Hermann Hesse

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rodger
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 10.6.2012, 17:48

Hermine hat geschrieben:wodurch werden wir denn wir selbst? Werden wir nicht alle geprägt von Erziehung, Kindheitserlebnissen und emotionalen Erfahrungen?
Freilich. Aussen & innen sind ja eh nicht wirklich zu trennen.
Die Befreiung aus solchen Verstrickungen ist äußerst heikel und schwierig … und den meisten gelingt es bis an ihr Lebensende überhaupt nicht.

Übung macht den Meister ... 8)
Meist brechen sie aus diesen Kreisläufen in Form von schwerster Krankheit aus, in Form von Zusammenbrüchen (Burn out), Drogensucht, Alkoholismus oder eben Suizid.
Nüchtern betrachtet: Fehlverhalten ... 8)
Hesse zeigt sich auch in diesem Buch in den beiden Charakteren Hans und Heilner wieder.
Darauf weist auch Volker Michels im Nachwort zur Urfassung hin (diese Urfassung steht tatsächlich nur in einem separaten Büchlein und nicht innerhalb der Gesamtausgabe. Das ist m.E. wirklich schlecht ...). Ich dachte umgehend auch wieder an Carpio und Sappho. Dieses Thema der Überwindung des einen zugunsten des anderen kommt ja öfter vor bei Hesse, sehr deutlich in der "Morgenlandfahrt", in der am Schluss innerhalb einer Doppelfigur ein Fließen von der einen in die anderen Hälfte zu sehen ist ...
Naja, man kann es auch so sehen, dass er sich Mut angetrunken hat, um diesen letzten Schritt zu gehen, der für ihn in seiner Verzweiflung der einzig noch gangbare war.
So klar ist es aber wie gesagt nicht ... er kann auch ins Wasser gefallen sein. Das wird nicht geklärt und ist ja eigentlich auch unwesentlich. Sein Leben ist halt um an der Stelle ...
Auch in der heutigen Zeit [...] ist es immer noch aktuell.
Freilich. Die Feinfühligen & Bewußteren unter den Dumpfbirnen, das war und ist so und wird immer so bleiben ... Die Erscheinungsformen ändern sich, nicht die Themen und Problematiken. Man muß halt lernen nicht zu leiden unter diesen [und anderen] Dingen. Steht auch bei Hemingway, wer leidet, paßt nicht in dieses Klima ... 8)
Hermine
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von Hermine » 20.6.2012, 12:18

Es gibt wieder was neues an der Hesse-Front:

»Ich gehorche nicht und werde nicht gehorchen!«: Briefe 1881-1904

Der Titel gefällt mir :mrgreen:

Kurzbeschreibung (bei Amazon)
"Diese Sammlung von Hermann Hesses fulminanten Jugendbriefen überliefert den ebenso dramatischen wie spannenden Hindernislauf eines begabten, für die theologische Laufbahn bestimmten Missionarssohns, der sich bereits im Alter von zwölf Jahren in den Kopf gesetzt hatte, »entweder ein Dichter oder gar nichts« werden zu wollen. Nach einer teils in Calw, teils in Basel verbrachten Kindheit beginnt er sich den Plänen der Eltern zu widersetzen, flieht aus dem Theologischen Seminar, versucht sich das Leben zu nehmen, wird in eine Anstalt für Schwachsinnige und Epileptische eingewiesen und verläßt mit Sekundareife das Gymnasium, bis endlich nach Umwegen sein Traum, ein Dichter zu werden, in Reichweite rückt. Erste Veröffentlichungen wecken das Interesse bedeutender Verleger wie Samuel Fischer, der mit Hesses Romandebüt »Peter Camenzind« seinen nach Thomas Manns »Buddenbrooks« damals größten Erfolg erzielte. Nach jahrelangem Aufbegehren und einem energisch verfolgten, autodidaktischen Literaturstudium, das diese Briefe gleichfalls dokumentieren, sind schließlich die Weichen gestellt für den Werdegang eines der einflußreichsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Selten kann so anschaulich wie in den mehr als 200 Schreiben dieses Bandes ein schließlich geglückter Emanzipationsvorgang auf so bewegende Weise dargestellt werden wie am Beispiel der Jugendgeschichte Hermann Hesses."
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rodger
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 20.6.2012, 13:40

