Erwin Müller

Auszug aus dem aktuellen »Gesamtverzeichnis der Fischer
Taschenbücher mit den Neuerscheinungen bis April 1998«

  
Schmidt, Arno
Sitara und der Weg dorthin
Eine Studie über Wesen, Werk & Wirkung Karl Mays
Neuausgabe
Bd. 13797 ca. DM 14,90
April '98
Arno Schmidts monographischer Essay über Karl May unterzieht
das Werk des bis heute populärsten deutschen Trivialschriftstellers
einer psychoanalytischen Textkritik. Und das Ergebnis ist auch
dreißig Jahre nach der Erstveröffentlichung bemerkenswert:
Karl May erscheint als ein »gewaltiger Pfuscher«, als ein unein-
gestandener Homosexueller, dessen Werk ein unerschöpfliches
Chaos von Kitsch, Projektionen und Absurditäten bilden. [S. 16]

Wenn man den diesen Werbetext erstaunt oder verärgert gelesen hat, mit dem die PR-Leute des Fischer-Taschenbuch-
Verlages in Frankfurt a.M. ihre Neuausgabe von Arno Schmidts ›Sitara und der Weg dorthin‹ den potentiellen Lesern anpreisen, muß man sich als Kenner der Materie ernsthaft fragen, ob schlichte Unkenntnis, krasse Ignoranz oder gar böse Absicht dem Verfasser hierbei die Feder geführt haben. Anders ist es wohl nicht zu erklären, wenn ein renommierter deutscher Verlag die seriösen und vielfach publizierten Forschungsergebnisse der nun fast dreißig Jahre bestehenden Karl-May-Gesellschaft in geradezu dümmlich-provokanter Art und Weise einfach nicht zur Kenntnis nimmt. Ich werde mir daher erlauben, dem Leiter der PR-Abteilung von Fischer ein Exemplar dieser KMG-NACHRICHTEN zu übersenden, denn man soll die Hoffnung auf Lernfähigkeit der Menschen bekanntlich nie aufgeben.


Diesen Text schrieb ich für die KMG-Nachrichten Nr. 116 - Juni 1998. Vom Leiter der PR-Abteilung des Fischer-Taschenbuch-Verlages erhielt ich bislang keine Antwort!

Erwin Müller, Föhren
Geschäftsführer der
Karl-May-Gesellschaft


Anmerkung der Redaktion:

Erwin Müller hat sein Unverständnis in recht höfliche Worte gekleidet. Sagen wir es einmal deutlich: Der renommierte Fischer-Verlag führt seine Leser mit geschmacklosen Werbetexten in die Irre, um Leser anzusprechen -  primitiver geht es nicht! Oder sollte es tatsächlich PR-Leute im Verlagsgeschäft geben, die derart abgeschieden in ihrem Elfenbeinturm sitzen und wissenschaftlich fundierte Forschungsergebnisse ignorieren?

Wir empfehlen unseren Lesern den Aufsatz Kußgewohnheiten von Walther Ilmer.
  


Am Kaminfeuer

Förderverein Karl-May-Museum Radebeul