Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Helmut Prodinger
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Helmut Prodinger » 3.6.2011, 20:56

Das las ich gestern bei Bulwer: Ist doch huebsch, oder?

Der eine muß dem andern in irgend etwas überlegen sein, und wenn ein Mensch dem andern überlegen ist, so hört die Demokratie auf und beginnt die Aristokratie.
Thomas Math
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Thomas Math » 3.6.2011, 22:39

Lieber Helmut ich halte Dich ganz und gar nicht fuer dumm oder borniert.
Missgeleitet vielleicht.
Wie wir allen wissen koennen auch die kluegsten Menschen den schlimmsten Irrglauben anhaengen leider sind meine psychologischen Kenntnisse zu begrenzt um das zu verstehen.

Das Zitat habe ich im Foren Kontext in dem es gebracht wurde schon richtig verstanden.
Thomas Math
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Thomas Math » 4.6.2011, 2:32

Ich habe langsam den Eindruck Herrn Schmidts Werk gleicht ein wenig der Bibel.
Für jeden Anlass findet man ein passendes Zitat.
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Dernen » 4.6.2011, 11:10

Thomas Math hat geschrieben:Ich habe langsam den Eindruck Herrn Schmidts Werk gleicht ein wenig der Bibel.
Für jeden Anlass findet man ein passendes Zitat.
Geht das nicht mit jedem Schriftsteller so, der ein bißchen mehr geschrieben hat? Karl May zum Beispiel? Aber kennst du ein bißchen was von Schmidt? (War übrigens u.a. ein hervorragender Übersetzer, u.a. auch von Cooper und Poe.) Mich hat der Mann zu Karl May zurückgebracht, nachdem ich nach der typischen Arroganz des jungen Hoch- und Schwerliteraturlesers mit ca. 25 anhand von Schmidts May-Texten gemerkt hatte, daß man sich mit dem sächsischen Märchenerzähler auch auf nicht-naive Weise beschäftigen kann. Überhaupt hat Schmidt quasi all das angestoßen, was man Karl-May-Forschung nennt. Alleine dafür sollte ihmdie KMG ein Denkmal setzen, wenn sie ihm endlich "Sitara" verziehen hat. Für mich immer noch das Allerkomischste, was jemals über May geschrieben wurde.
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giesbert
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von giesbert » 4.6.2011, 12:15

Thomas Math hat geschrieben:Wenn ich dann noch selbstgebrannten Methanol-Wodka trinken darf gehts mir richtig gut auf hoechstem kulturellen Niveau.
Nicht nötig, die Russen haben in Schmidts satirischer Dystopie längst rausbekommen, wie sie aus Mondgestein Schnaps brennen können. Sieg der rationalen Wissenschaft wohin man schaut.
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von giesbert » 4.6.2011, 12:17

Helmut Prodinger hat geschrieben:Sicher wird Dr Damaschke mit dieser links-rechts Diskussion keine rechte (!) Freude haben.
hat er auch nicht. Aber mei - mach einer was gegen die Kindsköpfe.
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Thomas Math » 4.6.2011, 18:01

