatte beim Casting das gleiche schelmisch-dämonische Lächeln wie einst Perkins im Film.
Ansonsten gilt noch zu sagen daß die Hitchcocks nie einen Swimmingpool besaßen weil er ihnen doch zu vornehm vorkam. Im Film gestern hatten sie einen und es drehte sich sehr viel um ihn, da er ihnen zu verlieren drohte wenn "Psycho" floppen würde, denn sie hatten eine Hypothek auf das Haus samt Pool genommen um den Film zu finanzieren, da die Studios Paramount nicht bereit waren das Risiko für den Film einzugehen. Helen Mirren schwamm dort gerne ihre Runden. Das muß wohl dazu gedichtet worden sein der Handlung wegen.

Ansonsten fällt mir momentan nicht mehr viel ein, später vielleicht mehr wenn ich hier fietbeg bekommen habe... :mrgreen:
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rodger
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Re: Hitchcock

Beitrag von rodger » 27.7.2015, 14:37

[Na gut ...]

Es heißt übrigens Fietbäck. Einem Man-sagt (bevor wieder gefragt wird ... :mrgreen: ) zufolge eine niederrheinische Erfindung; ein Krefelder Bäckermeister stellte seinerzeit holländeraffin wie er nun mal war Brötchen in Fahrradform her, niederländisch Fiets = Fahrrad (für die Nichtlateiner), insofern eigentlich Fietsbäck, eingebürgert hat sich bzw. genannt wurde es aber Fietbäck.

(Das war der Cameoauftritt, äh, die Blödeleinlage ... Hitchcock entschloß sich irgendwann, den Cameoauftritt (siehe dort :mrgreen: ) ziemlich zu Beginn der Filme zu bringen, damit das Publikum nicht darauf warte und sich besser auf den Film konzentrieren könne ...)

Ich beschäftige mich derzeit stark mit Hitchcock, Auslöser war die in einem anderen Thread erwähnte erstandene DVD; was es mit der auf sich hat, ist mir weiterhin ein Rätsel ... (Zur Erinnerung, das ist eine Folge 5 und sieht aus wie aus einer Reihe von De Agostini, die Firma heißt [aber] Hachette, im Internet findet man zu einer Hitchcock-DVD-Reihe von Hachette nicht die geringste Information, und zwei Mailanfragen an den deutschen Vertrieb in Mörfelden-Walldorf blieben bis heute ohne Antwort.) Auch habe ich außer dieser Folge 5 nirgend mehr etwas gesehen an Kiosken, Bahnhofsbuchhandlungen usw., keine Folgen 1-4 und keine Folge 6 ... Sehr merkwürdig.

Also, die Erwartung einer DVD-Reihe brachte mich dazu, mich mit der Angelegenheit mal intensiv zu beschäftigen ... Derzeit lese ich das Buch "Alfred Hitchcock und seine Filme" von David Spoto, das ist der, der auch eine umfangreiche Biographie unter dem [Unter-]Titel "Die dunkle Seite des Genies" herausgebracht hat.

Wirklich hochinteressant fand ich folgendes: Spoto schreibt, in dem einen oder anderen Film habe die Sache ursprünglich 'negativer' ausgehen sollen als es dann im Film wirklich der Fall war; z.B. in "Suspicion" ("Verdacht"), Hitchcok habe ursprünglich geplant oder zumindest mit dem Gedanken gespielt, den Mann tatsächlich die Frau umbringen zu lassen, während sich das im Film als Irrtum herausstellt ... Und nun schreibt Spoto: dieses 'Happy End' mache den Film letztlich verstörender, als wenn man ihn 'negativ' hätte enden lassen ... So, mit 'Happy End', hat der Zuschauer einige Abgründe kennengelernt, die in der Beziehung zwischen Mann und Frau zutage treten [können] und vergißt sie nicht mehr ... Zu diesem faszinierenden Gedanken fiel mir freilich umgehend Karl May ein, und Spotos Anmerkung hilft mir tatsächlich, das eine oder andere, über das ich mir bislang im Zweifel war, besser zu verstehen ...

Das 'Happy end' einiger Humoresken ist kein 'Happy End', der Autor tut sozusagen nur so ... Es wäre ja in der Tat fatal, wenn Liebes- & Lebensglück nur aufgrund eines Geldfundes entstünde, darauf aufbaute ... was für eine fatale Basis ...

Das 'Happy end' einiger Dessauergeschichten ist kein 'Happy End', der Autor hat uns vorher Machtmißbrauch, Willkür, faschistoide Dummheit usw. ungeschminkt aufgezeigt, verpackt zwar in eine gewisse Humorik und dann mit einem aufgesetzten scheinbar 'positiven' Schluß versehen, aber darauf sollte man nicht wirklich hereinfallen ...

