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rodger
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Beitrag von rodger » 27.6.2004, 15:02

Heute abend 19.30 ZDF:

Totentanz im Wilden Westen.

Deutsche Rekruten unter General Custer gegen Sitting Bull.
Dokumentation.
Gast

Beitrag von Gast » 27.6.2004, 22:47

Das war eine sehr interessante und gut gemachte Dokumentation, die mich stark an die beeindruckende Ausstellung im Karl-May-Museum 2001/2002 erinnerte.

Es war für mich auch sehr bewegend am Little Big Horn Gräbern von Soldaten zu sehen, die es aus meiner hessischen Heimat - in diesem Falle Darmstadt - zu sehen.

Interessant auch die Feststellung, daß Karl May zu dieser Zeit an seiner Novelle "Wanda" schrieb und wenige Tage zuvor H.G. Münchmeyer seinen 39. Geburtstag feierte.

Viele Grüße
Kurt
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rodger
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Beitrag von rodger » 27.6.2004, 23:04

In der Tat, ein sehr guter Film. Hier wurde die Medaille von der anderen Seite gezeigt. Und deutlich, daß Geschichtsklitterung und beschönigende Darstellung uralt ist.

Das neueste Editorial des Magazins für Amerikanistik las sich für meine Begriffe zu eindeutig positiv, unkritisch, was die Geschichte der Vereinigten Staaten angeht. War das Land zu Zeiten der Ureinwohner nicht innerlich reicher, ist das, was geschaffen wurde, wirklich so erstrebenswert, verglichen mit dem vergangenen ?
Gast

Beitrag von Gast » 27.6.2004, 23:44

Sehr gute Dokumentation. Da muß ich meinen Vorrednern Recht geben. Interessant, mit welcher Akribie die Archäologen vorgegangen sind. Da kann man anhand von Patronenhülsen den Weg, den ein Gewehr während der Schlacht genommen hat, nachverfolgen. Eine Ironie bei der ganzen Sache: Die Indianer hatten Repetiergewehre, Henrystutzen, wenn man so will, die Soldaten aber nur einschüssige Gewehre. Von wegen den "Roten" mit dem "Zaubergewehr" imponieren!
Grafenberg
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Beitrag von Grafenberg » 28.6.2004, 7:58

Die Dokumentation war gut. Evtl. noch einige Ergänzungen:
Custer hatte sein Generalspatent während des Bürgerkriegs erhalten und es galt auch nur für diese Zeit. Danach wurde er wieder in seinen alten Rang als Oberstleutnant zurückversetzt, eine Sache die gang und gebe war. Zudem war Custer bei den Miltäroberen mehrere Mal unangenehm aufgefallen, zusätzlich sein Ehrgeizig und seine Überheblichkeit. Seine 7. Kavallerie bestand zudem aus Freiwilligen und regulären Einheiten. Die Freiwilligen hatte er rekrutiert und mit ihnen schon Ende der 60er Jahre etliche Indianerdörfer plattgemacht. Die Regulären waren, wie in der Dokumentation schon berichtet, meist junge und unerfahrene Soldaten, die zudem aus Kostengründen mit älteren Waffen aus dem Bürgerkriegsbestand ausgerüstet waren.
Was mich an der Dokumentation beeindruckt hat, war die Tatsache, dass die Überlieferungen der Indianer, als Zeitzeugen der Kämpfe, im nachhinein als wahr angesehen werden müssen, während die Aussagen der weißen Zeitzeugen größtenteils widerlegt werden mussten.

noch mehr solche Dokumentationen zur vernünftigen Zeit gesendet wünscht
Thomas Grafenberg
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rodger
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Beitrag von rodger » 28.6.2004, 9:58

Herr Grafenberg hat geschrieben: Die Freiwilligen hatte er rekrutiert und mit ihnen schon Ende der 60er Jahre etliche Indianerdörfer plattgemacht.
Würden Sie in durchaus vergleichbaren Fällen wie dem Massaker von My Lai auch von "Plattmachen" sprechen ?

:( :( :(

Feinfühligkeit scheint ja ansteckend zu sein, schönen Gruß.

