Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

markus
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Re: Postkarten Orient Reise

Beitrag von markus » 30.5.2011, 19:06

rodger hat geschrieben:Naja ... bedenklich ist das alles schon ... freilich ist der PC ein treffliches Überwachungsinstrument ... nur habe ich im Zeitalter der Handyortung usw. längst aufgegeben, mir in Sachen Datenschutz irgendwelche Illusionen zu machen oder mich irgendwelchen Träumereien hinzugeben ...
Eben. Das wollte ich auch damit sagen. Man müßte sich schon als Eremit in ein Loch buddeln um der Sache zu entgehen. Aber dann kommt der nächste Kabelnetzbetreiber oder die Telekom und schon ist man reif.

:wink:
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rodger
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Re: Postkarten Orient Reise

Beitrag von rodger » 30.5.2011, 19:09

Ich glaube es war in den Siebzigerjahren, da lief eine Fernsehserie, ich weiß nicht mehr wie sie hieß, da ging es auch um solche Sachen, Überwachung usw. ... Und da sagte einer in einer wesentlichen Szene er sei "ein freier Mensch" und erntete schallendes Gelächter ... mittlerweile sind wir schon ein paar Jahrzehnte weiter ...
Thomas Math
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Re: Postkarten Orient Reise

Beitrag von Thomas Math » 30.5.2011, 19:26

Kleine unabhängige Buchhandlungen kenne ich gar nicht dabei würde ich gerne angesprochen werden und für Expertise auch mehr bezahlen.
Ich gehe zu Barnes und Nobel wenn ich lesen und Kaffeetrinken will manchmal nehme ich auch das eine oder andere Buch mit aber meist hole ich mir nur Ideen was ich denn auf mein Kindle runterladen könnte.Wenn ich tatsächlich ein "echtes"Buch brauche,wobei das heutzutage kaum mehr der Fall ist bestelle ich es bei Amazon Marketplace da gibt es neuwertige Bücher zu Minimalpreisen mit Standardversandkosten von $2.96.
Amazon hat einen exzellenten Customerservice und wenn ich gelegentlich mal eine Email mit Empfehlungen bekomme ist kein Problem.
Wovor sollte ich auch Angst haben,ich habe nichts zu verbergen.
Was mich in Deutschland gestört hat ist diese unsägliche Buchpreisbindung,die scheint noch aus dem sozialistischen Orkus der Geschichte zu stammen.
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Re: Postkarten Orient Reise

Beitrag von Dernen » 30.5.2011, 21:38

Thomas Math hat geschrieben:Kleine unabhängige Buchhandlungen kenne ich gar nicht dabei würde ich gerne angesprochen werden und für Expertise auch mehr bezahlen.
Ich gehe zu Barnes und Nobel wenn ich lesen und Kaffeetrinken will manchmal nehme ich auch das eine oder andere Buch mit aber meist hole ich mir nur Ideen was ich denn auf mein Kindle runterladen könnte.Wenn ich tatsächlich ein "echtes"Buch brauche,wobei das heutzutage kaum mehr der Fall ist bestelle ich es bei Amazon Marketplace da gibt es neuwertige Bücher zu Minimalpreisen mit Standardversandkosten von $2.96.
Amazon hat einen exzellenten Customerservice und wenn ich gelegentlich mal eine Email mit Empfehlungen bekomme ist kein Problem.
Wovor sollte ich auch Angst haben,ich habe nichts zu verbergen.
Was mich in Deutschland gestört hat ist diese unsägliche Buchpreisbindung,die scheint noch aus dem sozialistischen Orkus der Geschichte zu stammen.
Die Buchpreisbindung soll, so zumindest ihre Verfechter, den kleinen Buchhandlungen zu gute kommen. Daß ohne sie die Bücher ach so billig werden würden, dürfte wiederum dem kapitalistischen Orkus entstammen. Tun sie nämlich nicht in Ländern ohne Preisbindung.
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Abu Seif
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Re: Postkarten Orient Reise

Beitrag von Abu Seif » 30.5.2011, 21:58

bei amazon, thalia kaufe ich aus prinzip nicht, ich hätte es auch gerne direkt in hohenstein oder in radebeul geholt, aber ich vermute das sie da noch den alten preis aufrufen..

