Latte Igel gab's nicht zu sehen.

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rodger
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Latte Igel gab's nicht zu sehen.

Beitrag von rodger » 5.1.2020, 18:28

Heute war ich mal wieder im Kino. Ich gehe schätzungsweise maximal 1 x pro Jahr ... zuletzt war ich in 'Jim Knopf', glaub' ich.
"Latte Igel und der Wasserstein" war eines der in Erinnerung gebliebenen Leseerlebnisse meiner Kindheit, daher interessierte mich, wie die Verfilmung wohl ausfallen werde. Das Buch habe ich mehrmals gelesen.
Zunächst dachte ich, ich hätte mich vielleicht verhört, aber Latte ist hier tatsächlich weiblich ... Unausgegorener, Zeit-Ungeist gemäßer Quark. Zerstört sozusagen die Figur (vgl. etwa "Die zwölf Geschworenen" Da ist es ähnlich. Die Figuren stimmen nicht mehr wenn Frauen sie spielen.) Darüberhinaus ist sie eine freche, herumzickende Göre ...
Vom Zauber des Originals ist nichts übriggeblieben. Action, Albernheiten, zeitgenössische Sprache ("Echt jetzt ?" usw.), Hütchenspiel u.ä., aber nichts von Ernsthaftigkeit, Tiefe, Demut ... (als Mädchen Igel mit dem Wasserstein zunächst nicht so recht zufrieden ist weil nicht alles nach ihrem Willen läuft haut sie schimpfend darauf herum ... in der Vorlage undenkbar ...)
Nicht mehr meine Zeit. Dieser Tage geriet ich beim Zappen in die alte "Schatzinsel"-Fernsehverfilmung, und selbst mir :mrgreen: fiel auf wie ruhig, manchmal geradezu statisch da alles zuging seinerzeit ... Mein Ding. So hätte ich mir 'Latte Igel' im Kino gewünscht. Ruhig, besinnlich, beschaulich. Wie die Vorlage.
Auch die Klassiker "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" mit James Mason und "Moby Dick" mit Gregory Peck werden durch keine Neuverfilmung jemals zu toppen sein ... (fällt mir noch ein, wo wir sozusagen gerade dabei sind. Die "Reise" sehe ich in der Weihnachtszeit jedes Jahr und bin immer wieder bezaubert ...)
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