:lol: :lol: :lol:
Grafenberg
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Beitrag von Grafenberg » 28.6.2004, 11:28

Ja, denn 'plattmachen' ist ein mehr als negatives Wort

grüße
Thomas Grafenberg
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Beitrag von frank » 4.7.2004, 12:23

trotz neuer interessanter fakten...
leider hat man dafür vieles unter den tisch gegehrt, so sah man keine indianischen kundschafter und mitkämpfer bei der custertruppe und einige schwarze (buffallo-soldier) sollen ja auch dabei gewesen sein.
hat jemand die namen der gefallenen deutschen, da würde es sich doch mal für eine recherche lohnen, um den weg nach amerika zu verfolgen und deren ambitionen.
die geschichte von Karl Windolph gut das sich da einer auf den weg machte um diesen mann anzuhören...
hier der link zu "Totentanz im Wilden Westen":
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/16/0,187 ... 40,00.html
Gast

Beitrag von Gast » 4.7.2004, 18:07

Hallo Frank,

gegen Ende der Dokumentation werden einige Soldatengräber gezeigt. Da fiel mir ein Stein auf, mit einem gefallenen Soldaten der in Darmstadt geboren wurde. Namen und Geburtsjahr kann ich mich nicht erinnern. Hast du den Film aufgenommen? Ich habe es leider versäumt.

Viele Grüße
Kurt
sendador
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Beitrag von sendador » 7.7.2004, 21:58

Hallo Frank, hallo Kurt!
Aufgrund Eurer Beiträge habe ich mal ein bißchen recherchiert
und folgendes herausgefunden:
Das 7. Kavallerieregiment (Seventh Cavalry) hatte keine schwarzen
Soldaten ("Buffalo Soldiers"), nur das 9. und 10. waren rein schwarze
Regimenter (die Offiziere waren natürlich Weiße). General Custer
(eigentlich nur Oberstleutnant) hätte sich sicher auch geweigert, ein
schwarzes Regiment zu übernehmen. Der einzige Schwarze bei der
Little-Bighorn-Expedition war ein Zivilist (Dolmetscher), sein Name
war Isaiah Dorman.
Von den insgesamt ca. 850 Soldaten des Regiments waren 121 Deutsche
(d. h. in Deutschland geboren), also ein Siebtel! Davon waren 50 nicht
anwesend (an anderen Standorten eingesetzt, im Knast, desertiert; einer
war in der Irrenanstalt). Von den 71 Deutschen, die an der Schlacht
teilnahmen, sind 31 gefallen.
Nicht gezählt habe ich die Soldaten mit deutschen Namen, die in den
USA geboren sind; außerdem gab es noch einige Schweizer.
Zu dem im Film erwähnten Karl (Charles) Windolph: geboren am 9. 12.
1851 in Bergen/Germany, Soldat seit 12. 11. 1871, gestorben am 11. 3.
1950 in Lead, South Dakota (er wurde also 98 Jahre alt!). Verwundet,
erhielt die Medal of Honor (die höchste militärische Auszeichnung des
Kongresses).
Ich konnte nicht genau herausfinden, wessen Grabstein im Film gezeigt
wurde (der Name war nicht gezeigt). Es gab zwei Deutsche, die in Darmstadt geboren wurden:
1.) Siefert, August B., geboren 26. 7. 1850, Soldat seit 16. 1. 1875, gestorben 20. 1. 1921. Gehörte zu der Truppe von Major Reno.
2.) Hohmeyer, Frederick (= Friedrich), geboren 1848, Soldat seit
10. 5. 1875, gefallen am 25. 6. 1876, gehörte zur Truppe Custers.
Für den abgebildeten Grabstein kommt noch infrage:
Vetter, (Johann) Michael, geboren in Hessen/Germany am 23. 12. 1853,
gefallen am 25.. 6. 1876, gehörte ebenfalls zur Truppe Custers.
Auf dem Bild des Grabsteins war zu lesen: Kestrich Hessen.
Laut Postleitzahlbüchern und verschiedener Atlanten ist Kestrich
ein kleiner Ort, gehört heute zu Feldatal, alte PLZ 6324. Kestrich liegt 12 km südsüdwestlich Alsfeld und 40 km Ostnordöstich von Gießen. Laut Andrees Handatlas von 1881 gehörte dieses Gebiet damals zum Großherzogtum Hessen, auch nach der Hauptstadt Hessen-Darmstadt genannt. Das kann also auch mit dem "Darmstadt" gemeint sein.
sendador
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