Sascha Schneider

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Rene Grießbach
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Sascha Schneider

Beitrag von Rene Grießbach » 7.10.2009, 15:12

Das Erscheinen des Bandes "Briefwechsel mit Sascha Schneider" möchte ich nun endlich mal zum Anlass nehmen, zu den Titelbildern einige Gedanken in den Raum zu werfen, die mir wie manch andere schon relativ lange im Kopfe herumgeistern:

Wie seinerzeit, also zu May´s Lebzeiten die neuen Titelbilder beim Publikum ankamen, ist bekannt, auch die Meinung von Fehsenfeld dazu, der ja letztlich auch Recht behielt mit seiner Skepsis.
Auch heutzutage ist manch einer - gelinde gesagt - verunsichert beim Anblick der Deckelbilder, aber naja, Geschmäcker sind ja glücklicherweise verschieden.
Rein persönlich möchte ich dazu anmerken, dass meine Meinung zu den Deckelbildern geteilt ist.
So finde ich die Bilder von "Friede auf Erden", "Am Jenseits", "Winnetou III", die Silberlöwen- und Satan-und-Ischarioth-Bilder schön bzw. interessant.
Zu einigen anderen der Bilder habe ich mir kein Urteil erlaubt, finde sie weder schön noch unschön (z.B. Orientzyklus).
Und mit ein paar weiteren kann ich beim besten Willen nichts anfangen:
Da sind "Winnetou I" - was ist das da im Hintergrund? Industrieschornsteine? Was hat das mit dem Buch zu tun?
"Old Surehand" - "ich weiß nicht was soll es bedeuten?" heißt es in einem alten Lied
Das größte Problem habe ich mit den Bildern zu den Mahdibänden. Die Figur, die bei allen drei Bildern im Zentrum steht und wohl das Böse in den Büchern symbolisieren soll, ist ja anatomisch gesehen ganz offensichtlich eine Frauengestalt. Nur - was hat das mit dem Inhalt der Bücher zu tun? In meinen Augen gar nichts. Zwar gibt es auch in diesen Büchern Frauengestalten aber wie so oft nur als Nebenfiguren.
Oder sollte aus den Bildern eine Sicht Schneiders auf das andere Geschlecht sprechen? Es ist bekannt, dass der Maler homosexuell veranlagt war, das ist aber seine Privatangelegenheit gewesen und es ist unverständlich, dass er aufgrund solcher Dinge später in Weimar Probleme bekam (und leider ist er da bis heute kein Einzelfall). Aber in Zusammenhang mit diesen Bildern stellt sich mir die Frage doch noch einmal ganz besonders.

Ist jemand in der Runde, der oder die darüber nähere Auskünfte geben könnte? Bzw, gibt es irgendwo fachmännische Analysen dieser Bilder, in denen diese einer Deutung unterzogen werden?
markus
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Re: Sascha Schneider

Beitrag von markus » 7.10.2009, 16:02

Bin kein Experte auf dem Gebiet, aber ich kann nur sagen daß ich die Bilder gut finde, warum weiß ich nicht, aber in Verbindung mit Karl May nicht unbedingt passt.
Kurt Altherr
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Re: Sascha Schneider

Beitrag von Kurt Altherr » 7.10.2009, 16:40

Hallo Herr Griesbach,

das Thema ist ein weites Feld, dass sich hier im Forum schwer diskutieren lässt und ich auch nicht unbedingt möchte. Schicken Sie mir doch eine PN, dann könnten wir das Thema intern diskutieren.

Viele Grüße
Kurt Altherr
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rodger
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Re: Sascha Schneider

Beitrag von rodger » 7.10.2009, 16:42

Ein interessantes Thema. Ich habe das Buch gestern erhalten und bereits so um die hundertdreißig Seiten mit großem Interesse gelesen. Wieder eine der so zahlreichen erfreulichen Neuerscheinungen der letzten Jahre.