Dernen hat geschrieben:
Thomas Math hat geschrieben:Ich habe langsam den Eindruck Herrn Schmidts Werk gleicht ein wenig der Bibel.
Für jeden Anlass findet man ein passendes Zitat.
Geht das nicht mit jedem Schriftsteller so, der ein bißchen mehr geschrieben hat? Karl May zum Beispiel? Aber kennst du ein bißchen was von Schmidt? (War übrigens u.a. ein hervorragender Übersetzer, u.a. auch von Cooper und Poe.) Mich hat der Mann zu Karl May zurückgebracht, nachdem ich nach der typischen Arroganz des jungen Hoch- und Schwerliteraturlesers mit ca. 25 anhand von Schmidts May-Texten gemerkt hatte, daß man sich mit dem sächsischen Märchenerzähler auch auf nicht-naive Weise beschäftigen kann. Überhaupt hat Schmidt quasi all das angestoßen, was man Karl-May-Forschung nennt. Alleine dafür sollte ihmdie KMG ein Denkmal setzen, wenn sie ihm endlich "Sitara" verziehen hat. Für mich immer noch das Allerkomischste, was jemals über May geschrieben wurde.
Nicht allen nur den guten denn wer will Unsinn zitieren.
Cooper und Poe habe ich im Original gelesen Übersetzungen kenne ich keine.
Wobei Cooper ausgesprochen langweilig sein kann.
Ist es nicht ein wenig vermessen zu glauben ein einziger noch dazu relativ unbekannter Schriftsteller haette die gesamte KM-Forschung angestoßen ?
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Thomas Math » 4.6.2011, 18:02

giesbert hat geschrieben:
Thomas Math hat geschrieben:Wenn ich dann noch selbstgebrannten Methanol-Wodka trinken darf gehts mir richtig gut auf hoechstem kulturellen Niveau.
Nicht nötig, die Russen haben in Schmidts satirischer Dystopie längst rausbekommen, wie sie aus Mondgestein Schnaps brennen können. Sieg der rationalen Wissenschaft wohin man schaut.
Dem saß der Schalk im Nacken.
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Thomas Math » 4.6.2011, 19:13

giesbert hat geschrieben:
Helmut Prodinger hat geschrieben:Sicher wird Dr Damaschke mit dieser links-rechts Diskussion keine rechte (!) Freude haben.
Aber mei - .
Jetzt dachte ich immer der Herr Damaschke waere Rheinlaender.
Ich habe eine Grossmutter aus Oberstaufen macht mich das auch zum Bayern ?
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von giesbert » 4.6.2011, 19:37

Thomas Math hat geschrieben:Jetzt dachte ich immer der Herr Damaschke waere Rheinlaender.
Geboren in Bergkamen, Nähe Dortmund (also NRW, nicht Rheinland, allerdings in Bonn studiert); seit mehr als 20 Jahren in München. Das färbt ab ;-)

http://www.damaschke.de/vita/vita.php
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Helmut Prodinger » 4.6.2011, 20:28

Ein einz'ger Mann haette die May-Forschung angestoszen? Nein.

Aber, wie bei Herrn Dernen, war es die Schmidt-Lektuere, die mich wieder zu May greifen liesz. Und es machte mich ganz unsinnig, dasz ich mich an keinen Sam Barth erinnern konnte, von der ehemaligen May-Lektuere. Da erkannte ich dann immer mehr, was "Bearbeitung" bedeutet.
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Helmut Prodinger » 4.6.2011, 21:16

Klar ist, dasz, wer kann, Cooper im Original lesen wird. Dennoch empfehle ich, Arno Schmidt's Uebersetzung der Littlepage-Trilogie zu versuchen.
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Dernen » 5.6.2011, 0:01

Thomas Math hat geschrieben: Ist es nicht ein wenig vermessen zu glauben ein einziger noch dazu relativ unbekannter Schriftsteller haette die gesamte KM-Forschung angestoßen ?
Nein, ist es nicht. Vor Schmidts May Essays, Rundfunkprogrammen etc. zu May gab es fast nur Geschwurbel. Schmidt lernte Wollschläger kennen, der damals beim KMV arbeitete, und so ergab sich eins zum anderen. Und so unbekannt war Schmidt nicht unter denen, die sich mit Literatur beschäftigten. Mir selbst damals allerdings schon. Und da stand ich mal wieder in der Buchhandlung, sah auf einem Taschenbuchrücken den Titel "Sitara und der Weg dorthin", dachte, Sitara, das kennste doch, kaufte das Buch, lachte mich bei der Lektüre halbtot, und der Rest ist Geschichte.

