© Stiftung

Nachrichten aus der Villa »Shatterhand.«

   

Liebe Karl-May-Freunde!

»Ich möchte hiermit alle May-Freunde aufrufen, mit Spenden für die Erhaltung und Restaurierung der Bücher in Karl Mays Bibliothek beizutragen, z.B. indem über bestimmte Bücher die Patenschaft übernommen wird.«

Nähere Informationen unter:
http://www.karl-may-stiftung.de/aktion.html 

Seit dem ersten Aufruf (Januar 1998) sind zahlreiche Spenden auf unserem Spendenkonto eingegangen, wofür ich mich herzlich bedanke. Gleichzeitig möchte ich hier Rechenschaft ablegen, wie diese Gelder verwendet wurden bzw. noch werden.

Zunächst einige grundsätzliche Bemerkungen: Oft wird bei mir angefragt, die Buchpatenschaft etwas näher zu erläutern oder doch einmal eine Liste zu erstellen, aus der der Restaurierungsaufwand ersichtlich ist, also z.B. 100 Titel á 100 DM; 20 Bücher á 500 DM usw.

So eine Liste zu erstellen, ist mein Wunschtraum seit 1995. Dazu benötigte ich aber zwei Arbeitskräfte, darunter einen Buchbinder oder Buchrestaurator, die den gesamten Bibliotheksbestand unter diesem Gesichtspunkt aufnehmen. Geschätzter Zeitaufwand ca. drei Monate. Wer soll das bezahlen? Wir haben gerade mal das Geld, den jetzigen Personalbestand - der in einer chronischen Unterbesetzung besteht - aufrecht zu erhalten. Das einzige, was ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt versuche, ist, gezielt Bücher herauszusuchen, die mir am wichtigsten erscheinen, diese einschätzen zu lassen und in einem der nächsten Mitteilungshefte der Karl-May-Gesellschaft aufzulisten. Aber auch dazu muß ich die Wintermonate abwarten, da z.Z. so viele andere Aufgaben im Außenbereich anliegen, die im Jubiläumsjahr auch noch erledigt werden sollten. Das geht von der Gartenneugestaltung bis zur kompletten Rekonstruktion des Kellers und des Obergeschosses der Villa Bärenfett, einschließlich der Einrichtung von Räumen für das Archiv der Karl-May-Gesellschaft und eines evtl. Geschäftsführerzimmers.

Es ist natürlich verständlich, daß bei der Übernahme einer Buchpatenschaft bestimmte Bücher bevorzugt werden, aber der Catlin z.B. ist nur einmal da und noch dazu nicht unbedingt restaurierungsbedürftig. Hier bitte ich die Interessenten, sich mit mir in Verbindung zu setzen, so daß wir uns auf einen Titel einigen können. Ich bitte aber um Verständnis, daß auch Bücher restauriert werden müssen, in denen keine Anmerkungen von May sind. In jedem Fall erhält der Spender eine Spendenbescheinigung und die Buchkarteikarte einen entsprechenden Vermerk. Es gibt aber auch noch andere Schwierigkeiten bei den Restaurierungen im Zusammenhang mit einer Buchpatenschaft zu bewältigen: Bevor ich ein Buch zum Restaurator/Buchbinder geben kann, muß es in der Regel entsäuert werden. Der laufende Meter Bücher kostet hier rund 1.300 DM. Wenn ich eine durchschnittliche Buchdicke von 2,5 cm annehme, sind das 40 Bücher pro Meter, d.h. ein Buch entsäuern kostet allein schon 32,50 DM. Ich brauche also zuerst eine gewisse Grundsumme, um die Vorarbeiten leisten zu können. Dazu kommen noch solche Probleme, daß bei einem wertvollen Buch aus dem 18. Jahrhundert ("Versuch über die Religion der alten Ägypter und Griechen" von Vogel, Nürnberg 1793) Pilzbefall festgestellt wurde und dementsprechend schnell gehandelt werden mußte. Es stand also die Entscheidung, einen Tiefkühlschrank anzuschaffen und das Buch auf unbestimmte Zeit einzufrieren oder ein Referenzobjekt für eine besonders aufwendige Restaurierung zu schaffen. Ich habe mich für letzteres entschieden, das hieß Gammabestrahlung, Einzelblattbehandlung mit Karbonatbad, Anfaserung und Nachleimung, neue Heftung, Einledern, Deckelbearbeitung. Ergebnis: Restaurierungsaufwand von 2.920,88 DM incl. MwSt.