Liebe Hermine Charlotte Plurabelle,

(jetzt tu‘ ich schon wieder so als hätt‘ ich Joyce gelesen, hab‘ ich gar nicht ...) :lol:

schön mal wieder von Dir zu hören in Sachen Hesse; die Foren sterben ja offenbar allmählich einigermaßen ab, und das ist vermutlich auch gut so, aber mit ein paar anderen „Zerquetschten“ (!) sich über Hesse o.ä. auszutauschen, ist denn doch noch mal ganz nett ... Und den einen oder anderen Maybezug kriege ich bestimmt auch halbwegs elegant eingebaut, damit der Damaschke oder wer sonst noch nicht wieder meckert ... :D

Der von Dir erwähnte Briefband ist möglicherweise oder auch vermutlich (was weiß ich ...) der erste einer seitens Volker Michels geplanten großen Ausgabe von Hesses Briefen. Da gab es schon andere Ausgaben, und sie werden mit der Zeit immer umfangreicher ... Ich habe kürzlich die von 1964 erstanden, in einem Band, für fünf Taler in einem Antiquariat, bestens erhalten ... und liebäugele mit der vierbändigen Ausgabe, die kostet indes der Taler hundertfünfzig bzw. gebraucht in gutem Zustand an die hundert, aber watt mutt datt mutt, bekanntlich. Dieses neue Projekt von Michels ist nun noch umfangreicher, irgendwo in einem begleitenden Text zur vierbändigen Ausgabe heißt es, diese beinhalte vielleicht ein Zehntel der von Hesse geschriebenen Briefe ... Es lohnt sich aber; bei der oben erwähnten einbändigen Ausgabe handelt es sich teilweise um wahre Juwelen, bei deren Lektüre mir wieder das Wort „beglückend“ in den Sinn kam, ich neige eigentlich nicht [mehr] zu Pathetik und gehe mit besagter Formulierung in Bezug auf Lektüre durchaus sparsam um, habe sie meines Wissens vorher erst zweimal benutzt, einmal in Bezug auf Wollschläger und das andere mal wiederum in Sachen Hesse, und zwar eine Passage in seinen Betrachtungen zu Dostojewskis „Idiot“ betreffend. Man verzeihe mir diese Abschweifung, welche vielleicht Entschuldigung findet, weil sie aus dem Herzen kam, Zitat Karl May, da haben wir ihn schon. [Wenn nun einer nachguckt und dann behauptet, das sei falsch zitiert, da dort „Doch weg von“ steht und nicht „Man verzeihe mir“: das Zitat beginnt halt mitten im Satz ... 8) ]

Diese im Buchtitel sich spiegelnde Trotz-Attitüde des frühen Hesse, die Dir so zu gefallen scheint :D , hat er später durchaus aufgegeben. Da fällt mir ein, daß ich die Passage mit den abgelegten Gewehren in Silberlöwe IV auf meiner Internetseite seinerzeit mit „Wachstum“ überschrieben habe. Schon wieder Karl May, wer sagt’s denn, aber die Querverbindungen sind ja auch überall, man muß sie nur sehen.

Mit besten Grüßen

August Piesepampel

(einem Buchtitel Knut Hamsuns, mit dem ich mich derzeit einigermaßen kräftig beschäftige, nachempfunden)

:D
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von Hermine » 20.6.2012, 14:21

rodger hat geschrieben:Liebe Hermine Charlotte Plurabelle,

(jetzt tu‘ ich schon wieder so als hätt‘ ich Joyce gelesen, hab‘ ich gar nicht ...) :lol:

:D
.... wahrscheinlich hast Du aber Hans Wolfschläger (neinnein, ich bin jetzt nicht bekloppt - das steht wirklich so bei Suhrkamp) gelesen - wobei wir schon wieder einen May-Bezug haben .....

