Vertreibung und Reservate

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rodger
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Re: Vertreibung und Reservate

Beitrag von rodger » 21.7.2009, 12:50

Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:Ich bin mir ganz sicher: Die Formulierung "Die Schöpfung ist noch nicht vollendet" stammt nicht von mir, sondern von Karl May.
Wenn man in der Suchfunktion der Internetseiten der KMG den besagten Satz eingibt, kommt man zu dem von Ihnen genannten Artikel, in dem das auch so in der Überschrift steht. Sie zitieren dort allerhand von May Geschriebenes, das inhaltlich durchaus in die Richtung geht, aber die Formulierung stammt so offenbar nicht von ihm. (Sie wissen, mir wurde seinerzeit von Herrn H. Moritz der virtuelle 'Große Rechthaberpreis' verliehen ... :lol: )
Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:Wie 'Winnetou IV' besonders drastisch erhellt, sah May eine sehr positive Entwicklungsmöglichkeit speziell auch für die Indianer.
Dazu werde ich mich in einem späteren Beitrag separat äußern ... Das ist nicht 'so ohne' ...
Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:Die Weiterentwicklung muss man sich ja nicht "linear" vorstellen, sie könnte auch spiralförmig verlaufen. Kurzfristig (in einer Zeitspanne von Jahrtausenden) betrachtet sieht es so aus wie ein ständiges Auf und Ab; dahinter könnte sich aber - wenn man in riesigen Zeiträumen denkt - doch eine Aufwärtsentwicklung verbergen.
"Gott schreibt auf krummen Linien gerade" las ich einmal im Zusammenhang mit Paul Claudel ... anläßlich einer Inszenierung von "Der seidene Schuh" so um 1975 herum am Staatstheater Oldenburg. Die wesentlichen Sprüche merk' ich mir ... :wink:
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rodger
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Re: Vertreibung und Reservate

Beitrag von rodger » 21.7.2009, 13:18

Zum Thema Indianer schreibt Karl May in Winnetou IV dies:

„Daß kein Mensch, kein Volk und keine Rasse Kind und Knabe bleiben darf. Daß jede Savanne, jeder Berg und jedes Tal, jedes Land und jeder Erdteil von Gott geschaffen wurde, um zivilisierte Menschen zu tragen, nicht aber solche, denen es unmöglich ist, über das Alter, in dem man sich nur immer schlägt und prügelt, hinauszukommen. Daß der allmächtige und allgütige Lenker der Welt einen jeden Einzelnen und einer jeden Nation sowohl Zeit als auch Gelegenheit gibt, aus diesem Burschen- und Bubenalter herauszukommen. Und daß endlich ein Jeder, der dennoch stehenbleibt und nicht vorwärts will, das Recht, noch weiter zu existieren, verliert. Der große Manitou ist gütig, aber er ist auch gerecht. Er wollte, daß auch der Indianer gütig sei, besonders gegen seine eigenen roten Brüder. Als aber die Indsmen nicht aufhören wollten, sich untereinander zu zerfleischen, sandte er ihnen das Bleichgesicht - - -"

(im zweiten Kapitel der Originalfassung)

Eckehard Koch sprach in den KMG-Mitteilungen davon es könne einen „schaudern“, die Stelle sei aber „symbolisch“ gemeint. Je nun ... auch wenn May symbolisch schrieb, worüber ich mir an dieser Stelle übrigens gar nicht so sicher bin, pflegte er das so zu tun, daß der Text auch auf der einfacheren Ebene lesbar blieb, und war sich dessen bewußt, daß zahlreiche Leser, sicher die Mehrheit, über diese Ebene auch gar nicht hinaussehen ...

Im vierten Kapitel heißt es

„Habt ihr begriffen, daß es keinem Volk erlaubt ist, Kind zu bleiben? - Daß ihr einst Kinder waret und nur darum dem Untergange zugetrieben wurdet, weil ihr nicht aufhören wolltet, Kinder zu sein? Habt ihr begriffen, daß ihr als Kinder eingeschlafen seid, um nun nach schweren Niagaraträumen als Männer zu erwachen? Habt ihr begriffen, daß ihr nun, wenn ihr nicht Männer werdet, für immer verloren seid? Habt ihr begriffen, was es heißt, ein Mann zu werden? Eine Persönlichkeit, die aus eigener Energie zu tun und zu handeln beliebt, ohne mit sich handeln zu lassen? Eine Persönlichkeit, die ihre Ziele kennt und nach ihnen strebt, ohne nach irgendeiner Seite abzuweichen? [...] Daß der Blut- und Länderdurst der Bleichgesichter nur eine Zuchtrute in der Hand des großen, weisen Manitou war, deren Schläge euch aus dem Schlaf zu wecken hatten?“

Diese Mechanismen oder Erscheinungen, diese Resonanz, die er da beschreibt, bekam er übrigens selber zu spüren ... Lebius, Gerlach und andere gleichsam eine „Zuchtrute in der Hand des großen, weisen Manitou“ ...
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Re: Vertreibung und Reservate

