Hermann Hesse

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rodger
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 29.2.2012, 20:06

So bewußtlos, dumm, unerfreulichen Anblicks usw. werden sie auch damals schon gewesen sein ... ("als aber Jesus das Volk sah, stieg er auf einen Berg" ...) vielleicht nicht ganz so verrücktgemacht / reizüberflutet wie heutzutage ...

Es verändert sich auch die Wahrnehmung, wenn man bewußt ist und älter wird ...
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von Hermine » 29.2.2012, 20:22

rodger hat geschrieben:So bewußtlos, dumm, unerfreulichen Anblicks usw. werden sie auch damals schon gewesen sein ... ("als aber Jesus das Volk sah, stieg er auf einen Berg" ...) vielleicht nicht ganz so verrücktgemacht / reizüberflutet wie heutzutage ...

Es verändert sich auch die Wahrnehmung, wenn man bewußt ist und älter wird ...
...... dazu fällt mir der Ausspruch eines anderen (mir lieben) Schriftstellers ein:

"Einen Grabstein für den ganzen Schlamassel und darauf gehört die Inschrift: Menschheit, du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu." (Charles Bukowski)

... mit dem Älterwerden allein hat das denke ich nicht so viel zu tun .... eher mit dem "bewußt werden"
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rodger
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 29.2.2012, 20:23

Doch, auch mit dem Älterwerden. Bewußt war ich schon mit 18.

:lol:
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 29.2.2012, 20:26

Ich hab' mal in meinem Gedächtnis gekramt ob mir Stellen einfallen in Sachen Gesellschaftswahrnehmung seitens Karl May, da hätten wir z.B.

Für einen oberflächlichen Beobachter konnte es leicht sein, die Gesellschaft eine glänzende zu nennen; leider aber besaß ich scharfe Augen. Mir fiel der viele Puder auf, das stumpfe Schwarz der Augenbrauen und Stirnlöckchen, welches auf die Anwendung gewisser Färbemittel schließen ließ. Ich sah die zierlichsten Füßchen mit Schuhen Nummer Null; aber an diesen Schuhen war irgend eine Naht geplatzt oder die Sohle klaffte los. Zarte Damenhände mit schwarzgeränderten Fingernägeln, rauschende Seide mit Brüchen und die Säume ausgefranst, falsche Steine in kunstvoller Fassung - und wie die Kleidung, der Putz, so war auch alles andere darauf berechnet, das Auge, das Ohr, die Sinne zu bestechen; Echtheit aber fand ich nicht.

um 1890 ... (Am Rio de la Plata)

(Neureichs in Sachsen, nach Südamerika transponiert)
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von Hermine » 29.2.2012, 20:27

rodger hat geschrieben:Doch, auch mit dem Älterwerden. Bewußt war ich schon mit 18.

:lol:
..... können wir uns auf "erfahrener" einigen??

:wink:
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 29.2.2012, 20:29

In Sachen Älterwerden kommst Du mir nicht davon ...

:D
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 29.2.2012, 20:33

und noch eine Portion Text

Das war ein Schlürfen und Schmatzen, fast wie an einer feinen Hoteltafel, wenn die Suppe serviert worden ist und kein Mensch auf den Ekel und Abscheu seines Nachbars Rücksicht nimmt. Bär bleibt eben Bär, im kurdischen Hochgebirge und an der Table d'hÔte in Cannes, Baden-Baden oder Scheveningen!

(Im Lande des Mahdi III)
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von Hermine » 29.2.2012, 20:42

Dies ist ja ein Hesse-Thread und da hab ich eine schöne Stelle im DEMIAN zu "bewußt werden" gefunden:

"Es ist ein großer Unterschied, ob sie bloß die Welt in sich tragen, oder ob sie das auch wissen (…) wenn der erste Funke dieser Erkenntnis dämmert, dann wird er Mensch. Sie werden doch wohl nicht alle die Zweibeiner, die da auf der Straße laufen, für Menschen halten, bloß weil sie aufrecht gehen und ihre Jungen neun Monate tragen? Sie sehen doch, wie viele von ihnen Fische oder Schafe, Würmer oder Egel sind, wie viele Ameisen, wie viele Bienen! Nun, in jedem von ihnen sind die Möglichkeiten zum Menschen da, aber erst, indem er sie ahnt, indem er sie teilweise sogar bewußt machen lernt, gehören diese Möglichkeiten ihm. "

...... und was das Älterwerden anbelangt: ja, mein Sohn!
:mrgreen:
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 29.2.2012, 20:53

Die Sache mit den Fischen usw. ist vermutlich eine dieser Stellen, aufgrund der mein sehr spezieller Freund (den hab' ich noch nicht verarbeitet ... :mrgreen:) seinerzeit schrieb Hesse müsse er sich verbitten; so sozialunverträglich menschenverachtend ... im "Steppenwolf" heißt es an einer Stelle noch krasser "Sie sind Material, weiter nichts". Das ist hart, ja.