Hier noch ein spontan gefundenes schönes Schmidt-Zitat, das nix mit May zu tun hat:

"Schmetterlinge ! (Das muß auch ein deutsches Rindvieh gewesen sein, der für die paar Kleingaukler den Hammerschlag <Schmetter> erfinden konnte ! Wahrscheinlich n Wiederaufrüster.)"
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Thomas Math » 5.6.2011, 0:24

Gab es nicht KMJb von 1918 -1933 sogar eine Dr.Arbeit 1936 und andere Sekundärliteratur lange vor A.Schmidt ?
Und seien wir mal ehrlich nur weil jemand in Literatenkreisen bekannt ist bedeutet das nicht das in sonst wer kennt oder das er Einfluss ausserhalb dieser Kreise hätte.
Wenn man so die Verkaufszahlen(amazon)von AS zumindest heutzutage anschaut so firmiert sein Werk unter ferner ferner liefen.
Wobei ich die Zitate die hier hin und wieder eingestreut werden interessant finde und mehr und mehr glaube das diesem Mann wirklich der Schalk im Nacken sass.
Butterfliege ist übrigens nicht besser als Schmetterling.
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Dernen » 5.6.2011, 1:27

Thomas Math hat geschrieben:Gab es nicht KMJb von 1918 -1933 sogar eine Dr.Arbeit 1936 und andere Sekundärliteratur lange vor A.Schmidt ?
Und seien wir mal ehrlich nur weil jemand in Literatenkreisen bekannt ist bedeutet das nicht das in sonst wer kennt oder das er Einfluss ausserhalb dieser Kreise hätte.
Wenn man so die Verkaufszahlen(amazon)von AS zumindest heutzutage anschaut so firmiert sein Werk unter ferner ferner liefen.
Wobei ich die Zitate die hier hin und wieder eingestreut werden interessant finde und mehr und mehr glaube das diesem Mann wirklich der Schalk im Nacken sass.
Butterfliege ist übrigens nicht besser als Schmetterling.
Butter hat etwas Leichteres als Schmettern, finde ich. Und Verkaufszahlen? Ja, natürlich, daß das Dein Argument ist. Millionen essen bei McDonald's, daher ist das gutes Essen. Aber wer Einfluß in Literatenkreisen hat, kann einiges in Richtung Literaturforschung anregen. Die breite Masse interessiert sich für diese Themen sowieso nicht.

Und ja, es gab vereinzelt Sekundärliteratur über May, aber was für welche? Die alten Jahrbücher sind ein Sammelsurium von Kuriositäten, May-Anbetungen, Geschwätz von der Witwe und zugegebenermaßen vielleicht 20 vernünftigen Aufsätzen von Leuten wie Kandolf. Ansonsten Fanbekundungen à la "Wie mir Karl May die Angst vor dem Zahnarzt nahm" oder Konstruktionszeichnungen des erfundenen "Zaubergewehrs". Ach ja, es ist immerhin ein Verzeichnis seiner Bibliothek drin (nachdem die Alte alles entfernt hatte, was nicht ins Bild passte.) Putzige Bücher, ich liebe sie und habe sie mir für ein Schweinegeld antiquarisch gekauft. (Hat jemand den extrem raren 1920er Band billig abzugeben? Der fehlt mir noch. Wem nicht?) Aber schon allein daß sie vom (damals) allmächtigen KMV kamen, kann man sich vorstellen, wie kritsch die sein konnten bzw. durften. - Ja, und in der Tat eine Doktorarbeit. Eine. Schmidt war übrigens so ziemlich der erste, der auf die Bearbeitungsproblematik aufmerksam gemacht hat und die Herausgabe einer historisch-kritischen May-Ausgabe empfohl. Auch die Idee eines Figurenlexikons stammt von ihm.

Zum Schluß noch einer meiner Lieblingssätze von Schmidt:

"Sag mir, wohin Du gehst; und Ich geh, sofort, anders=rum !"
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