Epoche?

marlies

Beitrag von marlies » 17.5.2007, 15:05

es gibt leider kein 'smilie' womit ich mein 'being amused' ausdruecken kann ... leider

Der Karl May is vieles fuer Viele, und alles fuer Wenige, na ja, die Extrapolation lass ich sein ... manchmal bin ich geradezu froh dass ich kein make-up auflege, sonst haette ich es jetzt mit den Lachtraenen breitgeschmiert. <schrecklich> (Kunz, Mordkommission, Wien)

Ich bin Vieles, u.A. auch Realist (wirklich?) ... Karl May ist Karl May ... er bezeichnete sich als Hakawati. Das ist wahrscheinlich das Naechste zu einer Klassification ... einer Schubladierung ... und es toent 'exotisch'. Er verdient eine exotische Schubladierung - no?
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rodger
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Beitrag von rodger » 17.5.2007, 15:28

Oder Schubladisierung, mit einem ebenso auch wieder sprachlich interessanten wie philosophisch angehauchten "is" dabei;

beide Worte (besonders die längere Variante) klingen so, als ob das enthaltene "ladi" (Lady) vielleicht Absicht sei, hm,

dabei sind es im Allgemeinen (von betrüblichen Ausnahmen abgesehen ...)gar nicht so sehr die Ladys, die das Bedürfnis nach Schublad(is)ierung haben, diese Art Schutzmechanismus (in der Schublade kann es einem dann nicht mehr allzu nahe kommen) pflegen auch die Männer gern ...

:wink:

(Die halten uns hier noch zunehmend für bekloppt. Marlies, Du bist schuld, du forderst es irgendwie heraus.)

:wink:

(Aber nich' Schuldgefühl jetzt, nee, wirklich ...)

:wink:
marlies

Beitrag von marlies » 17.5.2007, 15:38

ich? wieso...ich? bekloppt? ich? wuesste nicht worauf dies sich beziechte ... (dies koennte ein Hobbleism sein...) ... ich mag mich ... und jedermann der mit mir lacht...war es Eulenspiegel? Das Leben ist zu kurz zum weinen? Vieleicht mische ich jetzt die Hochliteraten etwas durcheinander.
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rodger
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Beitrag von rodger » 17.5.2007, 15:51

Ich meinte eher Du bist schuld bzw. forderst es heraus daß ich so ungefiltert hinschreibe was mir gerade so einfällt ... hätte freundlicherweise schreiben können, sie halten MICH für bekloppt, statt UNS. Aber ich liebe vage Formulierungen. Die Realität ist ja auch nicht so eindeutig beschreibbar, Sprache / Text kann ja nur Annäherung sein. Und deshalb, je vager, desto realistischer. Finde ich. Manchmal.

:wink:
ich mag mich ...
Ich mich auch. Ob bekloppt oder nicht, das ist ja kein Wertmaßstab.

:wink:
Das Leben ist zu kurz zum weinen?
Egal von wem das ist, das ist Quatsch. Lachen & Weinen (gelegentlich eher innerlich ...), die Mischung macht's.

:wink:
marlies

Beitrag von marlies » 17.5.2007, 15:52

musst Du immer das letzte Wort haben?
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rodger
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Beitrag von rodger » 17.5.2007, 15:55

Auf einem australischen Friedhof steht eine Frau vor einem Grabstein. "Hier ruht in Frieden ..." steht darauf. Die Frau, zahnlächelnd: "Warte bis ich komme ..."