Mir geht es wie Rene, ich habe zu Schneiders Bildern eine geteilte Meinung. Bisher sah ich die Verwendung der Bilder als Titelbilder lange Zeit eher, hemdsärmelig ausgedrückt, als eine Art Schnapsidee, mittlerweile sehe ich das etwas anders. Einige der Bilder haben mir schon immer gefallen, so „Das Gefühl der Abhängigkeit“ (das nicht als Titelbild verwendet wurde) oder auch die Bilder zu Im Reiche des Silbernen Löwen IV oder Winnetou IV. Neuerdings denke ich, daß auch die anderen Bilder, auch wenn sie mir persönlich nicht gerade gefallen, durchaus zu den Büchern passen. Leider vermittelt sich das halt nicht, wird nicht verstanden ... (und insofern hätte auch ich an Fehsenfelds Stelle May eher abgeraten.)

Karl May hat im Alter gesagt, seine Reiseerzählungen seien von Anfang an symbolisch gemeint gewesen. So sehe ich das nicht. Differenzieren (über die häufige Verwendung dieses Wortes meinerseits meinte man sich ja schon lustig machen zu müssen, jenun, ich kann auch nichts dafür, daß es eben daran, am Differenzieren, oft zu haken pflegt ...) wir: Es wird ihm zunächst, als er sie schrieb, vielleicht nicht allzu bewußt gewesen sein, daß sie auch symbolisch lesbar sind. Das sind sie nämlich durchaus, nur war das sicher nicht von Anfang an immer beabsichtigt. Heute kann ich gar nicht mehr anders, als sie symbolisch, oder besser gesagt, mehrebenig, zu lesen.

Die Kämpfe zwischen „Gut“ und „Böse“ in den Werken Karl Mays sind Kämpfe im eigenen Innern, seine „Schurken“ sind [letzten Endes] Projektionen eigener Anteile ins Außen. Wie ja alles, was wir im Außen wahrnehmen, mit uns selber zu tun hat ... Das Karl-May-Problem ist das Menschheitsproblem ... wohl wahr, er sah allerhand in sich selber und wußte ein Lied davon zu singen, was er halt so auch bei den Anderen, im Außen, sah.

Es mag für viele lächerlich klingen, zu Kopfschütteln, Erheiterung und allerhand sonstigem Allotria Anlaß geben und nicht nachvollziehbar sein, wenn ich schreibe, Karl May kann ein vortrefflicher Begleiter auf dem spirituellen Weg zu Wachstum und Erkenntnis sein. Ich möchte das in Zusammenhang mit den Schneiderschen Bildern trotzdem mal hier & heute so stehen lassen (Blödsinn machen wir dann wieder ein ander Mal ... alles zu seiner Zeit).

Nun zu einigen konkreten Fragen,

Ich weiß nicht, ob es sich auf dem Bild zu Winnetou I um Industrieschornsteine handelt im Hintergrund, es wäre indes interessant ... Ausbeutung, „Wille zur Macht“ auf Kosten anderer, siehe die Herren im Vordergrund des Bildes, Kain und Abel bzw. ihre Nachfahren ... Das hat allerhand mit dem Buch zu tun, geht es ja unter anderem um Des-Illusionierung, um Schuld, um Verlust (auch der ‚Unschuld’, ‚in des Menschen Herz’, wie es bei Golding bzw. in der deutschen Übersetzung heißt), um Opfer, um Leiden.

Zu Old Surehand schreibt Schneider selbst „der allsehende Engel mit dem allsehenden Auge Gottes“. Jenun ... das ist bzw. klingt etwas hochtrabend, und wäre sicher für die Figur des Old Surehand „einer zuviel“, nicht unbedingt aber für den Roman ... dort geht es ja wieder einmal um diese Themen, Gottsuche, Zweifel, Ängste, und um ‚Erleuchtung’, ganz bodenständig erläuterbar im Sinne etwa von „Es werde Licht“, „Es werde hell“, „Es werde klar“ ... (im Kopf, im ‚Mind’, im Innern). In dem Roman wird ja allerhand integriert und zum „guten Ende“ geführt, bei Old Wabble ist es relativ klar, beim General stehen zuletzt Frage und Antwort beisammen, wir erinnern uns, „doch – doch -- doch --- doch“(, auch wenn das Rechtschreibkorrekturprogramm jetzt beim Hintippen nicht gleich „mitspielt“, es ist jedesmal ein Gedankenstrich mehr). Und die Geschichten „Der erste Elk“, „Im Mistake-Canyon“ sowie die Dachdeckergeschichte aus der Heimat sind nicht etwa „aus Jux und Dollerei“ eingeflochten, sondern in ihnen geht es sehr passend und sehr bewußt ausgewählt um Schein und Sein, Unzulänglichkeit menschlichen Urteilsvermögens, um die Relativität von Schuld, und die Schwierigkeit, menschlicherseits Recht zu sprechen ...