übrigens der grund dafür ist, das ich diese oneworldmultis auch für sozialistisch halte, zumindestens die unsäglichen thalia mit ihrem gleichmachenden massenbuchprogramm und den unfähigen personal dahinter,
ein kleiner gut sortierter buchladen mit freundlichen personal ist mir wichtiger wie der kostenlose kaffee den sie ja nur haben können, weil sie miese löhne zahlen und die verlage erpressen.
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Re: Postkarten Orient Reise

Beitrag von Thomas Math » 30.5.2011, 23:55

Thalia oder wie auch immer kenne ich nicht nehme aber mal an das B&N vergleichbar ist.
Mit staatlicher Preiskontrolle ein Produkt vorm Wettbewerb zu schuetzen ist mir zutiefst zuwider im übrigen sind Preise die man hier für Bücher bezahlt geringer als in Deutschland auch weil hier niemand den geforderten Preis bezahlt sondern es alle möglichen Rabatte gibt (es lebe der Konkurrenzkampf).
Wie gesagt ich persönlich liesse mich gerne beraten und zahlte dafür auch mehr aber im Grunde weiss ich recht gut was ich will und kaufe es dann gerne am billigsten.
Hier gibt es kaum unabhängige Buchhändler und trotzdem bekomme ich jedes noch so rare Buch.Dank amazon auch fremdsprachige Bücher.
Wer sich am Markt nicht durchsetzen kann muss eben untergehen da soll es dem Buchhänder nicht anders gehen wie dem Tuchfabrikanten.
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Re: Postkarten Orient Reise

Beitrag von Helmut » 31.5.2011, 17:13

Ohne Buchpreisbindung würde man hier in Deutschland auch nur noch den "Einheits-"Brei der diversen Bestsellerlisten rauf und runter zu erschwinglichen Preisen (oder vielleicht darunter) bekommen.
Aber diese (auch wieder sozialistische) Diskussion will ich jetzt nicht auch noch lostreten.

Helmut
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Re: Postkarten Orient Reise

Beitrag von Abu Seif » 31.5.2011, 17:14

Helmut hat geschrieben:Ohne Buchpreisbindung würde man hier in Deutschland auch nur noch den "Einheits-"Brei der diversen Bestsellerlisten rauf und runter zu erschwinglichen Preisen (oder vielleicht darunter) bekommen.
Aber diese (auch wieder sozialistische) Diskussion will ich jetzt nicht auch noch lostreten.

Helmut
sehr richtig
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Re: Postkarten Orient Reise

Beitrag von Thomas Math » 31.5.2011, 17:49

Abu Seif hat geschrieben:
Helmut hat geschrieben:Ohne Buchpreisbindung würde man hier in Deutschland auch nur noch den "Einheits-"Brei der diversen Bestsellerlisten rauf und runter zu erschwinglichen Preisen (oder vielleicht darunter) bekommen.
Aber diese (auch wieder sozialistische) Diskussion will ich jetzt nicht auch noch lostreten.

Helmut
sehr richtig
Das ist natürlich Unsinn,da ich wie gesagt jedes erdenkliche Buch bei Amazon bestellen kann dazu noch meist am billigsten.
Das Sortiment eines kleinen Ladenbuchhandels muss zwangsläufig begrenzt sein.
Wenn nur immer dieselben Bestseller angeboten werden liegt das daran,dass eben nur die gekauft werden.Man könnte via Buchpreisbindung das ach so dumme Volk zu besserem Leseverhalten zwingen ist gleichermassen Unsinn.
Ja ja der Staat hat immer recht von der Wiege bis zur Bahre nicht wahr Helmut.
Wer das nicht einsieht muss eben zu seinem Glück gezwungen werden.
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Helmut » 31.5.2011, 18:51

Das habe ich doch befürchtet, dass man dabei wieder mal bei dem dummen Geschwätz von vorgestern landen; aber ich habe einfach dazu nun wirklich keine Lust mehr (wie bei den gefühlten 250 mal vorher).