Wie sehen denn so einige andere 'Happy ends' aus ... Abschied aus Amadijeh, es kann einen rühren, aber es kann einem auch schlecht werden ... Selim Agha will sich bedanken, seiner Rührung Ausdruck verleihen, David Lindsay mißversteht das mehrmals, meint immer, der Mann wolle Geld, und gibt ihm entsprechend mehrmals welches ... worüber dann seitens Mersina noch elendes Gezänk entbrennt ... welch 'Happy end' ...

Der Orientzyklus ("die ersten fünf Bände" habe ich heute gehört, der kleine Lapsus ist exemplarisch für den Kenntnisstand einiger Fachsimpler heuer ... sie können gerade noch bis drei und auch bis fünf zählen, aber dann verließen sie ihn ...) endet [im Anhang] damit, daß die gleichen Fehler wieder [und solange die Welt sich dreht] gemacht werden ... was nebenbei dazu führt, daß ein geliebtes Wesen (interessanterweise ein Tier ... unter Menschen sind die Liebesobjekte eher selten, von Hadschi Halef Omar - einer Art Selbstspiegelung - einmal abgesehen ...) sterben muß ...

In der Winnetou-Trilogie geht sozusagen alles den Bach runter ... nichts bleibt ... außer Erkenntnisgewinn, Reife, Wachstum ... (andererseits 'das bessere Teil' ...)

Der versöhnliche Schluß der Mahdi-Trilogie läßt das zuvor erlebte freilich nicht wirklich vergessen ...

Ganz 'bösartig' ist es bei der 'Seehundsjagd' ... ach wie niedlich die kleine Robbe ... empfunden von Leuten, die vorher gerade Hunderte von den Tieren lustvoll (ja, das geht aus dem Text unzweideutig hervor) erschlagen haben ...

Und in einer der Erzgebirgischen Dorfgeschichten beruht das 'junge Glück' am Ende darauf, daß totgeschwiegen, unter den Teppich gekehrt wird, daß der Vater seinen Sohn hat umbringen wollen ... Lebenslüge pur (daß es Leute gibt, die diese beiden letztgenannten Schlüsse tatsächlich positiv sehen, sei am Rande erwähnt ...)

So ist es mit den 'Happy ends' bei Hitchcock und May ...

("So dacht' ich. Nächstens [vielleicht] mehr.") :D
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Re: Hitchcock

Beitrag von giesbert » 27.7.2015, 16:48

Nebenbei: Das mit Abstand beste Hitchcock-Buch ist imho immer noch und immer wieder Truffauts Mammut-Interview mit ihm über alle seine Filme. Da unterhalten sich zwei Handwerker völlig unprätentiös über ihr Handwerk. Da lernt und erfährt man viel, über Hitchcock, seine Filme, Film überhaupt und auch ein wenig über Truffaut.
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Re: Hitchcock

Beitrag von rodger » 27.7.2015, 16:51

Habe ich gerade gelesen. Und nicht den Eindruck, Hitchcock erzähle da sozusagen 'vom Pferd', wie in anderen Büchern über ihn und dieses Buch zu lesen war.
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Re: Hitchcock

Beitrag von giesbert » 27.7.2015, 16:55

rodger hat geschrieben:Habe ich gerade gelesen. Und nicht den Eindruck, Hitchcock erzähle da sozusagen 'vom Pferd', wie in anderen Büchern über ihn und dieses Buch zu lesen war.
Wer behauptet denn so einen Blödsinn? Natürlich inszeniert sich Hitchcock, aber das gehört dazu 8-).
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Re: Hitchcock

Beitrag von rodger » 27.7.2015, 17:06

giesbert hat geschrieben: Wer behauptet denn so einen Blödsinn?
Das stand wenn ich mich recht entsinne (ist schon zurück zur Stadtbücherei) in dem Buch von Ronald M. Hahn und Rolf Giesen.

(Es gibt, ob es nun um May geht oder um Hitchcock oder sonstnochwen, auch unter den Wohlwollenden halt immer auch etwas oberflächlichere ...)

(Und wieder, May oder Hitchcock oder wer auch immer, beide Parteien haben ja irgendwie Recht, die die den Tiefsinn sehen und die die meinen man solle die Kirche im Dorf lassen ... Beides stimmt ... Also die die nur den Tiefsinn sehen oder nur die Simplizität irren. Die die beides sehen liegen richtig. :D )
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