Beitrag von Hermann Wohlgschaft » 21.7.2009, 14:46

Zum Zitat "Die Schöpfung ist noch nicht vollendet.": Lieber Herr Wick, Sie haben tatsächlich - vorläufig :wink: - Recht. In der gedruckten Version meines Beitrags im Jb-KMG 2003 findet sich der Satz nur in der Überschrift, im Text selbst taucht er nicht mehr auf. Mir ist das völlig unerklärlich. Ich habe das Titelwort ja bewusst in "" gesetzt, um es als Zitat zu kennzeichnen. Meiner Erinnerung nach steht es höchstwahrscheinlich im "Buch der Liebe", möglicherweise auch in den "Geographischen Predigten", evtl. auch im Vortragstext "Drei Menschheitsfragen" (1908 in Massachussets). Die einzige Erklärung, die mir jetzt spontan einfällt: Vielleicht findet sich das Zitat wörtlich in einer früheren Version meines Aufsatzes, vielleicht habe ich mich selbst bearbeitet :wink: und in der Endfassung die entsprechende Textpassage gestrichen (aus mir unerfindlichen Gründen). Sorry!
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Re: Vertreibung und Reservate

Beitrag von rodger » 21.7.2009, 14:56

Das biblische »Es werde« gehört nicht einem kurzen Augenblicke an, sondern es tönt noch heute fort, und die sechs Tage der Schöpfung sind noch nicht vollendet, trotzdem vom ersten Stundenschlage der Zeitlichkeit an Millionen und Abermillionen von Jahren vergangen sind.
steht in "Im Dunkel der Vorzeit" in der 3. Abteilung des "Buch der Liebe".

(Nein, das hatte ich nicht im Kopf, das habe ich ergoogelt) :lol:
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Re: Vertreibung und Reservate

Beitrag von Hermann Wohlgschaft » 21.7.2009, 15:40

Sollte ich also - ein bisschen - gemogelt haben? :wink: Erstaunlich, dass es keiner der (sonst so perfekten) Jahrbuch-Redakteure gemerkt hat! :wink:
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Re: Vertreibung und Reservate

Beitrag von rodger » 21.7.2009, 16:43

Wieso gemogelt ? Wenn mir an Ihrer Stelle das Zitat gefallen hätte, und ich hätte es, leicht abgewandelt, als Überschrift benutzen wollen, dann hätte ich mir überlegt, benutze ich nun Anführungszeichen oder benutze ich sie nicht ... (ich weiß nicht zu welchem Ergebnis ich gekommen wäre, darüber müßte ich jetzt wirklich länger nachdenken bzw. mich in die Angelegenheit innerlich einklinken)

„Die Schöpfung ist noch nicht vollendet“ drückt ja etwas anderes aus bzw. setzt einen anderen Schwerpunkt als „die sechs Tage der Schöpfung sind noch nicht vollendet“, und das kann für einen Artikel und eine Überschrift durchaus die passendere Variante sein ...

Starre Regeln (in Sachen Anführungszeichen u.a.) engen ja die Gestaltungsfreiheit in unzumutbar reduzierender Weise ein. Wenn mir dann ein Redakteur gesagt hätte, entweder das korrekte Zitat in Anführungszeichen, oder das abgewandelte ohne, dann hätte ich ihm vielleicht geschrieben, schreibt’s euch eure Beiträge selber ... (auch die Groß- oder Kleinschreibung von Worten wie Du, Ihr, Euer usw. pflege ich nicht nach Rechtschreibreform oder sonstigen unsinnigen Regelungssystemen zu betreiben, sondern je nach Lage der Dinge ...)

(Ich hab’ mal gelesen, auch in einem Jahrbuch der KMG übrigens, daß in einem Gedicht von Karl May (und zwar „Des Buches Seele“) Gott spreche, und daher müßten die entsprechenden Zeilen in Anführungszeichen stehen ... da habe ich gedacht (und in einer kleinen Anmerkung in der Bücherdatenbank auch geschrieben), das möge man doch bitte dem lieben Gott überlassen, ob er in Anführungszeichen stehen möchte oder aber auch nicht ...). :wink:

Es ging mir keineswegs darum Ihnen Mogelei oder sonst etwas vorzuwerfen, es ging mir nur, ganz wertfrei, um die Präzisierung des Sachverhalts. (Bei solchen Sachen kann ich mich ganz furchtbar "dranhalten" ...) :wink:
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Re: Vertreibung und Reservate

Beitrag von markus » 21.7.2009, 16:50

rodger hat geschrieben:
markus hat geschrieben:
Doro hat geschrieben: Was wir hier immer wieder nicht (an)erkennen wollen, ist, dass es keine allgültige Art zu Leben, zu denken, zu fühlen gibt. Die Folge ist Ausgrenzung, Unterdrückung, Diskriminierung… :roll:
Sehr richtig!
Das ist halt so angelegt in der Schöpfung, im Menschen ... sozusagen seit Kain und Abel. Und es ist nicht damit zu rechnen, daß es sich jemals ändert ...
Es ist aber auch nicht mit dem Gegenteil zu rechnen. Das Glas kann halbvoll oder halbleer sein, ganz wie mans nimmt und möchte :wink: .
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Re: Vertreibung und Reservate

Beitrag von rodger » 21.7.2009, 16:52

So'sts.