Die Frauengestalten auf den ‚Mahdi’-Bänden haben mit auftretenden weiblichen Personen in diesen Bänden sicherlich nichts zu tun, sondern symbolisieren „das Böse“, was nun auch wiederum mit den vordergründigen Religionsauseinandersetzungen in der Trilogie nichts zu tun haben muß, ich denke, May und Schneider haben da etwas weiter gesehen. Eine gewisse Lilith fällt mir ein, ich bitte nachzuschlagen.

Frauenhasser (dieses Wort stand ursprünglich in Renes Beitrag, möglicherweise als Frage; es ist etwas schwierig, eigene Beiträge, in denen ein anderer zitiert wurde, nachträglich zu ändern, nachdem der andere seinen Beitrag geändert hat und nicht mehr erkennbar ist, was ursprünglich dort stand ...), je nun, weiß ich nicht ... was fällt mir da wieder ein, der schöne Spruch „Die Gleichheit der Menschen mag ein Gesetz sein, aber keine Macht der Welt kann sie zu einer Tatsache machen“ ... Gewisse Unterschiede zwischen den Geschlechtern, Nein, ich meine nicht körperlich, sind vielleicht nicht wegzudisputieren, und der eine hat halt mehr, der andere weniger Probleme damit, Schneider vielleicht mehr, möglich. Ich glaube aber nicht daß das, wenn es denn so gewesen sein sollte, für die ‚Mahdi’-Bilder eine Rolle gespielt hat.

Soweit erstmal. Ein interessantes Thema, ein interessanter Thread. Schön, mal wieder.

@Kurt

Mach' doch nicht so mimosig auf Rückzug. Immer raus mit den Sachen.

:wink:
Zuletzt geändert von rodger am 7.10.2009, 20:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Rene Grießbach
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Re: Sascha Schneider

Beitrag von Rene Grießbach » 7.10.2009, 20:14

Nachdem ich den ersten Beitrag hier hereingestellt hatte, habe ich dann doch noch bissl gegoogelt und habe da noch einige andere interessante Bilder und Plastiken von sascha Schneider gefunden.
Unter anderem auch das Bild "Die Glut"
(mit link-reinstellen gings irgendwie nicht, also
- google - Bilder
Suchbegriff: Sascha Schneider "Die Glut")

Da habe ich dann doch meine Vermutung aufgrund der Mahdi-Bilder, dass Schneider das auch aufgrund eines tiefersitzenden Problems mit Frauen überhaupt gemalt hat, revidiert. "Glut" ist ein Bild, auf dem ja eine Frau von zahlreichen Männern auf einem Schild(?) über etwas - wohl die Glut als Inbegriff der Gefahr - emporgehoben, also in Sicherheit gebracht wird (so zumindest meine Interpretation des Bildes) Also nicht vereinbar mit einer zuerst angenommenen Frauenfeindlichkeit. (das Wort Frauenhasser in Beitrag von Rodger hatte ich zuerst in meinem ersten Beitrag stehen, dann aber aus genannten Gründen rausgenommen)
Und im Briefwechsel-Band ist im Lebenslauf des Künstlers noch ein Bild "Triumph des Weibes" erwähnt, schon der Titel passt also nicht auf eine solche "Feindschaft". Habe unter dem Bildtitel übrigens (noch) nichts weiteres im netz gefunden. Vielleicht gibt es da ja auch einen Zweittitel wie z.B. beim "Chodem" ...?