Nur verachtet einer die Menschen ja nicht zwangsläufig weil er bösartig o.ä. ist sondern weil er Anlaß dazu zu haben glaubt ...
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von Hermine » 29.2.2012, 20:57

rodger hat geschrieben:Nur verachtet einer die Menschen ja nicht zwangsläufig weil er bösartig o.ä. ist sondern weil er Anlaß dazu zu haben glaubt ...
*grins* dazu fällt mir unser "Freund" Wollschläger ein:

"......und habe mich wirklich nur zögernd und unter dem vollen Druck meiner Einsichten dazu entschlossen, die Menschheit nur noch in begründeten Einzelfällen zu lieben."

Jetzt krieg ich wahrscheinlich auch bald eins hinter die Ohren .... von wegen ich kann nur zitieren

:wink:
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 29.2.2012, 22:21

Du nicht, Du bist eine Frau ...

:D

(Herzliche Grüße nach L.)

Ja der Hans, der kanns. In Sachen Thielicke, 68er usw. fiel mir ja auch noch ein (späteres ...) Zitat von ihm ein, das wollte ich ja noch bringen ... (später)
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 1.3.2012, 8:00

Hermine hat geschrieben:mein Sohn!
Nicht gleich übertreiben ... Zu meiner persönlichen Marah Durimeh ernenn' ich Dich nicht, das schlag' Dir aus dem Kopf ... :mrgreen: Ich könnte ja selber schon den Tartarteller mit Salat, äh, pardon, den Tatellah-Satah spielen ... (in einer Verfilmung von Doris Dörrie. Die macht ja jetzt auf ernsthaft.)

:D
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von Hermine » 1.3.2012, 12:28

rodger hat geschrieben: ... in einer Verfilmung von Doris Dörrie. Die macht ja jetzt auf ernsthaft. :D
Ach was ?!
:mrgreen:
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von markus » 1.3.2012, 16:51

rodger hat geschrieben:Deshalb (er hat das auch gesehen, das war damals schon so ...) gibt es übrigens bei Karl May so Leute wie Sam Hawkens oder [den frühen] Hadschi Halef Omar, arm, äußerlich "abgerissen", aber unbezahlbar ...

Deshalb sind bei ihm die Apachen vorbildlich, oder die Ateibeh, oder die "Teufelsanbeter" ... Deshalb.
Das hast du ganz richtig erkannt.

:)
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 14.4.2012, 9:48

Von Gunnar Decker ist

Hermann Hesse. Der Wanderer und sein Schatten

erschienen, und nach erstem ca. halbstündigen Blättern in der Buchhandlung habe ich einen sehr guten Eindruck. Nächstes Mal nehm' ich's mit.

Maybezüge finden sich auch (auf die Schnelle aus dem Ärmel),

hinten im Namensregister taucht er auf, Nachschauen auf der entsprechenden Seite bringt indes nur den aparten Vergleich, Hesse habe über Paris in etwa so geschrieben wie Karl May über Kurdistan. (Gemeint ist in etwa beide waren nie dort und entsprechend klischeehaft fiel das Ergebnis ihrer Schilderung [teilweise] aus.)

Und dann heißt es einmal (sinngemäß) irgendwo im Buch, Hesse hätte auch in der Illegalität landen können, habe das Zeug zum Verbrecher gehabt, es sei immer eine Art Gratwanderung gewesen bei ihm, noch als alter Feuermacher im heimischen Garten sei der latente Hang da gewesen, mehr anzuzünden als Sträucher u.ä. ...

Dazu fielen mir freilich sofort Figuren wie Abu Seif, der Sendador u.a. ein, denen man [in ihrer Schilderung] anmerkt, daß unser Autor eine mehr oder weniger klammheimliche Sympathie für sie hegt, daß sie eine gewisse Faszination auf ihn ausüben ... (wenngleich er sich für Leser & Verleger freilich bemüht, das so weit zu kaschieren, daß es auch wiederum nicht allzusehr auffällt ...)

Daß ich den "geborenen Verbrecher" des Lebius insofern gar nicht für so aufregenswert halte, schrieb ich schon mal, man muß halt solche Formulierungen nicht eindimensional negativ 'besetzen' ... Vergleichbar so wie Bloch mit seinem "Proleten" Recht hat, auch darüber haben sich Leute schon geärgert, es ist aber halt schon so ...
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