(H. Erhardt)
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Re: Vertreibung und Reservate

Beitrag von markus » 21.7.2009, 16:54

Hermann Wohlgschaft hat geschrieben:Karl May hatte die Vision, dass es nicht immer so bleiben wird, weil die Schöpfung noch gar nicht abgeschlossen ist. Ich glaube, ich hab mich - auch in dieser Hinsicht - inspirieren lassen von Mays Werk.
Sehr schön gesagt. Der Mensch ist ja noch ein Werdender und ich vermute mal ganz stark er wird niemals so richtig fertig damit.
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Re: Vertreibung und Reservate

Beitrag von markus » 21.7.2009, 17:02

rodger hat geschrieben:
Man braucht die Welt nicht ändern wollen, das kann man auch gar nicht.
Eben. "Und sorgt euch nicht um den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selber sorgen." - wörtlich sicher nicht richtig, dafür aber sinngemäß :wink: .
rodger hat geschrieben:Das ist, um Jim Snuffle zu zitieren, „das höchste der Gefühle“.
Das war nicht Jim, das war Tim. Schau doch biddde nochmal nach, ja :mrgreen: .
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Re: Vertreibung und Reservate

Beitrag von rodger » 21.7.2009, 17:02

rodger hat geschrieben:So'sts.
(Über die Schreibweise dieses vielsagend knappen Ausdrucks könnte man sich nun auch wieder unterhalten ... Ich hab’s ja nur GEHÖRT, also muß ich mich selber für eine Schreibweise entscheiden ... sollte es Ehrhardt auch GESCHRIEBEN haben, so würde ich mich seiner Schreibweise anschließen, wenn sie mir denn bekannt wäre ...

Bei „So’sts“ kommt deutlicher herüber, daß „So ist’s“ gemeint ist, als bei „Sosts“. Und „So’st’s“ würde unnötig verkomplizieren und irritieren ...

(über die Frage mit oder ohne Leerzeichen vielleicht ein andermal)

Nun mag es welche geben, die angesichts von „So’sts“ denken, er ist unpräzise, bzw., er merkt nicht, daß er inkonsequent ist ... Damit muß man halt leben. Tagein tagaus.)

:lol:
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Re: Vertreibung und Reservate

Beitrag von rodger » 21.7.2009, 17:04

markus hat geschrieben:wörtlich sicher nicht richtig
Ich glaub' schon. Es gibt auch verschiedene Varianten und Übersetzungen.
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Re: Vertreibung und Reservate

Beitrag von rodger » 21.7.2009, 17:07

markus hat geschrieben: Das war nicht Jim, das war Tim.
Wenn ich Dir sage, es war Jim, dann war es Jim. Laut Figurenlexikon. Ich habe nämlich vorher schon nachgeguckt. Und jetzt hinterher vorsichtshalber auch noch mal.

:wink:
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Re: Vertreibung und Reservate

Beitrag von markus » 21.7.2009, 17:09

rodger hat geschrieben:
Hermann Wohlgschaft hat geschrieben: Wenn man die Schöpfung - wie May - als evolutiven Prozess versteht,
Das tue ich allerdings nicht. Ich denke statt einer linearen Entwicklung eher an die Kreisform, bzw., an ein Mandala ...
Uff, kommen die Dinos wieder, werden wir wieder Affen, sind wirs gar schon...? :shock:

:lol:

Was ist übrigens ein Mandala (könnte es jetzt zwar ergoogeln, aber ich will heut alles vorgekaut bekommen :mrgreen: )?
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Re: Vertreibung und Reservate

Beitrag von markus » 21.7.2009, 17:14

rodger hat geschrieben:
rodger hat geschrieben:So'sts.
(Über die Schreibweise dieses vielsagend knappen Ausdrucks könnte man sich nun auch wieder unterhalten ... Ich hab’s ja nur GEHÖRT, also muß ich mich selber für eine Schreibweise entscheiden ... sollte es Ehrhardt auch GESCHRIEBEN haben, so würde ich mich seiner Schreibweise anschließen, wenn sie mir denn bekannt wäre ...

Bei „So’sts“ kommt deutlicher herüber, daß „So ist’s“ gemeint ist, als bei „Sosts“. Und „So’st’s“ würde unnötig verkomplizieren und irritieren ...

(über die Frage mit oder ohne Leerzeichen vielleicht ein andermal)

Nun mag es welche geben, die angesichts von „So’sts“ denken, er ist unpräzise, bzw., er merkt nicht, daß er inkonsequent ist ... Damit muß man halt leben. Tagein tagaus.)

:lol:
Hier bei uns sagt man "So isses", die ganz Vornehmen wie ich sagen ganz profan "So is dat" :mrgreen:
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