:wink:

"Als "Finnegans Wake" 1939 erschienen ist, da haben wir uns in Irland zusammengesetzt, wir waren so fünfzehn oder sechzehn Leute, die mehrere Sprachen beherrschten – zusammen konnten wir 25 verschiedene Sprachen – um Finnegans Wake zu lesen. In dem Buch sollen ja hundert verschiedene Sprachen verwendet worden sein...... "(Ernst von Glasersfeld)

..... ist zwar etwas profaner, aber mir fällt dazu schon wieder der sächsische Schwadronierer ein .... *grins*
rodger hat geschrieben: Diese im Buchtitel sich spiegelnde Trotz-Attitüde des frühen Hesse, die Dir so zu gefallen scheint :D , hat er später durchaus aufgegeben. :D
... ich noch nicht - drum gfallts mir ja so .... :mrgreen:
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von markus » 20.6.2012, 14:34

rodger hat geschrieben:...die Foren sterben ja offenbar allmählich einigermaßen ab...
...wenn in einem Karl-May-Forum Karl May kaum noch vor kommt, muß man sich nicht wundern...

:P
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 20.6.2012, 14:36

Das sagt der Richtige ...

Wann genau war nochmal Karl May in Krefeld Straßenbahn gefahren ?

:D

(Hesse war übrigens meines Wissens auch nicht in Krefeld. Obwohl's da schön ist. Uerdingen, Botanischer Garten, Burg Linn ...)

:D
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 20.6.2012, 14:42


Hans Wolfschläger
Dann schon Wolffschläger, bitt'schön ...

(Aber vielleicht war's ja just so gemeint und die Schreibweise mit nur einem f verschleiernde Dezenz ...)

:mrgreen:
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 28.6.2012, 17:20

Der von Dir erwähnte Briefband ist möglicherweise oder auch vermutlich (was weiß ich ...) der erste einer seitens Volker Michels geplanten großen Ausgabe von Hesses Briefen. Da gab es schon andere Ausgaben, und sie werden mit der Zeit immer umfangreicher ...
Volker Michels (im Vorwort zu besagtem neuen Band, [teilweise] nachzulesen auf der Internetpräsenz von Suhrkamp) hat geschrieben: die mit diesem Band einsetzende zehnbändige Briefausgabe
Aha. Richtig gemutmaßt.

8)
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 2.7.2012, 17:30

Pro Jahr soll ein weiterer Band erscheinen, so daß diese neue Briefedition 2021 abgeschlossen sein wird bzw. soll.

(Da muß dann zur Überbrückung zwischenzeitlich ggf. doch die vierbändige Ausgabe her ...)
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 17.6.2016, 12:59

Bau-Unglücke belegen Niedergang der deutschen Ingenieurskunst

Der Brückeneinsturz in Bayern ist nur eins von vielen Desastern auf Großbaustellen. Ob kollabierende Archive oder Brösel-Autobahnen: Richter sprechen von "Schlamperei, Ignoranz und Skrupellosigkeit".
(aus Welt Online vom 17.6.16)

Man weiß oder ahnt: wenn das Denken nicht rein und wach und die Verehrung des Geistes nicht mehr gültig ist, dann gehen bald auch die Schiffe und Automobile nicht mehr richtig, dann wackelt für den Rechenschieber des Ingenieurs wie für die Mathematik der Bank und Börse alle Gültigkeit und Autorität, dann kommt das Chaos.
(aus "Das Glasperlenspiel")
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von giesbert » 30.12.2016, 17:05

Alice Schmidt, Tagebuch 1956, Eintrag vom 28. Mai hat geschrieben:A[rno]: ich bin kein Lump, ich will tatsächlich Mays bestes und verehre ihn sehr. Ganz Dir privat gesagt, rangiere ich ihn in seinen 4 Bänden soger neben den Nobelpreisträger Hermann Hesse!
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 30.12.2016, 17:09

Eben, "He loved him", Hans Wollschäger brachte es auf den Punkt. Das eine schließt eben das andere nicht aus. Auch wenn das einige nicht kapieren.
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 30.12.2016, 17:13

Wem das "He loved him" nichts sagt, es wurde hier im Forum schon 12 x zitiert ... :D (verrät die Suchfunktion)
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von giesbert » 30.12.2016, 18:36

… Karl May, dem lebenslang in sich gefühlten und beschriebenen Alter Ego …
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Re: Hermann Hesse

Beitrag von rodger » 30.12.2016, 18:46

Yeeaaah ...

(Du Retter der Menschheit ... :D )

(Immer wenn Du denkst es geht [mit den Menschen] nicht mehr
kommt von irgendwo ein Lichtlein, und sei es in Gestalt [bzw. Form eines Forenbeitrags] von Giesbert, her)

:D
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