:wink:
marlies

Beitrag von marlies » 17.5.2007, 15:57

okay...you win :twisted: :twisted: :twisted: :twisted: :twisted:
Sandhofer
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Epoche

Beitrag von Sandhofer » 17.5.2007, 16:39

JennyFlorstedt hat geschrieben:Die Frage ist nicht zu beantworten.
Jein. :?
JennyFlorstedt hat geschrieben:Ich hatte in einem Schulaufsatz damals eine Einordnung in die Neoromantik diskutiert.
Neuromantik finde ich so übel als Ansatz nicht. Tatsache ist: Karl May ist - Arno Schmidt hin, Ernst Bloch her - der Trivialliteratur zuzuordnen. Und Unterschiede zwischen Hoch- und Trivialliteratur gibt es tatsächlich. Trivialliteratur zeichnet sich dadurch aus, dass sie Motive und Techniken der Hochliteratur übernimmt; was einst innovativ und individuell verwendet wurde, wird im Trivialbereich als Kopie und repetitiv eingesetzt. Auch verwendet der Trivialautor nur solches, das sich bereits durch (hohe) Publikumsakzeptanz ausgezeichnet hat. Alles in allem hinkt deshalb die Ästhetik der Trivialliteratur der der Hochliteratur um 70 und mehr Jahre hinterdrein.

Karl May ist also in gewissem Sinne noch nicht neuromantisch, sondern noch immer romantisch. Ja, aufgrund seiner kindlichen und jugendlichen Leseerfahrungen reichen Mays ästhetische Wurzeln wohl bis in die Barockzeit. Wenn er im Spätwerk symbolisch zu schreiben behauptet, ist dies ja nicht dem (tatsächlich zeitgenössisch existierenden!) Symbolismus zuzurechnen; May geht zurück auf Arten des Schreibens, wie sie das Zeitalter des Barock kannte.

Wo er selber betroffen war, bei der Schilderung des Elends von Webern und armen Leuten, konnte May tatsächlich eine realistische Ader entwicklen - doch dies konnte auch der barocke Autor.

May ist - paradoxerweise - vielleicht sogar am ehesten der in seiner Zeit ja in Hochblüte stehenden Heimatkunst zuzurechnen. Auch diese ist eine merkwürdige Mischung romantischer und realistischer Tendenzen. Es ist wohl kein Zufall, dass deren Paradevertreter, Rosegger, sehr viel von May hielt ...
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Beitrag von JennyFlorstedt » 17.5.2007, 16:59

Barock... <grübel>
Finde ich absolut nachvollziehbar... aber mein Lehrer hätte mich damals gekillt. ;)

Um solche Einschätzungen zu treffen (und zu verteidigen!) braucht man viel mehr Leseerfahrung, als ein Schüler üblicherweise hat.
Es ist ja nun leider so, dass man in der Schule nur die "Schubladen" gelehrt bekommt - die Ausnahmen entdeckt man allein und oft später.

ta
Täglich neues zu entdecken bei www.karl-may-buecher.de
Thomas Math
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Beitrag von Thomas Math » 17.5.2007, 17:40

Kein Zweifel,dass auch mental kranke Autoren gute Buecher schreiben koennen,habe ich nicht abwertend gemeint.Man denke nur an Hesse's Steppenwolf und seine bipolar disorder oder Kafka's Schriften und seine paranoide Erkrankung.Nur sollte man in Betracht ziehen,das manche Autoren schlicht krank waren,bevor man sich auf ausuferende Werksauslegungen einlaesst.
Aber wie gesagt Literatur ist dann gut ,wenn sie mir gefaellt,das ist voellig subjektiv gemeint.Was dem einen sein Schmidt ist dem anderen sein Perry Rhodan.Zu behaupten,das der eine Hochliteratur und das andere Schund ist ,ist Unsinn.
Was Reinl/Schmidt angeht,habe ich nur gesagt,dass Reinl mit Sicherheit mehr Leser an May herangefuehrt hat als ein vergleichsweise unbedeutender Autor.
Um einer weiteren Diskussion vorzubeugen,unbedeutend heisst fuer mich wenig verkaufte Buecher,da die Auflage fuer mich das einzig objektive Kriterium der Bedeutung eines Autors ist.
Im uebrigen finde ich Rodgers Bemerkungen ueber Literatur viel amuesanter und origineller als das Zitat des toten Schmidt's.
Was die Einteilung in Epochen/Schubladen angeht ,ueberlassen wir das den Berufsliteraturdeutern,schliesslich muessen sie ja irgendwie ihre ansonsten recht ueberfluessige Existenz rechtfertigen.
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Beitrag von rodger » 17.5.2007, 18:51

Es ist ja nun leider so, dass man in der Schule nur die "Schubladen" gelehrt bekommt - die Ausnahmen entdeckt man allein und oft später.
Jahrelang hat sie es erfolgreich vor mir verbergen können, wie sie wirklich denkt, und nun gleich zwei mal am gleichen Tag sowas ...