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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Abu Seif » 31.5.2011, 21:28

Die Masse kauft halt das was angepriesen wird, die riesen Taschenbuchtürmchen zum Sonderpreis.
Geh in eine dieser Massenbuchhandlungen (Thalia) und frage da mal nach einem schönem Jugendbuch, nicht in 100 Jahren wirst du mal den May oder einen anderen Klassiker empfohlen bekommen, die müssen ihre georderten Massenchargen absetzten und diese werden dann auch gezielt beworben.
So schaffen die künstliche Bestseller, der Markt wird doch schon lange nicht von Angebot, Nachfrage und Qualität bestimmt. Kaufverhalten wird gezielt beeinflusst das ist in der Literatur wie in der Musikindustrie das gleiche. Und wenn man mal paar 1000 Stück selber kauft nur um gelistet zu werden. Die Buchpreisbindung ist ein Versuch kleine Verlage und Autoren zu schützen und sollte bis zum letzten verteidigt werden.
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Franz Schmerl » 31.5.2011, 22:05

Abu Seif hat geschrieben:Die Buchpreisbindung ist ein Versuch kleine Verlage und Autoren zu schützen und sollte bis zum letzten verteidigt werden.
Was letzteres betrifft, bin ich absolut Ihrer Meinung. Die Buchpreisbindung gibt aber nicht nur kleineren, sondern Verlagen jeder Größe die Möglichkeit, über den Überschuss, den gut laufende Bücher erwirtschaften, andere Titel quer zu finanzieren und damit eine Vielfalt auf dem Buchmarkt zu ermöglichen, von denen Länder ohne Buchpreisbindung nur träumen können.
Hinzu kommt aber - und das steht damit im unmittelbaren Zusammenhang - das Zusammenspiel von Verlagen, Barsortimenten und Buchhändlern. Onlinehändler wie amazon, aber auch große Ladenketten wie Thalia oder Hugendubel sind faktisch beides (Barsortimente UND Händler), und ihre marktbeherrschende Stellung nutzen sie, indem sie insbesondere auf kleinere und mittlere Verlage massiven Preisdruck im Einkauf ausüben. Ich meine mich zu erinnern, dass vor einigen Jahren amazon.de seine marktberherrschende Stellung genutzt und die Bücher des Diogenes-Verlages über einen längeren Zeitraum aus dem Lagersortiment genommen hat, um den Verlag dadurch zu zwingen, höhere Preisnachlässe zu gewähren. Erst nachdem der SPIEGEL darüber ausführlich berichtet hatte, tauchten die Diogenes-Bücher wieder im amazon-Sortiment auf. Die Buchpreisbindung ist das einzig wirksame Mittel, um diese marktbeherrschende Stellung einzelner Anbieter halbwegs im Zaum zu halten. Wobei die Zunahme von ebooks (die prinzipiell auch der Buchpreisbindung unterliegen) amazon beim Unterlaufen dieses Modells sehr gelegen kommt: Da der Kindle ein proprietäres Dateiformat nutzt, das nur amazon verkauft, gleichzeitig aber andere ebook-Dateiformate wie EPUB oder mobipocket auf dem Kindle nicht wiedergeben werden können, werden Kindle-Nutzer zwangsweise an amazon geknebelt. Jetzt kann man natürlich argumentieren: Zwingt mich ja keiner, einen Kindle zu kaufen, gibt ja auch haufenweise andere ebook-Lesegräte. Das stimmt natürlich, aber: Erstens drückt amazon seinen Kindle derzeit mit einem Dumpingpreis in den Markt, und längst nicht alle Kunden werden sich darüber im Klaren sein, dass sie damit beim ebook-Kauf exklusiv an amazon gebunden sind, und zweitens wird amazon alles daran setzen, die Verlage dazu zu zwingen, die digitalen Versionen ihrer Bücher nur noch im .azw-Format anzubieten. Also letztlich die gleiche Entwicklung, wie wir sie im Musikbereich mit Apples iTunes-Store erlebt haben.
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Thomas Math » 1.6.2011, 2:09

