Carl-Heinz Dömken

Erich Heinemann †

Für die meisten Karl-May-Freunde blieb er unauffällig, drängte sich nie mit seinem Wissen in den Vordergrund, beobachtete lieber. Notierte alles, brachte sich ruhig in Gespräche ein. Aber trotz seiner zurückhaltenden Art kannten ihn alle, schätzten ihn hoch.

Erich Heinemann war drei Jahrzehnte der Chronist der von ihm mitbegründeten Karl-May-Gesellschaft, ihr Schriftführer vom ersten Tage an. Eigentlich ja eine ebenso sorgfältige wie nüchterne Tätigkeit. Er aber hat sie mit Poesie gefüllt. Das entsprach seiner Lebensart. Gegen Ende seines Wirkens für die von ihm sehr geliebte KMG legte er zwei Bücher vor: „Eine Gesellschaft für Karl May“ zum 25jährigen Bestehen und „Dreißig Jahre Karl-May-Gesellschaft“. Das erste eine spannende Chronik aus dem Blickwinkel seiner Position, das zweite aus ganz persönlicher Sicht. Beide Bücher wurden Kostbarkeiten voller Wissen, fabelhaft im Stil – Heinemann war ein begnadeter Schriftsteller und auch Dichter. Seine Werke sind in und aus der Sache unübertrefflich, einmalig. Ohne Beispiel, unnachahmlig. Sein Herz floß in die Feder.

Heinemanns Einführungen in die Original-Reprints von Karl Mays Werken führten gekonnt in die Bücher und zu Karl May, den er zu erforschen half.
Hildesheim, seine Immerheimat, durchdrang er in Schriften, er widmete sich dem ersten Afrikaforscher Hornemann – einem Hildesheimer – mit Akribie, er forschte im Leben der von ihm hochverehrten Königin Luise.

Als Schüler schon führte er Tagebuch. Blatt für Blatt. Jahrelang. Vor einigen Jahren hat Heinemann daraus zwei Bücher geschrieben: „Jahre zwischen gestern und morgen“ und – erweitert – „Da kam ein stolzer Reiter“. Zeitzeugendokumente. Nachlesbar für die, die vieles schon vergaßen, und für die Jüngeren, die nicht wissen können, wie bitter und schrecklich die Endzeit des Krieges und die Nachkriegszeit waren: ergreifende Erlebnisse zum Miterleben.

Karl May war schon zu Erich Heinemanns Jugendzeit ein Hauptinteresse. Aber es waren nicht in erster Linie die Abenteuerromane. „Ich“ wurde sein Lieblingsband. Er knüpfte einen Briefwechsel zu Klara May, wollte immer mehr erfahren.

Unsere Freundschaft wuchs in dreißig Jahren zu großem Verständnis mit Herzlichkeit. Wir hockten mal bei ihm oben im Haus im Karl-May-Zimmer oder bei mir im kleinen Karl-May-Museum. Immer gab es gute Gespräche. Auch auf den zu wenigen Reisen der fünf May-Oldies zu Städten und Stätten deutscher Kultur. Hansotto Hatzig, Karl Serden, Erich Heinemann, Erwin Müller und ich, der Kameramann. Hinzugesellte sich dann noch Engelbert Botschen. Eine putzmuntere Gruppe – zwei Streitlustige, ein Besinnlicher, ein Ordnender und einer mit einer großen Klappe.

Nun hat der große Manitu das Sextett halbiert.

Erich Heinemann Der geplante Vortrag vor seinem Freundeskreis des Karl-May-Museums bleibt ungehalten, die große Familienchronik unfertig – eine qualvolle Krankheit beendete das Leben von Erich Heinemann im 74. Lebensjahr. Ein schmerzvoller Verlust für Ehefrau Anni, die Familie und uns. Ein sehr beachtenswerter Mann ist nun – Erinnerung.
 

 

 

 

Erich Heinemann im Arbeitszimmer Karl Mays in der Villa Shatterhand.


Carl-Heinz Dömken


Veröffentlichungen

Am Fluß der toten Indianer
Gut gemacht Winnetou
Ritt durch die Wüste
Robys Abenteuer in Afrika
Roby sucht das Abenteuer
Roby als Schatztaucher
Noch tausend Meilen bis Nevada
Verrat am Apachenpass. Historische Erzählung aus dem amerikanischen Westen
Da kam ein stolzer Reiter. Jugendjahre in Hildesheim. 1942-1945
Eine Gesellschaft für Karl May
Dreißig Jahre Karl-May-Gesellschaft


Förderverein Karl-May-Museum