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rodger
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Beitrag von rodger » 13.2.2009, 10:36

„Dann Sitara, Karl May, die Biographie einer Existenz gegen jede Norm und zugleich, nach Schmidt, eine Studie über Wesen, Werk und Wirkung von Literatur. Wer hätte das gedacht? Eine Zuneigung mit Abgründen. Irgendwo eine Wahlverwandtschaft. Nicht über Goethe. Erfüllung von Knabenträumen und die verbotene Kammer aus dem Märchen, die man nicht betreten darf. Der Wilde Westen in einer Villa in Sachsen, ein Besessener auf einem alten Ledersofa mit Milchkaffeeflecken, gegen Abend Whisky. Die Romantik der Prärie umhalst das Lied von den blauen Bergen, der nie gefundene geliebte Freund im Panorama des Völkermordes an den Indianern, die Heimat der Tiere zerstört, in die Schlachthäuser Chicagos getrieben, und auf Laufstegen der Haute Couture tragen die schönsten Diebinnen das weiche Fell von Wolf und Bär und Hund zu Markt. Karl May und Arno Schmidt erreichen ihr Arabia Deserta. Zwei glückliche Männer, hinter Butzenscheiben und Blumentöpfen die Wüste. Ein weites Feld.“

(Wolfgang Koeppen: Gedanken und Gedenken, in: Arno Schmidt Preis 1984, Arno Schmidt Stiftung Bargfeld, 1984, S.20)
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