Kindle finde ich ausgesprochen bequem kann ich doch so mehrere Buecher gleichzeitig mit herumtragen, wobei meine Tochter ein nook ,meine Frau einen IPad und meine Schwiegermutter einen Sony e-reader haben,das mein kindle mich nur Buecher von amazon runterladen laesst war mir klar und fand ich auch voellig ok vor kurzem lud ich die Orienterzaehlungen fuer ganze $ 6 runter und alle Werke Fontanes fuer $ 4.
Mit dem gleichen Argument,das Herr Schmerl anfuehrt,koennte man auch eine Lebensmittel,Fahrzeug oder gar eine Preisbindung von Energiekosten und Mieten rechtfertigen.Und schwub die wupp landen wir im real existierenden Sozialismus.

Was die ach so boesen Monopole angeht so habe ich die Auswahl bei mindestens 8 online Haendlern ein bestimmtes Buch zu bestehlen,amazon ist einfach meist guenstiger.
Was fuer mich als Konsumer ein wichtiges Argument ist.
Wieso soll ich mehr bezahlen als der Markt hergibt ?Eine Preisbindung verhindert Wettbewerb und der Konsumer zahlt letzlich die Zeche.
Wenn kleine Verlage nicht wettbewerbsfaehig sind muessen sie eben untergehen warum soll es der Buchbranche besser gehen als allen anderen ?
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Franz Schmerl » 1.6.2011, 8:18

Der Wettbewerb findet durchaus statt, denn der für alle Verkäufer verbindliche Verkaufspreis wird in Deutschland ja nicht (wie Herr Math offensichtlich vermutet) vom Gesetzgeber vorgeschrieben oder vom großen "Volkskongress der Buchhändler" festgelegt, sondern vom Verlag selbst. Ob dieser dann bereit ist, über die gesetzlich vorgeschriebenen Buchhändlerrabatte hinaus Preisnachlässe für die Barsortimente und/oder den Einzelhandel zu gewähren, liegt ganz in seinem eigenen Ermessen.
Wenn eine Buchpreisbindung den von mir in meinem vorhergehenden Posting beschriebenen Effekt hat, also ein größeres Angebot, Möglichkeiten auch kleine und kleinste Nischen zu bedienen, für die ich mich vielleicht selbst nicht interessiere, die aber grundsätzlich eine entsprechend größere kulturelle und intellektuelle Vielfalt ermöglichen, bin ich als Käufer gern bereit, über mein Eigeninteresse hinaus zu denken und deshalb auch etwas mehr für meine Mainstreambücher zu bezahlen.
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Re: Amazon, der Buchhandel und die Preisbindung

Beitrag von Abu Seif » 1.6.2011, 9:48

Thomas Math hat geschrieben: Wenn kleine Verlage nicht wettbewerbsfaehig sind muessen sie eben untergehen warum soll es der Buchbranche besser gehen als allen anderen ?
mit dieser Argumentation kann man auch gleich jeglichen Kulturbetrieb einstellen, wenn Masse entscheidet (oder entschieden wird) dann kommt die Gleichmacherei dass ist Sozialismus. Siehe das immer dämlichere TV Programm.
Kultur muss staatlich geschützt werden, ist mir aber klar das man das in Staaten fast ohne Kultur, wie den USA für kommunistisch hält. Dafür sind wir halt das Alte Europa.
Wenn man gezielt kauft um Kultur zu schützen dann ist das auch eine Marktentscheidung und alles andere als sozialistisch.
Antworten
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