(Gruß an Baudelaire trau' ich mich jetzt nicht zu schreiben ...)

:cry:

:oops:

:lol:
Was Reinl/Schmidt angeht,habe ich nur gesagt,dass Reinl mit Sicherheit mehr Leser an May herangefuehrt hat als ein vergleichsweise unbedeutender Autor.
Völlig ok. Es klang halt schräg, aber jetzt versteh' ich's besser.

Aber was Auflagezahlen angeht, siehe Bohlen, Heidenreich, Emma sonstwie (die mit dem Pudding), Stefan Raab, um ein paar Spezies zu nennen, die mir gerade einfallen; und was die "kranken" Dichter betrifft, da gibt's ein schönes Zitat im "Steppenwolf", mit Ruf der Wahrheit aus dem Munde der Unglücklichen (so oder ähnlich), wart', ich such's grad 'raus.
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Beitrag von rodger » 17.5.2007, 18:57

Und wenn in besonders begabten und zart organisierten Menschenseelen die Ahnung ihrer Vielspältigkeit aufdämmert, wenn sie, wie jedes Genie, den Wahn der Persönlichkeitseinheit durchbrechen und sich als mehrteilig, als ein Bündel aus vielen Ichs empfinden, so brauchen Sie das nur zu äußern, und alsbald sperrt die Majorität sie ein, ruft die Wissenschaft zu Hilfe, konstatiert Schizophrenie und beschützt die Menschheit davor, aus dem Munde dieser Unglücklichen einen Ruf der Wahrheit vernehmen zu müssen.
Auch das Folgende sei für die zwei bis zweieinhalb, denen das gefällt, noch angefügt:
Statt deine Welt zu verengern, deine Seele zu vereinfachen, wirst du immer mehr Welt, wirst schließlich die ganze Welt in deine schmerzlich erweiterte Seele aufnehmen müssen. Diesen Weg ist Buddha, ist jeder große Mensch gegangen, der eine wissend, der andere unbewußt, soweit ihm eben das Wagnis glückte. Rückkehr ins All, Aufhebung der leidvollen Individuation bedeutet: seine Seele so erweitert haben, daß sie das All wieder zu umfassen vermag.
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Beitrag von Dernen » 17.5.2007, 19:11

Thomas Math hat geschrieben:Sorry ich habe nicht die Biografie May's sondern Schmidt's gemeint.Ich mag mich irren,aber hat dieser Herr nicht unter schwerer Kontaktarmut und grandioser Selbstueberschaetzung gelitten ?
Wie gesagt ich habe meine Infos aus dem Internet und die moegen deshalb nicht unbedingt zutreffen.
Was die Rezeption angeht,wie schon zuvor gesagt,ich teile Literatur nicht in verschiedene qualitative Kategorien ein oder sagen wir es mal so Literatur,die mich nicht unterhaelt ist schlecht.
Es mag ja sein,dass einige Menschen May's Alterswerk gelesen haben nachdem sie von Schmidt dazu angeregt wurden.
Viele Tausende haben May durch die Spielfilmfilme der 60er Jahre entdeckt.
So gesehen ist Schmidt im Vergleich zu Reinl voellig unbedeutend,.
Das mit Reinl ist eine provokante These, aber Sie haben absolut Recht. Wenigstens was das Leserinteresse an Mays Abenteuerromane betrifft. Der Karl-May-Verlag hat sich damals sehr gefreut.

