Spiegel, von Matt, May, Reemtsma

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rodger
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Spiegel, von Matt, May, Reemtsma

Beitrag von rodger » 9.2.2007, 10:07

Im aktuellen SPIEGEL findet sich auf S. 170 ein hochinteressantes Interview mit dem Germanisten Peter von Matt unter dem Titel "Wir wollen das Bekannte", bei dem ich immer wieder an Karl May denken musste.

Ich gebe mal Auszüge des Interviews wieder:

"Warum langweilen wir uns nicht mit den immer gleichen Geschichten?"

"Das ganz Neue ist nicht interessant. Interessant ist immer nur die Variation von etwas Bekanntem. […] Wir selbst sind jeden Tag um eine Nuance anders, älter, klüger, enttäuschter, gewitzter und so weiter."

"Das Alte unterhält uns also, weil unsere Perspektive sich ständig verändert ?"

"Genau".

"Wie viele Geschichten gibt es insgesamt ?"

"Nur eine begrenzte Anzahl. Die Liebesgeschichte […]; die Intrigengeschichte […]; die Abenteuergeschichte, wo der Held in die Welt fährt […]. Im bürgerlichen Zeitalter kommt noch die Selbstwerdungsgeschichte hinzu, die aber eng mit dem Abenteuermuster verknüpft ist."

"Der Mensch ist also nicht viel komplexer geworden über die Jahre ?"

"Komplexer geworden ist die technische Umwelt, nicht das Seelenleben der Menschen. […] Man kann auch einen Rembrandt nicht verbessern."

Ich gebe zu, dass ich von Matt bislang nicht kannte. Es gibt etliche Bücher von ihm, und nach diesem Interview (das in voller Länge zu lesen sich wirklich lohnt) werde ich mir gleich eines bestellen.

*

Zwei Seiten später beschäftigt sich Jan Philipp Reemtsma erstaunlich aufgeschlossen und differenziert mit Sylvester Stallone und seinen Rocky-Filmen. Hätten nun viele nach seiner Attacke gegen Bad Segeberg (mit der er ja völlig Recht hat, wenn auch die Art und Weise, wie er das herübergebracht hat, etwas unglücklich geraten ist) so vermutlich nicht erwartet (ich auch nicht). Es ist eben immer so eine Sache mit den schnell bereitgestellten, bequemen Schubladen. Leute wie Reemtsma entziehen sich diesen.
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Re: Spiegel, von Matt, May, Reemtsma

Beitrag von Sandhofer » 9.2.2007, 16:36

Hallo zusammen!
rodger hat geschrieben:Ich gebe zu, dass ich von Matt bislang nicht kannte. Es gibt etliche Bücher von ihm, und nach diesem Interview (das in voller Länge zu lesen sich wirklich lohnt) werde ich mir gleich eines bestellen.
Schüler von Emil Staiger und dessen Nachfolger auf dem Star-Lehrstuhl für Germanistik der Uni Zürich ... Verheiratet mit Beatrice von Matt, einer renommierten Literaturkritikerin (NZZ). Unterdessen glaube ich, beide emiritiert.

Grüsse

Sandhofer
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rodger
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Beitrag von rodger » 19.2.2007, 22:47

Als kleinen Einstieg in Sachen von Matt habe ich mir "Literaturwissenschaft und Psychoanalyse" bestellt.

Und siehe da, auf S. 115-117 begegnen wir Winnetou und Old Shatterhand

("Die Unterschiede zwischen Old Shatterhand und Wilhelm Meister scheinen dann wirklich zu schwinden"

/

"Es läßt sich schlechthin nicht bestreiten, daß viele bei der Lektüre des Winnetou ebenso intensive Erfahrungen machen".)

Aber ja doch.

;)
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