Soweit zu den Mahdi-Bildern.
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Re: Sascha Schneider

Beitrag von markus » 7.10.2009, 21:03

Vieleicht sind die Schornsteine im Hintergrund von "Winnetou I" sowas wie ein Symbol für die fortschreitende Industrialisierung des 19. Jahrhunderts, auch ein Thema des Romans. Wie überhaupt das Thema "Eisenbahn" sich wie ein roter Faden durch die Trilogie zieht. In Band I wird die zukünftige Eisenbahnstrecke noch vermessen. In Band II fährt sie schon und wird von Indianern überfallen. In Band III fährt Old Shatterhand ganz selbstverständlich selber mit, obwohl er in Band I noch dagegen war, auch wenn er bei den "Länderdieben für Geld" mitgetan hat.
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Re: Sascha Schneider

Beitrag von markus » 7.10.2009, 21:06

rodger hat geschrieben:Es mag für viele lächerlich klingen, zu Kopfschütteln, Erheiterung und allerhand sonstigem Allotria Anlaß geben und nicht nachvollziehbar sein, wenn ich schreibe, Karl May kann ein vortrefflicher Begleiter auf dem spirituellen Weg zu Wachstum und Erkenntnis sein.
Das ist überhaupt nicht lächerlich!
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Re: Sascha Schneider

Beitrag von rodger » 7.10.2009, 21:08

Damit aus dem armen Schneider nach dem Frauenhasser nun nicht gleich ein Feminist oder Fundamentalsympathisant wird: "Und warum so viele Weiber?" (in einem Brief an May über "Babel und Bibel")

:lol:
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Re: Sascha Schneider

Beitrag von markus » 7.10.2009, 21:15

Kara Ben Nemsi zu Scheik Mohamed Emin: "Wieviel Fraun hasse denn?" - "Ich hasse keine Weiber."

:mrgreen:
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Re: Sascha Schneider

Beitrag von rodger » 7.10.2009, 21:20

markus hat geschrieben: In Band III fährt Old Shatterhand ganz selbstverständlich selber mit, obwohl er in Band I noch dagegen war
Hermann Hesse sah mit der Eisenbahn auch noch ganz andere Dinge heraufkommen, dürfte aber vermutlich ebenfalls selber mitgefahren sein. Und Gegner des Automobilismus dürften auch schon mal irgendwohin fahren mit einem solchen Gefährt ...
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Re: Sascha Schneider

Beitrag von markus » 7.10.2009, 21:24

Wogegen ich so alles bin und es trotzdem benutze...Atomstrom z.B.. Der Mensch macht halt jeden Tag widersprüchliches. 8)
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Re: Sascha Schneider

Beitrag von rodger » 7.10.2009, 21:26

markus hat geschrieben: Das ist überhaupt nicht lächerlich!
In der "Knautschzone" geruhtest Du vor einiger Zeit auf "spirituelle Dimension" noch mich anpflaumenderweise mit "Spirituosen" zu kommen, das weißt zwar Du vielleicht nicht mehr, aber ich ... :D
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Re: Sascha Schneider

Beitrag von rodger » 7.10.2009, 21:26

markus hat geschrieben:Wogegen ich so alles bin und es trotzdem benutze...Atomstrom z.B.. Der Mensch macht halt jeden Tag widersprüchliches. 8)
Sag' ich doch.
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Re: Sascha Schneider

Beitrag von Helmut » 7.10.2009, 21:27

markus hat geschrieben:Vieleicht sind die Schornsteine im Hintergrund von "Winnetou I" sowas wie ein Symbol für die fortschreitende Industrialisierung des 19. Jahrhunderts, auch ein Thema des Romans. Wie überhaupt das Thema "Eisenbahn" sich wie ein roter Faden durch die Trilogie zieht. In Band I wird die zukünftige Eisenbahnstrecke noch vermessen. In Band II fährt sie schon und wird von Indianern überfallen. In Band III fährt Old Shatterhand ganz selbstverständlich selber mit, obwohl er in Band I noch dagegen war, auch wenn er bei den "Länderdieben für Geld" mitgetan hat.

Ich habe da, als ich vorhin nachgesehen habe, eher an die Schornsteine der "Geisterschmiede" gedacht; da mich die ganze Szene irgendwie daran erinnert.

Helmut
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Re: Sascha Schneider

Beitrag von rodger » 7.10.2009, 21:28

markus hat geschrieben:Kara Ben Nemsi zu Scheik Mohamed Emin: "Wieviel Fraun hasse denn?" - "Ich hasse keine Weiber."

:mrgreen:
Die verschärfte Variante wäre: "Eigentlich hasse ich sie, ja. Aber der Trieb, weißt Du ..."

:lol:
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