Bis zum 10. Oktober waren auf unserem Spendenkonto 5.995,22 DM eingegangen, davon 3.290,50 DM zweckgebunden für die Restaurierung der Bücher. Dazu kommt noch eine Spende vom Freundeskreis des Karl-May-Museums in Höhe von 1.700,- DM. Insgesamt standen also 4.990,50 DM zur Verfügung. Davon wurden bisher ausgegeben: 2.920,88 DM für o.g. Vogels "Versuch..."; 6 Bände Petermanns Mitteilungen 348,- DM; 5 Bände Pierer, 1x Buch der Jugend, 1x Guter Kamerad 447,20 DM. Ca. 150,- DM wird die Restaurieung von Didiers "Groß-Scherif von Mekka" kosten, für die Jörg Bielefeld die Patenschaft übernommen hat, der Rest steht für einen laufenden Meter Entsäuerung bereit, der bereits in Auftrag gegeben wurde.

Als nächstes sollen die zwei Bände Fröbels "Aus Amerika" (Bereitschaft zur Patenschaft liegt vor), Möllhausens "Wanderungen durch die Prärien...", Berggartens "Amerika" sowie Polaks "Persien" in Angriff genommen werden. Kosten pro Band: ca. 200,- DM.

Soviel zu Spenden, Restaurierung und Patenschaften.

Welche Fundgrube die Erschließung von Karl Mays Bibliothek für den Quellenforscher sein kann, möchte ich abschließend noch an einigen Beispielen erläutern und damit gleichzeitig noch einige Tips zum Weiterforschen geben.

Sehr wenig scheint mir in dieser Hinsicht das "Magazin für die Literatur des Auslandes" ausgewertet zu sein. Davon hat May 17 Jahrgänge (1832-1848 in 33 Bänden; Bibliotheksverzeichnis Nr. 85-117) in seiner Bibliothek stehen, fast jeder Band mit Anstreichungen und Anmerkungen versehen (siehe Faksimile: Rückendeckel des 1. Halbbandes 1842).

schrift.jpg (18663 Byte)

Einige weitere Beispiele:

1834 "Die Samum-Grotte in Ägypten"        - Krokodilhöhle

"San Dszö King"         - Chin. Jugend / Gedichtbeispiele

"Die Chinesischen Dschonken"         - Methusalem?

1839 "Die Silbermine von Serro de Pasco"        - Sujet Peru

"Canton im Jahre 1838"         - "Wichtig"

"Der Koran"         - Leben Mohammeds

"Die Engländer auf Reisen"         - Einförmigkeit, Ichsucht

"Die Wüste Koruska"         - Landschaft und Ortschaften in Ägypten

"Sennaar und Kordofan"         - dto., Sudan

"Die Schneestürme des russischen Winters"        - "Wjunga"

"Geschichte eines Pfefferkuchen-Degens"        - Napoleon, Bertier

1841 "Die Chinesischen Würdenträger"        - Klassen der Mandarin

"Die wahren Quellen des Sklavenhandels"        - Sklavenkarawane?

"Die Insel Hong-Kong,.. Speisen und Gewohnheiten der Chinesen"       - Feringhi, div. Speisen, Einladungen

1842 "Das Mahl des Patagoniers und des Gauchos"        - Pampero

"Von dem Harem und den Frauen des Orients"        - Anrufung um Schutz, Seele der Frau

"Die Häuser der Mauren in Algier"        - Hausbeschreibung

"Ein Blick auf das heutige Jerusalem"        - Sujet

"Sitten und Gebräuche der Nord-amerikanischen Indianerstämme"        - Winona (Name)!, Wampum, Kalumet

Hiermit kann nun auch der jahrelange Streit über Karl Mays Orientbild und die Rolle der Frau im Islam geklärt werden: "Das Gesetz Muhammed´s hat sie so tief unter den Mann gestellt, daß es sogar behauptet, sie sey für moralische und geistige Erziehung nicht empfänglich, und daß mehrere Gelehrte bezweifelt und sogar geleugnet, daß die Frau eine vernünftige Seele wie der Mann habe." (Perrier: Syrien. Von dem Harem und den Frauen des Orients; in: Magazin für die Literatur des Auslandes; Einundzwanzigster Band, Januar bis Juni 1842. S. 186)

Hofmann/Vorbichler (aber auch andere) könnten also daraus lernen, daß man vor der Veröffentlichung "wissenschaftlicher Erkenntnisse" ordentlich recherchieren sollte! Zumindest aber sollte man May zugute halten, daß er nur das wissen konnte, was zu seiner Zeit bekannt war. In diesem Sinne kann ein Blick in Mays Bibliothek nur von Nutzen sein.

Hans Grunert 

    


Spendenaktion

Archiv – Nachrichten, Januar 1998

Förderverein Karl-May-Museum

Hauptseite der Karl-May-Stiftung