Schmidts Verdienst ist es allerdings, daß in den 70er Jahren eine - wie ich ich gerne nenne - nicht-naive Beschäftigung mit May begann. Angeregt u.a. durch Wollschläger, der wiederum Schmidt-Schüler ist. In so weit ist der nicht-Bestseller-Autor absolut bedeutend in Bezug auf die Karl-May-Forschung. Überhaupt darf ich Ihre kommerziell-orientierte These von der Bedeutung eins Künstlers, alleine resultierend aus Verkaufsergebnissen, anzweifeln. Soweit ich weiß hat van Gogh zu Lebzeiten kein einziges Bild verkauft. Schmidt konnte immerhin von seiner schriftstellerischen Produktion leben (wobei er als Brotarbeiten Übersetzungen aus dem Englischen - etwa Collins "Die Frau in Weiß" oder diverse Romane von Cooper - machen mußte) und hatte viel Einfluß auf andere Autoren. Auch das nicht-populäre kann Bedeutung haben, sonst gäbe es nur noch literarisches Fastfood.

Viele Grüße
Rolf Dernen
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Beitrag von Thomas Math » 17.5.2007, 19:17

War das zweite Zitat aus Siddharta ?
Was die populaeren Autoren angeht,die rodger anfuehrst so kenne ich nicht einen einzigen.
Ich habe ja auch nicht gemeint das bedeutender Einfluss gleich guter Einfluss ist.
Aber ich nehme mal an dieser Raab oder Bohlen verkaufen sich gut im heutigen D,dann moegen sie noch so schlecht,oberflaechlich oder sonstwas sein sein,Einfluss haben sie doch und praegen den Zeitgeist.
Was man von einem Zweig (einer von rodgers Favoriten) oder Schmidt kaum sagen kann.
Vielleicht sollte ich noch ein Kriterium zulassen,hohe Verkaufszahlen ueber einen laengeren Zeitraum.So dass man Autoren,die nach einem Jahr vergessen sind, nicht beruecksichtigt.
Als positives Beispiel Hemingway,der hat sich schon zeitlebens gut verkauft,verkauft sich immer noch und duerfte trotzdem rodger gefallen.
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Beitrag von rodger » 17.5.2007, 19:33

@van Gogh

Nietzsche hat am Ende seine Schriften auf eigene Kosten drucken lassen, wenn ich das kürzlich richtig verstanden habe. Melville hat NACH "Moby Dick" jahrelang im Zollamt am Schreibtisch gesessen (irgendwie tröstlich ...), Kafka in der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt ...
War das zweite Zitat aus Siddharta ?
Nein, das steht im "Steppenwolf" unmittelbar anschließend an das erste.
Was die populaeren Autoren angeht,die rodger anfuehrst so kenne ich nicht einen einzigen.
Das ist auch gut so.

:lol:

Ich habe auch noch keine Zeile von einem von denen gelesen. Wenn einer von denen im Fernsehen auftaucht bediene ich nach wenigen Sekunden den Zapper (wobei ich die Pudding-Emma noch nie gesehen habe. Aber sie steht für was und ich wollte die Frau Heidenreich in der Aufzählung nicht so alleine lassen ...)

:wink:

(Aber auch sie werden ihre Fans haben, und denen möchte ich keineswegs zu nahe treten. Persönlicher Geschmack halt.)
Zweig (einer von rodgers Favoriten)
War eine Phase. Ist jetzt nach ein paar Büchern erstmal vorbei. Sehr teilsteils, der Mann. Mal zum Atem anhalten, mal unangenehm schwülstig schönschreiberisch.
Hemingway,der hat sich schon zeitlebens gut verkauft,verkauft sich immer noch und duerfte trotzdem rodger gefallen.
Stimmt. "Der alte Mann und das Meer" hat mich seinerzeit katharsis-mäßig aus den Pantinen gehauen, ist aber schon ein bißchen her. Ich war 15 oder 18 ... Nachdem ich meinen äußeren Adam wieder hergerichtet hatte (man könnte auch von Trockenlegen sprechen ...) bin ich in die Stadt gefahren und habe mir aus der Bücherei einen schon äußerlich beeindruckenden Stapel an Sekundärliteratur geholt.
Antworten
https://silk.pl/jedwabne-poszewki-na-poduszki-8-godzin-pielegnacji-skory-i-wlosow/